Die Arbeitszeit human gestalten!

Linz (OTS) - Bei der heutigen AK-Konferenz "Die Arbeitszeit human gestalten!" entwickeln rund 150 Arbeitnehmervertreter/-innen gemeinsam mit internationalen Experten/-innen offensive Antworten auf Fragen, die sich in der Arbeitszeitdebatte stellen. AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer sowie die Experten Jörg Wiedemuth (ver.di) und Dr. Ewald Walterskirchen (WIFO) verlangen wirksame Maßnahmen gegen krasse Widersprüche.

"Die Interessen der Beschäftigten und ihre Berücksichtigung bei der Arbeitszeitgestaltung sind unser zentrales Anliegen," betont AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer. "Woche für Woche mehr als 42 Stunden ist zu viel", zeigt sich Kalliauer über das reale Arbeitszeitausmaß von Österreichs unselbständig Vollzeitbeschäftigten besorgt. Er weist auf den krassen Widerspruch zwischen überlangen Arbeitszeiten und erzwungener Null-Erwerbsarbeitszeit hin: "250.000 Menschen in Österreich bekommen keinen Job!"

"Dabei wären hohe Beschäftigung und niedrige Arbeitslosigkeit bei moderaten Arbeitszeiten durchaus möglich", erinnert der AK-Präsident an den erfolgreichen Kurs der skandinavischen Länder.
Kalliauer fordert eine humane Arbeitszeitgestaltung, die an den Lebensbedürfnissen der Menschen anknüpft und die vorhandene Arbeit sinnvoller verteilt. Unter entsprechenden Rahmenbedingungen sei auch eine Flexibilisierung der Arbeitszeit akzeptabel.

"Wir müssen den Mut haben, aus der arbeitszeitpolitischen Defensive heraus die Tür wieder zu einer offensiven Arbeitszeitpolitik aufzustoßen", so Jörg Wiedemuth, Leiter der Grundsatzabteilung Tarifpolitik der deutschen Dienstleistungsgewerkschaft ver.di.

Für Wiedemuth ist klar: "Die Forderungen der Unternehmerverbände nach massiver Arbeitszeitverlängerung sind Bestandteil der neoliberalen Offensive. Damit sollen Arbeits- und Entlohnungsbedingungen im Rahmen des globalen Kostenunterbietungswettbewerbs nach unten abgesenkt werden." Angesichts von nahezu 20 Jahren Massenarbeitslosigkeit ist für Wiedemuth die Verkürzung der Arbeitzeit dringender denn je. "Arbeitszeitverkürzung verbessert für viele Frauen und Männer auch die Chance auf eine partnerschaftliche Teilung von Familien- und Erwerbsarbeit", so der ver.di-Experte.

"Arbeitszeitverkürzungen haben sich in der Vergangenheit positiv auf die Beschäftigung ausgewirkt", erklärt Arbeitsmarktexperte Dr. Ewald Walterskirchen vom Wirtschaftsforschungsinstitut (WIFO). Auch seit 1990 sank die durchschnittliche Arbeitszeit - vor allem durch mehr Teilzeitarbeit. Wobei Teilzeitarbeit eine Arbeitszeitverkürzung ohne Lohnausgleich ist. Problematisch sei, dass einerseits bei den Männern lange Arbeitszeiten und hohe Überstundenbelastungen auftreten, während sich andererseits gering entlohnte Teilzeitarbeit bei den Frauen konzentriert. Das führe zu großen Ungleichgewichten bei der Verteilung der Erwerbsarbeit und der Einkommen.

Zu den "intelligenten Modellen der Arbeitszeitverkürzung" zählt der WIFO-Experte "Bildungskarenz, 30-Stunden-Teilzeit - wie sie in Skandinavien weit verbreitet ist -, Verringerung der Überstunden und die Annäherung der Arbeitszeiten von Männern und Frauen".

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