Stadt Wien / Industrie: Gemeinsam für Standort Wien

Land Wien und Industriellenvereinigung Wien unterzeichnen Standortvereinbarung

Wien (OTS) - Eine gemeinsame Erklärung zur weiteren Entwicklung
des Standortes Wien unterzeichneten am Dienstag Wiens Bürgermeister Dr. Michael Häupl, Vizebürgermeister Dr. Sepp Rieder, der Präsident der IV Wien, DI Albert Hochleitner, und Dr. Thomas Oliva als Geschäftsführer der IV Wien.

"Viele Entwicklungen für den Standort Wien können aufgrund der geltenden Kompetenzzuteilungen nur mit Partnern auf Bundesebene oder auf Ebene der Europäischen Union erreicht werden. Wir haben deshalb ein gemeinsames Vorgehen in jenen Kernbereichen vereinbart, die für die Entwicklung des Standortes Wien von zentraler Bedeutung sind. Dies soll Maßnahmen zugunsten des Industrie- und Arbeitsstandortes erleichtern und beschleunigen", so die Unterzeichner. Vereinbart wurde unter anderem eine gemeinsame Vorgangsweise in folgenden Punkten:

o Infrastrukturfragen o Forschung und Entwicklung o Vorantreiben der Schwerpunktsetzung innerhalb der Stadt (Cluster) o Entwicklung des Twin-City-Projekts in Richtung Bratislava

Ebenso einigte man sich auf institutionalisierte Gesprächsrunden in den Kernbereichen, die zweimal pro Jahr stattfinden sollen.

Schärferer Wind bringt Notwendigkeit neuer Strategien

Der zunehmend internationale Wettbewerb und die Globalisierung stellen hohe standortpolitische Anforderungen an Regionen, Städte und Unternehmen. Durch die Erweiterung der Europäischen Union ist Wien vom "Rand" ins Zentrum Europas gerückt. Dieser erweiterte Binnenmarkt ist gekennzeichnet durch höheres Wachstum in den neuen EU-Mitgliedsstaaten und durch verschärfte Wettbewerbsbedingungen. "Alle reden von der Globalisierung. Globalisierung ist etwas, das 'passiert'. Wir sprechen heute von der Standortentwicklung und der regionalen Wirtschaftspolitik, etwas, das wir gestalten können, etwas, das in unserem Verantwortungsbereich liegt", so Hochleitner.

"Wir richten seit Jahren unsere wirtschaftpolitischen Maßnahmen auf zukunftsträchtige Bereiche, wie Forschung & Wissenschaft und Hochtechnologie aus. Die Erfolge im Bereich Life Sciences - Wien ist hier innerhalb von 10 Jahren zu den Top-Standorten in Europa avanciert - bestätigen diese Politik eindrucksvoll. Diesen Weg setzen wir fort. Genauso richten wir unsere Energien - jetzt auch institutionalisiert mit unseren Partnern - verstärkt auf den Ausbau der Infrastruktur nicht nur um Wien, sondern auch in Richtung Bratislava", so Rieder.

Die vier definierten Bereiche im Detail:

1) Perfekte Infrastruktur als Grundvoraussetzung für wirtschaftlichen Erfolg

Infrastruktur wird als Standortfaktor immer entscheidender. Die Globalisierung bringt es mit sich, dass fast alle Investitionen nahezu überall möglich sind und der Wahl des Standortes damit eine ganz besondere Bedeutung zukommt. Dies gilt sowohl für das investierende Unternehmen als auch für die regionale Wirtschaft. Die Attraktivität eines Standortes wird maßgeblich vom vorhandenen Angebot an Verkehrsinfrastruktur (innerstädtische öffentliche Verkehrsmittel, Straßennetz, Güterumschlagsplätze, Flughafen) und deren Benutzbarkeit bestimmt.

Aus diesem Grund wurden in der gemeinsamen Erklärung folgende Projekte als "notwendig" für die Entwicklung des Standortes definiert:

o Weiterer zügiger Ausbau des U-Bahn Netzes in Wien (U2 Verlängerung zum Flugfeld Aspern, Umbau Station Südtiroler Platz, U2-Verlängerung Richtung Bahnhof Wien-Europa Mitte, U1 Verlängerung Richtung Rothneusiedl, ...) o Ausbau der Bahnhöfe zu attraktiven Knotenpunkten des öffentlichen Verkehrs (Bahnhof Wien-Europa Mitte, Bahnhof Praterstern, Westbahnhof) o Ausbau des hochrangigen Straßennetzes um und in Wien (Umfahrungsring S1, Anbindungen an das hochrangige innerstädtische Netz durch Spange Hansonkurve und Verlängerung A23 (B3d)) o Ausbau des Hafens Freudenau zu einem tri-modalen Knotenpunkt o Ausbau des Güterterminals Wien-Inzersdorf o Zügiger Ausbau des Flughafens Wien unter Berücksichtigung aller umweltrelevanten Aspekte

