"Kleine Zeitung" Kommentar: "In der Bawag-ÖGB-Krise agiert SPÖ wie von Panik getrieben" (Von Hans Winkler)

Ausgabe vom 09.06.2006

Graz (OTS) - Wie man's macht, ist's falsch", pflegte meine Mutter fatalistisch zu sagen. So geht es momentan der SPÖ. Wie sie's auch anstellt mit dem monströsen Fall Bawag und ÖGB sie kann es nur falsch machen.

Man möchte wirklich nicht in der Haut des Alfred Gusenbauer stecken:
Zeigt er mit dem Finger auf die Hypo Alpe-Adria oder beklagt sich über die mangelhafte Bankaufsicht im Fall Bawag, rufen alle höhnisch:
billige Ausrede! "Haltet den Dieb"-Methode!

Dann sprengt der Skandal alle bisher vorstellbaren Dimensionen und die SPÖ ändert ihre Strategie. Sie gibt die Beschönigungen auf und versucht stattdessen, sich an die Spitze der Empörung zu setzen. Sogar eine Sachverhaltsdarstellung gegen Helmut Elsner wegen seiner 93-Millionen-Pensionsabgeltung bei der Staatsanwaltschaft bringt sie ein.

Und was sagen die Leute jetzt? Loben sie die SPÖ für ihren Mut, ihre echte sozial-demokratische Gesinnung, das Unrecht beim Namen zu nennen und zu verfolgen, wo immer es auftritt und sei es in den eigenen Reihen?

Keineswegs, denn nun rufen alle: Heuchler! Zu spät, sich jetzt von den ehemaligen Freunden zu distanzieren! Er will uns glauben machen, von allem nichts gewusst zu haben. Und wenn er wirklich nichts gewusst hat, was ist er dann für ein Parteivorsitzender, den alle dumm sterben lassen?

Aber unser Mitleid mit Alfred Gusenbauer hält sich in Grenzen. Von den luxuriösen Wohnverhältnissen des prominenten Abgeordneten Fritz Verzetnitsch auf Kosten der Bawag haben alle gewusst. Er selbst wird ja dort wohl auch öfters zu Besuch gewesen sein. Zumindest das mit den 3,4 Millionen Euro Pensionsabfindung, seinerzeit fast 50 Millionen Schilling, des feinen Herrn Elsner, konnte man schon vor vielen Jahren in allen Zeitungen lesen.

Das Mitleid mit Gusenbauer hält sich aber vor allem aus einem anderen Grund in Grenzen. Gewiss hätte eine Krise dieses Ausmaßes auch einen Besseren als ihn überfordert, aber Gusenbauer hat jegliche Führung verloren.

Ohne Rücksicht auf irgendjemanden empfahl der Chef der Druckergewerkschaft den Verkauf der Bawag ans Ausland. Es wäre zwar nicht das erste Mal, dass die SPÖ eine österreichische Bank aus ihrem Einflussbereich nach Bayern "verscherbelt", wie sie zu sagen pflegt, aber es zertrümmert mit einem Satz die SPÖ-Politik, die immer anklagend vom "Ausverkauf" redet. Gusenbauer sagte nichts. Was hätte er auch sagen sollen, da er nichts zu reden hat?****

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