Stadt-Mobilität ohne Störung

Eine Grundvoraussetzung für urbanes Leben - In Wien gute Balance zwischen den Verkehrsträgern

Wien (OTS) - Die Verkehrsentwicklung im Großraum Wien-Niederösterreich-Burgenland führt mit der EU-Erweiterung und dem steigenden Lebensstandard mit dem Wunsch nach wachsender Mobilität, zu verstärktem Bewusstsein für Verkehrsprobleme, und damit zum Themenkomplex, inwieweit der Öffentliche Verkehr, im speziellen der Sektor Öffentlicher Personennah- und Regionalverkehr (ÖPNRV) hier Lösungen bietet. Mit dem engeren Umfeld der Menschen befasst sich das Projekt "Stadt-Mobilität ohne Störung (SoS)", einen Zwischenstand dieses Projekts hatte das letzte Workshop des Verkehrsverbunds Ost-Region (VOR) zum Gegenstand, das gemeinsam mit den Wiener Linien und dem WZW Wissenschaftszentrum Wien, bei den Wiener Linien in deren Generaldirektion abgehalten wurde. Ein Forum für Verkehrsexperten aus Praxis und Wissenschaft ebenso wie für Repräsentanten aus Politik und Verwaltung, zum Verkehrs-verhalten in Wien, aber auch zur Pendlerproblematik Stellung zu nehmen.

Einleitend führt VOR-Direktor Manfred Novy aus, es geht um die Kernfrage, wie erzeugt und steigert man das Bewusstsein bei den Nutzern, öffentliche Verkehrsmittel zu bevorzugen? Denn: "Wir müssen mehr tun, um auf den öffentlichen Verkehr umzuleiten, es soll sich ein Einfluss auf die Handlungsweise der Verkehrsteilnehmer unter dem Gesichtpunkt entwickeln, ich komme ohne Störung und ohne Stau von A nach B. Hier eröffnen sich für den öffentlichen Verkehr neue Mentalitätsfelder". Über eine Änderung bei der Bewusstseinsbildung werde auch eine weitere Steigerung des Modal split zu erzielen sein, wobei man die Stadt-Mobilität nicht gesondert betrachten darf, denn neue Nachbarn und wirtschaftliche Verflechtungen bringen auch mehr Pendler, und damit Mobilitätsfragen mit sich. Die Wiener Linien identifizieren sich mit diesen Anliegen, betont Direktor DI Dr. Michael Lichtenegger in seiner Begrüßung, denn "Wir machen uns längerfristige Gedanken, der Vorstand unseres Unternehmens sieht seine Überlegungen von der Nachhaltigkeit geprägt". Da zahlreiche Linien im Verbund mit den Wiener Linien über die Stadtgrenzen führen, widme man auch der Pendlerfrage entsprechende Aufmerksamkeit.

Wien wird als "Stadt der kurzen Wege erlebt", führt DI Kurt Wildenauer (WZW) aus, und verweist auf die Methodenabschätzung für die Optimierung des Wiener Verkehrs. Jede 2. Fahrt-Wegstrecke ist kürzer als 4 Kilometer, bereits jeder 4. Wiener verfügt über eine Jahresnetzkarte der Wiener Linien, aber die Verkehrsverantwortlichen sehen sich auch mit rund 150.000 täglichen PKW-Pendlern konfrontiert. Eine drohende Verödung einzelner Stadtgebiete durch zunehmende Behinderungen (Staus); das Verkehrsempfinden der Menschen als tägliche Plage; die Anforderungen, die Bewohner und Wirtschaft stellen und ähnliches, hält Prof. Ernst Gehmacher als "schicksalshaft" für eine große Stadt, wofür eine Balance gefunden werden muss. "Hier hält Wien eine recht gute Balance", unterstreicht er. In Prozentanteilen werden abseits des Öffentlichen Verkehrs (ÖV) bei den Wegen PKW-Selbstfahren 16, per Rad 33, zu Fuß 41, zurückgelegt. Freilich bestehe noch Verbesserungspotential: Die Kombination Öffentlicher Verkehr(ÖV)-Zu Fuß gehen sei noch nicht überall konkurrenzfähig zum Autofahren, vor allem stimme es mit dem Behagen im ÖV noch nicht überall ganz. Das Fahrrad spiele in Wien beim Gesamtverkehr zwar noch eine Minderheitenrolle, aber "für den relativ kleinen Prozentsatz gewährt Wien schon ein recht beachtliches Fahrvergnügen".

