Jahrestagung der österreichischen Holzindustrie unter dem Motto "Value Chain Wood" -Netzwerke & Synergien

Holzbranche ist einer der größten Industriecluster Europas - zur Kompetenzsteigerung ist eine branchenübergreifende Strategie und ein gemeinsames Handeln notwendig

Wien (PWK367) - Ungefähr 100 Personen - geballte Holzprominenz und -kompetenz - versammelten sich am Montag, den 29. Mai 06 in Purkersdorf: Die Österreichische Holzindustrie hatte zum jährlichen Treffen der Unternehmer und Führungskräfte geladen. Diesmal stellte freundlicherweise Dipl.-Ing. Dr. Georg Erlacher das Haus der Österreichischen Bundesforste (ÖBf AG) dafür zur Verfügung. Moderiert wurde die Veranstaltung von Dr. Helmut Brandstätter, HB Consulting.

In Anspielung auf das Thema der Veranstaltung betonte Dipl.-Ing. Dr. Georg Erlacher, Vorstand ÖBf AG in seiner Begrüßungsrede die Wichtigkeit und Bedeutung einer Kette aus lauter gleich starken Gliedern; nur diese sei funktionsfähig, weil durch abgestimmtes Verhalten eine möglichst hohe Deckung in Strategien und Zielen erreicht werde.

Der Gastgeber der Veranstaltung, KR Dipl.-Ing. Hans Michael Offner, Stv. Vorsitzender des Fachverbandes Holz, Vorsitzender der Österr. und Europ. Sägeindustrie, berichtete über die Aktivitäten des Fachverbandes als Netzwerkplattform und als Teil verschiedener europäischer Organisationen. Er verglich die Netzwerke mit der Zellstruktur des Holzes, die auf der Einladung abgebildet war. Diese besticht durch eine geniale Struktur, durch Leichtigkeit und hohe Festigkeit. Als Abbild sollte man sich die Tragwerkkonstruktionen vorstellen, wo nur durch das Zusammenspiel und das Zusammenfügen einzelner Elemente ein Bauwerk entsteht, das erst als Ganzes einen richtigen Wert bekommt. Wenn man das nun umlegt auf den Fachverband, der in verschiedenen Ebenen arbeitet und eine Netzwerkfunktion erfüllt, so ist laut Offner "Verstärktes Lobbying und PR wichtig, aber auch in Ausbildung sowie F&E werden wir mehr investieren, um Kompetenz aufzubauen und nach Außen zu tragen." Die Holzbranche zähle zu den größten Industrieclustern europaweit, dieses Faktum werde aber leider allzu oft übersehen. Das virtuelle Dach in Form des FHP (Forst Holz Papier) - Abkommens wurde geschaffen, um gemeinsame Ziele miteinander zu verfolgen und Kräfte zu bündeln. Kompetenzsteigerung durch verstärktes EU-Lobbying sei ein wichtiges Anliegen, besonderes Augenmerk gelte daher auch der Mitarbeit in internationalen Holzverbänden.

Im Anschluss daran wurden die anwesenden Gäste in die Do´s and Dont´s von Networking eingeweiht. Die goldenen Regeln des Lobbyings, verschiedene Netzwerkformen und -funktionen erklärte ein prominenter Gastredner und Experte aus Politik und Wirtschaft: Dr. Ernst Strasser, BM a. D. und geschäftsführender Gesellschafter der VCP Energy GmbH.

"In Zeiten von Globalisierung und Liberalisierung ist es wichtig, gemeinsam auf den Märkten zu bestehen und die Herausforderungen nach einem strukturellen Wandel in den letzten Jahren anzunehmen", so der erste FHP Vorsitzende, Abg. z. NR und Präsident des Bauernbundes Fritz Grillitsch. FHP bewege sich im Spannungsfeld zwischen Versorgungssicherheit für die Industrie und Absatzsicherung der Forstwirtschaft. Wichtig sei, in der jetzigen Situation global zu denken, lokal zu handeln und seine Ideen in Europa zu verankern. Dazu sei die sog. Holzcharta da, die am 23. Juni auf der Turrach im Rahmen des Europaforums vorgestellt werde.

