"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Nur ein Teilsieg" (Von GERD GLANTSCHNIG)

Ausgabe vom 24. März 2006

Innsbruck (OTS) - In der nahezu unendlichen Geschichte rund um die Pleite des FC Tirol ist nun eine Zwischenetappe erreicht. Der Oberste Gerichtshof hat die Karten teilweise neu gemischt. Die Höchstrichter befanden, dass das Erstgericht die Schuldsprüche über Bruckmüller, Kerscher und Hochstaffl nicht ausreichend begründet hatte. Dies kann höchstens als Teilsieg für die Verteidigung bezeichnet werden, denn ein Freispruch ist es beileibe nicht. Vielmehr haben die Höchstrichter eindeutig zum Ausdruck gebracht, dass es sehr wohl Schuldige an dem FC-Tirol-Debakel gibt, nämlich Bruckmüller, Kerscher und Hochstaffl. Dass sich die beiden Ex-Präsidenten schuldlos fühlen, weil sie einerseits nur ehrenamtlich tätig waren und andererseits einen bezahlten Geschäftsführer mit der Vereinsleitung betraut hatten, nämlich Hochstaffl, hat die Höchstrichter nicht beeindruckt.

Denn Hochstaffls Tätigkeit nicht zu überprüfen, ihn mehr oder weniger nach Belieben schalten und walten zu lassen, ist keine Entschuldigung, sondern vielmehr grobe Fahrlässigkeit. Darüber haben die Höchstrichter keinen Zweifel bestehen lassen.

Das heißt, dass in der nun notwendigen zweiten Prozessrunde nur die von den Höchstrichtern aufgezeigten Mängel beseitigt werden müssen. Denn zu mehr hat der Oberste Gerichtshof keine Erlaubnis gegeben. Zum Leidwesen der Verteidigung ist der OGH in der mündlichen Urteilsbegründung auch nicht auf die widersprüchlichen Gutachten über die Zukunftsaussichten des FC Tirol eingegangen.

Für alle ehrenamtlichen Vereinsfunktionäre beinhaltet diese Entscheidung des Obersten Gerichtshofes jedoch die ernsthafte Warnung, die Aufsichtspflicht nicht zu vernachlässigen. Denn auch die unentgeltliche, ehrenamtliche Tätigkeit entbindet nicht von der Verantwortung, nach dem Rechten zu sehen.

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