WirtschaftsBlatt Kommentar vom 3.6.2006: Auch Konzerne müssen sich dem EU-Markt öffnen - von Arne Johannsen

Von der EU profitieren nicht nur die Grossen, sondern auch der einfache Bürger

Wien (OTS) - Ein nationaler Schulterschluss zum Schutz des heimischen Wassers, ein müdes Achselzucken zum Schutz der heimischen Jobs - das dürfte der Eindruck sein, den viele Österreicher zuletzt gewonnen haben. Kein Ausverkauf des kostbaren heimischen Wassers an Ausländer! Mit diesem (Schein-)Argument versenkten die Landeshauptleute die geplante Fusion von OMV und Verbund. "Grenzen zu", so der Schlachtruf. "Grenzen auf" heisst es dagegen bei der EU-Dienstleistungsrichtlinie, die - bei allen Vorteilen - vor allem Jobs im Niedriglohnsegment unsicherer macht. Kein Wunder, dass die EU-Skepsis nicht geringer wird.

Doch da klingeln rechtzeitig die Handys. Die Botschaft: Die EU tut auch etwas für die Konsumenten. Auf Druck der EU-Kommission senken grosse europäische Mobilfunk-Unternehmen die Gebühren, die sie untereinander für Auslandsgespräche verrechnen. Um bis zu 50 Prozent werden diese Roaminggebühren günstiger. Reiner Populismus, um das Projekt "Europa" in der Publikumsgunst wieder nach vorne zu bringen? Keineswegs. Die EU ist vor allem ein Wirtschaftsprojekt unter dem Motto "Freie Fahrt für freie Unternehmen". Das ist gut und richtig, hat Europas Unternehmen konkurrenzfähiger gemacht und in funktionierenden Firmen Jobs erhalten.

Das Aufbrechen nationaler Strukturen fordert Opfer. So wächst das Heer der Unzufriedenen. Und auch jene, die das Tempo von Markt und Erneuerung mithalten können, wollen vom Binnenmarkt profitieren. Deshalb ist es nicht nur legitim, sondern notwendig, hier Zeichen zu setzen: Von der EU profitieren nicht nur die Grossen und Flexiblen, sondern auch der einfache Bürger.

Dass Österreichs Mobilkom eine Gebühren-Senkung ablehnt, ist verständlich, immerhin erzielt sie aus diesem Bereich jährlich rund 100 Millionen Euro Gewinn. Eine gute Idee ist es aber trotzdem nicht. Denn es ist absehbar, wie das Duell mit der EU-Kommission ausgeht. Auch die Banken haben sich gegen eine Senkung der Überweisungs- und Bankomat-Gebühren gesperrt - ohne Chance.

Die Unternehmen profitieren mehr als alle anderen von Europas freien Märkten, da werden sie in den einen oder anderen sauren Apfel beissen müssen. In der Firmen-Bilanz mag das wehtun, in der EU-Bilanz gehört es auf die Haben-Seite. Europa bringt allen was - diese Aussage ist nicht nur gut für einen Gang an die Börse, sondern auch für den Weg in die Zukunft Europas.

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