"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "No-na-Forderung" (Von Alexander Paschinger)

Ausgabe vom 21. Juni 2006

Innsbruck (OTS) - Reichen Kassenleistungen für die optimale Versorgung der Patienten aus? So lautete eine der Fragen, die von der Ärztekammer an ihre Mitglieder gestellt wurden. Die Antwort kam unisono: 80 Prozent sagen nein. Durchwegs zeichnen die Umfragen von Bundes- und Landesvertretung ein klares Bild - ein hauptsächlich negatives im Zusammenhang mit der Gesundheitsreform. Und so kam es zur Schlussfolgerung: 92 Prozent der Ärzte signalisieren Bereitschaft zur Teilnahme an Protestmaßnahmen. Ein kräftiges Zeichen einer Interessensvertretung in Zeiten von ÖGB-Schwäche.

Der Ärger in der Ärzteschaft ist wohl auch verständlich. Ein Jahr Gesundheitsreform brachte so manches Problem mit sich. Angefangen von den Schwierigkeiten mit der Einführung der E-Card und dem Aufwand mit der Chefarztpflicht. Das soll abgegolten werden, sind sich die Standesvertreter einig. Und sofort greift die Tiroler Ärzteschaft zur massivsten Drohung, die ihr zur Verfügung steht: Streikdrohung und mögliche Kündigung der Kassenverträge. Dabei schaut es nach einer konzertierten Aktion aus: Pünktlich vor dem österreichischen Ärztetag am Wochenende in Graz wird die Rute ins Fenster gestellt. Just in der Zeit, in der bereits die Kündigungsfrist der Kärntner Ärzte läuft, nachdem in Wien schon im Herbst das Gesundheitschaos mit besseren Verträgen abgewendet worden war.

Damit nehmen die Mediziner aber ihre Klienten in Geiselhaft. Drohen selbst mit der Zwei-Klassen-Medizin, vor der sie wegen der Gesundheitsreform warnen. Keine Kassenverträge bedeuten Privathonorare. Dass Reformen und damit neue Situationen Kinderkrankheiten mit sich bringen, ist eine oft bestätigte Binsenweisheit. Aber die medizinische Versorgung damit ins Pokerspiel einzubringen, ist ein zu sensibles Thema, um eine No-na-Forderung nach mehr Geld durchzubringen. alexander.paschinger@tt.com

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