Gewerkschaftsgruppe solidarisch mit "SOS ORF"

Bundesfachgruppe "Multimedia und Informationsdienstleistungen" nimmt Arbeit auf

Wien (GPF/ÖGB) - Die Bundesfachgruppe "Multimedia und Informationsdienstleistungen" in der Gewerkschaft der Post- und Fernmeldebediensteten (GPF) hat ihre Solidarität mit der Aktion "SOS ORF" erklärt. ++++

"Zunehmender Druck im Unternehmen und politische Zensur sind für die meisten ORF-Mitarbeiter/innen unerträglich geworden. Schuld daran ist auch die Packelei innerhalb des ORF-Zentralbetriebsrates rund um den Vorsitzenden Fiedler, die diese Politik ermöglicht hat", sagte Dr. Georg Tidl, der geschäftsführende Vorsitzende der Bundesfachgruppe anlässlich der konstituierenden Sitzung am 9. Juni 2006.

Georg Tidl ist selbst langjähriger ORF-Redakteur und Betriebsrat und zusammen mit engagierten Gewerkschafter/innen aus unterschiedlichen Kommunikationsbereichen angetreten, innerhalb des ÖGB eine organisatorische Lücke für die Informationsdienstleistungs-Bereiche zu schliessen.

Der Bereich der interaktiven Informationsdienstleistungen ist die Wachstumsbranche unserer Zeit. Internet ist längst ein neues Massenmedium und ist als eigener Bereich neben klassische Medien getreten. Das führt zu einem rasant wachsenden Medienangebot, aber auch zu einer veränderten Mediennutzung.
Die Übergänge zu klassischen Medien sind fließend geworden und ergeben auch neue Anforderungen an die Mitarbeiter/innen in der Informations- und Kommunikationsbranche. Neue Berufe sind entstanden:
Content-Provider, Medien-Designer, Web-Master, Informations- und Kommunikationsspezialist/innen, etc.

Dazu Michael Kolek, Telekom Austria-Zentralbetriebsrats- und GPF-Vizevorsitzender: "Die Kommunikationsgewerkschaft GPF sieht eine unbedingte Notwendigkeit, diesem internationalen Trend mit der Errichtung geeigneter gewerkschaftlicher Strukturen Rechnung zu tragen. Aus diesen Gründen wird die neue Fachgruppe auch in enger Kooperation mit den Telekom-Organisationsstrukturen arbeiten."

"Wir brauchen nicht vordringlich ein neues Dach für die Gewerkschaften, sondern ein festes Fundament und müssen über den Tellerrand hinausblicken", beschreibt Georg Tidl die aktuelle Ausgangssituation. Dieses Fundament sollen unter anderen Betriebsrätinnen und Betriebsräte in den Firmen bilden. "Mit der Kraft und Solidarität vieler Mitglieder  vor allem mit den Post- und Telekombeschäftigten und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der neuen interaktiven Multimedialandschaft können wir mehr erreichen", ist Michael Kolek überzeugt. Darüber hinaus soll es für die ständig zunehmende Anzahl von atypisch und prekär Beschäftigten direkte Ansprechpartner geben, die in derselben Situation sind und wissen, wovon sie reden.

Heute finden Medienmitarbeiter/innen kaum noch eine Fixanstellung. Ein großer Teil wird im besten Fall nach branchenfremden Kollektivverträgen oder mit freien Dienstverträgen beschäftigt, viele arbeiten als neue Selbständige oder geringfügig Beschäftigte. So gibt es zum Beispiel beim Fernsehen seit Jahren keinen einzigen angestellten Kameramann mehr. "Die Menschen brauchen ein Einkommen, mit dem sie auch auskommen können", bringt Georg Tidl die Situation auf den Punkt.

Und zurück zum ORF: "Der ORF braucht mehr Luft. Parteien- und Regierungseinfluss hat es immer gegeben, aber so direkt wie in den letzten Jahren war es noch nie. Kritische Berichterstattung muss von den MitarbeiterInnen und Mitarbeitern mühsam erkämpft werden."

Die Bundesfachgruppe Multimedia und Informationsdienstleistungen schließt sich den Forderungen der unabhängigen Initiative "SOS ORF" vollinhaltlich an:
o Ein intelligentes Programm, das den Namen öffentlich-rechtlich verdient, auch im Hauptabend.
o Eine Umstrukturierung der Fernsehinformation, die im kreativen Wettbewerb Vielfalt und Ausgewogenheit der Berichterstattung ermöglicht statt behindert.
o Einen unabhängigen und kompetenten Aufsichtsrat, der keine Parteiaufträge entgegennimmt.
o Ein öffentliches Hearing für die Position der Generaldirektor/in, der Infodirektor/in, der Programmdirektor/in, um qualifizierten Kandidat/innen eine faire Chance zu geben.

ÖGB, 14. Juni
2006 Nr. 417

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Dr. Georg Tidl
GPF/BFG Multimedia und Informationsdienstleistungen
Biberstraße 5
1010 Wien
Tel. 01/5125511-21

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