Landtagsabgeordneter und Gemeinderat Erich Valentin, in seiner Eigenschaft als Verkehrssprecher, befasst sich ausführlich mit den Verkehrsperspektiven und postuliert: "Für unterschiedliche Mobilitätsanforderungen sind unterschiedliche Antworten zu erwarten, es ist richtig, von Zeit zu Zeit Standorte zu überprüfen, was die Stadtmobilität betrifft. Grundsätzlich peilen wir einen Modal split von vierzig Prozent an". Schon jetzt werde beim Modal split (34 Prozent) Wien nur von Zürich übertroffen; der Radverkehrsanteil wurde von 4 auf 6 Prozent gesteigert und soll 2010 bei 8 Prozent liegen. Die Gesamtsituation - neben Ostösterreich - in der Region zusammen mit der Slowakei und Ungarn bzw. den Ballungsräumen Bratislava, Györ, Sopron zählt rund 7 Millionen Einwohner, und stelle, so der Verkehrsfachmann, "auch eine Herausforderung für die Eigentümer des VOR dar". Hinsichtlich einer anzustrebenden 20-prozentigen Reduktion beim motorisierten Individualverkehr in Wien, gibt Vettermann bezüglich einer City-Maut zu bedenken, diese sei "ein stigmatisierendes Projekt, denn jeder der genug Geld hat, wird keine Herabsetzung üben". Zukunftsweisend sind die Zielsetzungen des Masterplans Verkehr mit seinen Standort- und Zielwertbestimmungen, die zu einer Renaissance der Straßenbahn bzw. Schienenverkehrsmittel führen.

Hier darf aus jüngster Zeit Aktuelles von der Wiener Lokalbahnen (Badner Bahn) eingefügt werden, deren Aktien sich zu 97,45 Prozent im Besitz der Wiener Linien befinden, und die für "einen Stadtverkehr ohne Grenzen" den 10. Niederflur-Triebwagen der Reihe 400, gebaut bei Bombardier Transportation Austria im Wiener Werk, in Betrieb nehmen. Damit kann, wie Direktor DI Dr. Pelz ausführt, jeder durchgehende Zug von Wien nach Baden mit einem fahrgastfreundlichen Niederflurwagen geführt werden. Diese Garnituren erfüllen mit einer Wagenbreite von 2,5 Metern die Rahmenbedingungen einer Straßenbahn, hingegen entsprechen Fahrzeugstabilität, Höchstgeschwindigkeit von 80 Stundenkilometern und das Sitzplatzangebot einer Stadtbahn.

Zu den Instrumenten der Stadt- und Raumplanung erläutert seitens der MD-Stadtbaudirektion, Gruppe Planung, DI Harald Semela, der ÖPNRV dürfe nicht "bloß als regulierender Faktor" gesehen werden. Beim grenzüberschreitenden Verkehr bestehe noch ein "schlechtes" Verhältnis IV zu ÖV von 65 zu 35, das Potential liege bei 55 zu 45. Das regionale räumliche Leitbild "Initiative Centrope" ist im größeren Maßstab für die Region Wien, Brno, Bratislava, Györ und deren interzentrale Vernetzung sowie die Bundesländer Wien und NÖ zu sehen, für Wien und NÖ geht es auch das Stadtumlandmanagement über "Centrope". Was die Regionalisierung rund um Wien betrifft, geht es mit außen liegenden, nicht innerstädtischen Tangenten um die Befreiung Wien vom Durchzugsverkehr (z.B. die S 1).

Auch sollten - in Einklang mit dem Materplan Verkehr 2003 -regionale Buskorridore geschaffen werden, Park & Ride-Anlagen an den Außenästen von (verlängerten) U-Bahn-Linien seien kein Allheilmittel, meint der Planer. Den harten Kern aller Überlegungen hatte Abgeordneter Vettermann schon in seinem Grundsatzreferat formuliert:
"Die Linien des öffentlichen Verkehrs sind die Blutgefäße des Verkehrskörpers". (Schluss) red

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