"Kleine Zeitung" Kommentar: "Das deutsche Team hat die Freundschaft fast übertrieben" (von August Kuhn)

Ausgabe vom 10.06.2006

Graz (OTS) - Die Fußball-WM in Deutschland hat diesen Slogan: "Die Welt zu Gast bei Freunden." Gleich im ersten Spiel gegen Costa Rica hat sich das deutsche Team strikt daran gehalten. Zwar 4:2 gewonnen, aber insgesamt war man nett zu den Gästen.

Es gibt allerdings noch eine Erklärung für das schwache Spiel der deutschen Mannschaft: Sie hat nicht mehr drauf. Dass es sich letztlich doch bequem mit zwei Toren Vorsprung ausgegangen ist, lag daran, dass der Gegner eher von der schwächeren Sorte war.

Absolut in Bestform waren nur die Fans in der Münchner Arena. Sie haben dafür gesorgt, dass von Beginn an der Funke von den Rängen auf die Spieler überspringen konnte. Sie haben auch das Ausgleichstor der Gäste "verkraftet" und haben nach der Pause die Mannschaft endgültig zu den ersten drei Punkten in diesem WM-Turnier getrieben. Richtig entspannt waren die 70.000 aber erst, als der Schiedsrichter dieses Match abgepfiffen hat.

Eröffnungsspiele sind immer schwierig. Niemand weiß genau, wo er wirklich steht. Deutschland weiß das auch jetzt noch nicht. Die Auslosung wollte es, dass Deutschland mit dem Team aus Costa Rica vermutlich den schwächsten Gruppengegner zum Aufwärmen gezogen hat.

Jetzt kommen die Partien gegen Polen und Ecuador auf das Gastgeberland zu. Da wird es sicher schwieriger und ein Sieg ist noch nötig, um zumindest als Gruppenzweiter weiter zu kommen. Außerdem gibt es die "Baustelle" Michael Ballack. Der Kapitän war gestern nicht im Aufgebot, obwohl er trotz seiner Wadenverhärtung spielen wollte. Teamchef Jürgen Klinsmann war anderer Meinung und ist stur geblieben. Jetzt wird es darauf ankommen, ob Ballack und Klinsmann wieder den Draht zueinander finden. Denn wie es sich gezeigt hat, war es schon gestern gefährlich, auf den Spielmacher zu verzichten.

Das Fazit für WM-Veranstalter Deutschland: Bis Mittwoch, wenn es in Dortmund gegen Polen geht, ist die Fußballwelt zwar nicht heil, aber die Stimmung im Land ist gerettet. Das ist nicht unwichtig, schließlich ist Fußball ein Spiel, bei dem es um sehr viel Geld geht. Eine Studie einer englischen Universität behauptet, dass bei einem Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft im Achtelfinale deutsche Aktionäre mehr als zwei Milliarden Euro verlieren könnten. Und ganz gemein: Umgekehrt ist da nichts zu machen.

In zwei Jahren hat Österreich das Eröffnungsspiel bei der Euro 2008. Ein 4:2-Sieg wäre herrlich. Egal, wer sich zur Verfügung stellt. ****

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