"Kleine Zeitung" Kommentar: "Zuwanderung ungebremst: Wer redet da noch von Integration?" (von Hans Winkler)

Ausgabe vom 12.06.2006

Graz (OTS) - Die Zuwanderung nach Österreich ist, wie es in einer Meldung der Austria Presseagentur trocken heißt, "unverändert hoch". In den letzten beiden Jahren stieg der Saldo - Zuwanderung minus Abwanderung - auf jeweils rund 50.000 Menschen.

Mit rund zehn Prozent der Bevölkerung haben Österreich und Luxemburg den höchsten Ausländeranteil in Europa. Wenn man noch berücksichtigt, dass auch die Zahl der Eingebürgerten stark gestiegen ist, darunter viele Menschen, von denen man schwerlich behaupten kann, sie seien integriert, wird klar, dass längst eine kritische Grenze erreicht ist.

"Wir sind eben ein Einwanderungsland" heißt darauf die ebenso hilflose wie falsche Antwort. Österreich ist zwar ein begehrtes Zuwanderungsland, ein Einwanderungsland wäre es dann, wenn es den Zustrom gewünscht, wenigstens aber gesteuert hätte, wie es die "klassischen" Einwanderungsländer Kanada, Australien tun.

Österreich hat vielmehr eine "erlittene" und nicht eine "gewählte" Zuwanderung. Diese Wortprägung stammt nicht von einem bösen Rechten, sondern von der Präsidentschaftskandidatin der französischen Sozialisten Segolene Royal.

Jahrelang war das Thema tabu und wer darüber sprach, wurde unter das Verdikt "Ausländerfeind" gestellt. Jetzt, da es sich nicht mehr verdrängen lässt, muss die Politik ihre ganze Ratlosigkeit eingestehen. Die ÖVP treibt Beschwichtigung, das BZÖ empfiehlt Brachialmethoden, die FPÖ schürt Ängste, die SPÖ schweigt beredt und selbst die Grünen können nicht mehr die Augen vor der Wirklichkeit verschließen.

Die Inkonsequenz der Letzteren, die immer schnell mit der Moral bei der Hand sind, ist allerdings schwer zu überbieten: Sie wollen zwar "niemanden ausgrenzen", empfehlen aber ein Punktesystem. Das läuft darauf hinaus, dass wir die Jungen, Gesunden, Unternehmungslustigen, gut Ausgebildeten hereinlassen, die anderen sollen draußen bleiben. Das Boot ist eben voll. Mit dieser Idee, die alle in Europa gern verwirklicht hätten, sind die Deutschen schon gescheitert. Die indischen oder osteuropäischen IT-Experten, die wir gern hätten, gehen lieber in die USA oder nach Ostasien.

Angesichts dieser Verhältnisse noch von Integration zu reden, ist eine Illusion. Von den im Integrationsvertrag verpflichtenden Sprachkursen wird nur ein Bruchteil erfolgreich absolviert. In Wien gibt es mittlerweile geschlossene Viertel, in denen Integration der Neuankömmlinge schon stattfindet: In die dortige türkische Welt. ****

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