Ein Fall für zwei

"Presse"-Leitartikel von Oliver Pink

Wien (OTS) - Auch wenn das BZÖ der FPÖ doch noch den Rang abläuft:
Zukunft hat das Dritte Lager wohl keine mehr.

Zutrauen würde man es ihm. Dass Jörg Haider seine eigene Bespitzelung inszeniert, um der FPÖ zu schaden - wie deren Chef Heinz-Christian Strache insinuiert. Allein, dass man diesen Gedanken nicht völlig abwegig findet, zeigt, wie sehr man sich bei Jörg Haider schon daran gewöhnt hat, nicht überrascht zu sein. In Sachen "Dirty Campaigning" spielte er schließlich jahrelang in der Champions League. Dagegen wieseln ÖVP und SPÖ noch immer in der Unterliga herum.
Die Wirklichkeit wird aber wohl ein wenig anders aussehen. Eher so, wie das BZÖ sie schildert. Ein führender FPÖ-Funktionär heuert einen Detektiv an, um Jörg Haiders Wirken in diversen Kärntner Wirtschaftsskandalen zu durchleuchten. Im Zweifel für den Angeklagten, den FPÖ-Generalsekretär Klement, wollen wir jetzt einmal davon ausgehen, dass er die Recherchen nicht auf Haiders Privatleben ausgedehnt wissen wollte und selbst Opfer einer FP-internen Intrige wurde.
Auf die FPÖ wirft die Detektiv-Geschichte jedenfalls ein denkbar schlechtes Licht. Doch noch weit unangenehmer ist wohl eine andere politische Entwicklung der vergangenen Wochen: Die Re-Aktivierung Peter Westenthalers auf Seiten des BZÖ.
Bislang war Heinz-Christian Strache der einzige Hecht im schlammigen Biotop des Dritten Lagers. Ein Sprücheklopfer, frech, agil, um keine ressentimentgeladene Kampagne verlegen. Mit Westenthaler steigt nun ein ähnlich gelagerter Typ in den Ring. Quasi als Angebot für jene Freiheitlichen, die auch mit Messer und Gabel umgehen können. Oder um ein Sprachbild zu verwenden, das in diesem Milieu noch besser verstanden wird: Die ab und zu auch mal das Florett statt des Säbels verwenden.
Darf man Umfragen Glauben schenken, hat Westenthaler den Rückstand des BZÖ auf die FPÖ auf einen Prozentpunkt reduziert. Das ist schon was. Auch die mediale Präsenz Westenthalers ist augenscheinlich. Und die Wahlkampf-Idee, sich der Opfer von Eigentumsdelikten - und dazu kann sich in einer Großstadt ja schon fast jeder zählen - anzunehmen, ist keine schlechte.
Für die FPÖ, die nach der Wien-Wahl schon wie der sichere Sieger im Dritten Lager aussah, wird es nun eng. Für das BZÖ sieht es wieder besser aus. Allerdings: Das Bruder-Duell findet auf niedrigstem Niveau statt. BZÖ und FPÖ grundeln knapp über der Vier-Prozent-Hürde herum.
Das Dritte Lager ist eigentlich am Ende.
Erich Reiter, freiheitlicher Vor- und Querdenker, hat jüngst beklagt, Jörg Haider habe die FPÖ nachhaltig verändert. Er habe aus einer bürgerlich-liberalen Mittelstandspartei eine Populisten-Partei gemacht. Und Heinz-Christian Strache setze dies nun noch akzentuierter fort.
Wobei: Eine bürgerlich-liberale Honoratiorenpartei war die FPÖ höchstens in größeren Städten, am flachen (und gebirgigen) Land war sie vor allem die Nazi-Nachfolge-Partei. Was jetzt nicht heißen soll, dass nicht auch die FPÖ ihren Beitrag dazu geleistet hat, aus ehemaligen Nationalsozialisten brauchbare Demokraten zu machen.
Mit seiner Kreation BZÖ versucht Haider nun zur "bürgerlichen Mittelstandspartei" zurückzurudern - nur nimmt ihm das keiner mehr ab. Strache hingegen probiert weiter den Spagat zwischen den alten nationalen Kadern und den von der Sozialdemokratie Enttäuschten in den Städten.
Da die alte FPÖ im Kern stets eine nationale Truppe war - im Gegensatz zur FDP in Deutschland, die sich ihrer Rechtsaußen-Exponenten nach 1945 recht rasch entledigte und eine glaubwürdige liberale Partei wurde -, stünden die Chancen für die FPÖ zu überleben wohl besser als die des BZÖ. Weil sie eben auf ein gewachsenes Milieu zurückgreifen kann. Andererseits: Wer fühlt sich heute noch als (Deutsch-)Nationaler?
Und was das BZÖ betrifft: Für mehr als einen knappen Parlaments-Wiedereinzug wird die Strahlkraft Peter Westenthalers nicht ausreichen. Und ein zweites Mal wird der Retro-Gag nicht ziehen.

Eine Zeit lang darf man sich also noch an der FPÖ/BZÖ-Schlammschlacht weiden. Wobei eine Frage in der "Spitzel-Affäre" noch gar nicht gestellt wurde: Wenn der Detektiv 10.000 Euro an Gage kassiert hat, welche Gegenleistung, sprich Recherche-Ergebnisse, hat er denn dafür erbracht? Vielleicht liest man ja bald Neues über Jörg Haiders (angebliche) Machenschaften in Kärnten. Dann könnte FPÖ-General Herbert Kickl ähnlich wie vorige Woche BZÖ-Sprecher Uwe Scheuch mit unterdrücktem Schmunzeln verkünden: "Nein, wir haben das nicht an die Medien gegeben. Wieso sollten wir?"
Also: Fortsetzung folgt. Wenigstens in der blau-orangen Detektivgeschichte.

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