WirtschaftsBlatt Kommentar vom 10.6.2006: Fall Elsner stellt Österreich auf den Prüfstand - von Peter Muzik

Wieviel Schadenersatz wird der Bawag-Buhmann leisten?

Wien (OTS) - Percy Barnevik, der frühere Vorstands- und Aufsichtsratschef des schweizerisch-schwedischen ABB-Konzerns, hat bei seinem Rücktritt im Jahr 1996 umgerechnet insgesamt 95,4 Millionen Euro an Pensions- und anderen Zahlungen erhalten. Später zahlte er aufgrund etlicher Kalamitäten rund 60,5 Millionen Euro zurück.

Man darf also gespannt sein, wieviel der frühere Bawag-Chef Helmut Elsner von den 6,8 Millionen seiner Pensionsabfertigung zurückgeben wird. Ich wette, dass er freiwillig keinen Cent rauszurücken bereit ist. Und ob die Klagen des jetzigen Bawag-Managements gegen Buhmann Elsner oder die Sachverhaltsdarstellung von SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer an die Staatsanwaltschaft etwas bringen werden, wage ich zu bezweifeln. Denn rein juristisch gesehen wird dieser Wahnsinn wohl seine Richtigkeit gehabt haben, sofern die Unterschriften auf den betreffenden Verträgen nicht gefälscht sind. Trotzdem stellt diese Causa die Republik auf den Prüfstand.

Im Prinzip sind hohe Abfertigungen für Topmanager nichts Ungewöhnliches. Speziell wenn es sich um Golden Handshakes handelt, kommen, insbesonders bei internationalen Fällen der spektakulärsten Art, bisweilen astronomische Beträge zu Stande - Lohnvorauszahlungen, einbezahlte Pensionsansprüche, freiwillige Unternehmenszahlungen und diverse Prämien summieren sich eben zu für Normalsterbliche unbegreifbaren Dimensionen.

Auch wenn es in Österreich vergleichsweise um Mickey Mouse-Summen geht, war die öffentliche Aufregung stets gewaltig: Fritz Feitl etwa hat 4,1 Millionen Euro erhalten, als er bei Tyrolean Airways rausflog, Rudolf Streicher bekam 2,5 Millionen, als er 2001 von der ÖIAG in die Wüste geschickt wurde, und dem einstigen ÖBB-Boss Rüdiger Vorm Walde wurden immerhin 1,2 Millionen Euro nachgeschmissen, um ihn endgültig loszuwerden.

Die jeweilige Empörung des so genannten kleinen Mannes, der gerne als Neidgenossenschaft abgetan wird, mag bei diesen drei Fällen ungerechtfertigt gewesen sein, weil es sich um gesetzeskonforme Zahlungen gehandelt hat. Im Fall Elsner sieht das völlig anders aus:
Der Ex-Bawag-General, der zwar mehr als 40 Jahre für die Bawag gewerkt, aber letztendlich ein Fiasko hinterlassen hat, steht, wie es Gusenbauer formuliert, für "ein kriminelles Gesamtkunstwerk". Er ist für seine geradezu obszöne Pensionsabfertigung ebenso zur Rechenschaft zu ziehen wie jene, die ihr Okay gegeben haben. Es wäre traurig, wenn es da keine Konsequenzen gäbe.

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