2) Stadt als optimaler Standort für "neue Industrie" in Kooperation mit Forschung und Entwicklung

Die Wiener Universitäten und Fachhochschulen haben derzeit mehr als 120.000 Studenten. Dazu kommen 200.000 Schüler. Wien ist damit "Know how Produzent" mit einer auch im Vergleich zu anderen europäischen Regionen außerordentlich hohen Konzentration von "Wissensproduktion". Vor allem in der Kooperation von Unternehmen, die in einem "wissensbasierten" Wirtschaftssektor tätig sind und den Universitäten, Kunsthochschulen, Fachhochschulen und HTL etc. können besondere Standortvorteile erzielt werden. Betont wurde dabei auch, dass die Bemühungen vor allem in Richtung Anwendung von erzielten Erkenntnissen gehen muss.

Vereinbart wurden folgende Leitlinien:

o Durchführung eines Strategiefindungsprozesses im Bereich Forschung, Wissenschaft und Wirtschaft (Technologie) für Wien o Besondere Unterstützung herausragender Wissenschafts- und Forschungsteams und -projekte o Erstellung eines Universitätsstandortkonzepts für Wien (unter Berücksichtigung der Erfordernisse der TU, WU und Boku) o Neudefinition des Industriebegriffes mit dem Schwerpunkt Warenproduktion oder Leistungserbringung basierend auf Know how bzw. Forschung und Entwicklung o Ausweitung des Angebots an Studentenheimen

3) Konzentration der Kräfte - Räumliche Schwerpunkte innerhalb der Stadt weiter ausbauen

Wien ist im Gegensatz zu vielen anderen europäischen Metropolen in der Lage, entsprechende Flächen zur "Clusterbildung" anbieten zu können. Industrie und Stadt Wien stimmen darin überein, dass die Verflechtung von wirtschaftlicher Tätigkeit und Wohnbedürfnis in vielen Bereichen sinnvoll ist.

Einige der folgenden gemeinsam von Stadt Wien und Industrie als wichtig angesehenen Stadtentwicklungsgebiete bedürfen zu deren erfolgreicher Nutzung "vorgelagerter" Infrastrukturmaßnahmen. Getragen von diesen Überlegungen bieten sich für Stadt Wien und IV Wien folgende Regionen innerhalb der Stadt Wien zur Clusterbildung an:

o Flugfeld Aspern (neuer Universitätscampus, Automotive Industries) o Bahnhof Wien - Aspanggründe - St. Marx (Life Sciences) o Siemensstraße - Gaswerk Leopoldau - Allissen (Elektro- und Elektronikindustrie Produktion) o Muthgasse (Life Sciences unter besonderer Berücksichtigung der Notwendigkeiten und Anforderungen der Universität für Lebenswissenschaften)

4) Den Gedanken leben: "Twin City" Wien - Bratislava

Bratislava verfügt über mehr Einwohner als Graz und Linz gemeinsam und liegt dabei für Wien näher als Wiener Neustadt. Allein dieses Faktum macht das besondere Städteverhältnis Wien Bratislava deutlich. Klar ist auch, dass im Standortwettbewerb nicht juristisch definierte Standorte, sondern Regionen miteinander im Wettbewerb stehen. Wien und die Industriellenvereinigung sprechen sich daher für ein konstruktives Miteinander anstatt eines Nebeneinanders aus. Gleichzeitig soll die individuelle Entwicklung sowohl von Bratislava als auch von Wien sicher gestellt werden. Das unterschiedliche Profil der beiden Städte verlangt unterschiedliche Strategien.

Stadt Wien und IV Wien wollen nach Wegen suchen, wie ein Ausbau der Verkehrsinfrastruktur zwischen den beiden Städten Wien und Bratislava auch durch den Einsatz von PPP-Modellen so beschleunigt werden kann, dass er den wirtschaftlichen Notwendigkeiten entspricht.

Stadt Wien und die IV Wien legen folgende Maßnahmen für die Realisierung des Twin-City-Gedankens fest:

o Ausbau der Schienenverbindungen zwischen Wien und Bratislava sowohl nördlich als auch südlich der Donau (Ausbau der Ostbahn über Marchegg, S7, Errichtung der Schleife Götzendorf zur Anbindung des Flughafens Wien an das internationale Schienennetz, Anbindung des Flughafens Bratislava an das internationale Schienennetz, Ertüchtigung des Bahnringes in Bratislava) o Verbesserung des Straßennetzes zwischen Wien und Bratislava (Fertigstellung Spange Kittsee, Errichtung der Marchfeldschnellstraße, Errichtung eines Umfahrungsringes um Bratislava) o Optimierung der Synergieeffekte zwischen den Flughäfen Wien und Bratislava o Ausbau der Schifffahrtsrinne östlich von Wien unter´ Berücksichtigung des Nationalparks sowie Propagierung, Nutzung und Intensivierung der Schnellbootverbindung Wien - Bratislava

(Schluss) mmr

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