SPÖ-Frauen warnen vor Zunahme prekärer Arbeitsverhältnisse

"Schritt in die Armut ist ein sehr kleiner"

Wien (SK) - "In den letzten sechs Jahren hat eine Verschärfung der - auch gesetzlichen - Situation bei den prekären Arbeitsverhältnissen stattgefunden", sagte SPÖ-Bundesfrauenvorsitzende Barbara Prammer in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit SPÖ-Frauensprecherin Gabriele Heinisch-Hosek. Zu befürchten sei auch in Österreich das Szenario der weltweiten Entwicklung der Drittelgesellschaft: ein Drittel hat Arbeit, ein Drittel ist arbeitslos und ein Drittel befindet sich in prekären Arbeitsverhältnissen. Diese atypischen Beschäftigungsverhältnisse - betroffen sind vor allem Frauen -sollen, fordern Prammer und Heinisch-Hosek am Freitag, stärker sozial- und arbeitsrechtlich integriert und abgesichert werden. Denn, so Heinisch-Hosek: "Der Schritt in die Armut ist ein sehr kleiner, wenn die soziale Sicherheit nicht gegeben ist." Daher müsse "der Staat eingreifen und die Arbeitsverhältnisse auf gute Beine stellen", fordert die SPÖ-Frauensprecherin. ****

So habe die Teilzeitarbeit massiv zugenommen und betrifft bereits mehr als 42 Prozent der Frauen. Jede vierte Frau ist lediglich mit 20 Stunden oder weniger beschäftigt. "Dass da das Einkommen nicht passen kann, ist klar", sagte Prammer. Die Scheinselbständigkeit nimmt immer mehr zu. 80 Prozent der freien Dienstnehmer und 63 Prozent der neuen Selbständigen beziehen ihre Aufträge nur von einem Unternehmen. Es sei nicht ungewöhnlich, dass in Dienstleistungsunternehmen immer mehr Angestellte gegen neue Selbständige ausgewechselt würden. "Eine gute Unterstützung für Frauen, die sich selbstständig machen wollen, ist notwendig - aber das darf nicht zu diesen Grauzonen der Scheinselbstständigkeit führen, wie wir sie jetzt vorfinden", stellte Prammer fest. Eine klare Gestaltung der Beschäftigungsverhältnisse sei nicht nur im Interesse der atypischen Beschäftigten, sondern auch im Interesse der Unternehmen, "die nicht mit solchen Tricks arbeiten", so Prammer. Und selbst bei den atypisch Beschäftigten sind die Einkommen der Frauen mit Matura um 9 Prozent niedriger als die der Männer und die Einkommen der Frauen ohne Matura um 17 Prozent.

"Ich halte die Ankündigung, die der ÖGB getätigt hat, wonach die atypischen Beschäftigungsverhältnisse als Gruppe aufgenommen werden sollen, für zentral", sagte Prammer. Sie hält diesen Schritt für höchst notwendig und sehr begrüßenswert, machte Prammer deutlich:
"Das ist wirklich eine zukunftsweisende Entscheidung."

Heinisch-Hosek kritisierte, dass die "schwarze Zukunft" immer mehr Flexibilität verlange, die soziale Sicherheit allerdings sei nicht im selben Maß gegeben. "Spricht man mit atypisch Beschäftigten, so erhält man die Antwort: 'Wie viel Geld kriege ich am Ende des Monats - ich weiß es nicht. Ich weiß nicht was ich ausgeben kann, ich komme mir vor wie ein Gummimensch'", so Heinisch-Hosek. Die SPÖ-Gleichbehandlungssprecherin fordert auch rigoros eine Verbesserung der Rahmenbedingungen ein. "Würden vor allem Frauen ihre Kinder gut unterbringen können, würden sie nicht solche atypischen Beschäftigungsverhältnisse annehmen müssen." Prammer betonte, dass die Teilzeitbeschäftigung auch deshalb als so begehrt anzusehen ist, "weil die Arbeitszeit nicht passt". Konkret fordert die SPÖ-Frauenvorsitzende eine nach den Wünschen der Eltern flexiblere Gestaltung der Arbeitszeit.

Weitere Forderungen der SPÖ-Frauen für atypisch Beschäftigte: Aktives und passives Wahlrecht bei Betriebsratswahlen, Bezahlung von Überstunden bei Teilzeit, Verankerung von Frauenförderung in Form von gesetzlich verpflichtenden Frauenförderplänen, klare und einfach gesetzliche Definition von Selbständigkeit, um Scheinselbständigkeit nicht mehr zuzulassen, langfristig die volle Aufnahme sämtlicher Formen atypisch Beschäftigter in die Sozialversicherung, kurzfristig Aufnahme in die Arbeitslosenversicherung. (Schluss) up

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