Abgerundet wurden die Vorträge durch eine spannende Diskussionsrunde mit Vertretern von Forst, Holz und Papier. In dieser Runde bestätigte Dipl.-Ing. Felix Montecuccoli, Präsident der Land & Forstbetriebe Österreichs das Spannungsfeld Versorgungs- und Absatzsicherheit in FHP. Der Rohstoff Holz sei aber nun mal aus der Natur, kontinuierliche Lieferungen daher eben nicht immer möglich aber dafür habe Holz Zukunftspotenzial: Holz & Bioenergie könnte im zukünftigen Europa eine entscheidende Rolle spielen. Montecuccoli konstatierte eine große Kompetenz in Österreich nicht nur in der Produktion, sondern auch in der Verarbeitung, und diese Kompetenz spiegle sich auch in FHP wider. "Das Holz kommt aus der Forstbewirtschaftung, wir brauchen aber mehr Kompetenz, gepaart mit vertrauensvoller Beratung. Die Begeisterung für die Waldwirtschaft müsse geweckt werden, nicht nur von Brüssel aus sondern auch durch lokale Kompetenz - und Beratungsnetzwerke.
Dr. Karl Achatz, Vorstand der SCA Graphic Laakirchen und Mitglied des Exekutivausschusses FHP erwartete sich von FHP Schulungen und Beratungen der kleineren Waldbesitzer, die dadurch an die Bedürfnisse der Industrie herangebracht würden. "Wir haben kapitalintensive Anlagen, da muss die Versorgung sichergestellt sein. Es sollte eine entsprechende Verhaltensänderung stattfinden."
"FHP ist eine Nachfolgeorganisation von FPP, welches vor ca. 30 Jahren gegründet wurde, um sich mit derartigen Fragestellungen zu beschäftigen", so KR Laszlo Döry, Vorsitzender der Österreichischen Plattenindustrie und Präsident des Europäischen Plattenverbandes. Seiner Meinung nach, hat Österreich eine phantastische Holzindustrie aufgebaut, ist aber ein Opfer seines eigenen Erfolges geworden. Denn wenn begonnen werde, das Holz zu verbrennen statt in der Wertschöpfungskette Holz zu höherwertigen Produkten zu verarbeiten, dann sei dies wohl als Rückschritt zu werten.
Auch Dr. Dieter Kainz, Vorstand Stora Enso Timber Wien und Obmann von proHolz Austria, betonte die Berechenbarkeit und Gleichmäßigkeit der Lieferungen als wichtige Indikatoren. Die Industrie sollte konkret wissen, wie viel Rohstoff in Österreich zur Verfügung steht, damit die Kapazitäten entsprechend angepasst werden könnten.

In der Diskussionsrunde wurde seitens der Forstwirtschaft die Verantwortung zur Rohstoffversorgung gegenüber der Industrie anerkannt. Die Produzenten wiederum verlangten ein verbindliches Angebot über die verfügbaren Rohstoffmengen.
Zahlen und Fakten zur Holzindustrie 2005:
Die abgesetzte Produktion der österreichischen Holzindustrie betrug im abgelaufenen Geschäftsjahr EUR 6,21 Mrd.. Dies bedeutet eine wertmäßige Steigerung um 3,8% gegenüber dem Vorjahr. Die positive Entwicklung der letzten Jahre konnte somit fortgesetzt werden. Der Produktionswert der Branche befindet sich auf einem Rekordniveau und konnte in den vergangenen 8 Jahren um beinahe 50% erhöht werden.

Die Holzindustrie zählt 1.320 Betriebe, davon sind rund 1.008 aktive Sägewerke. Die Holzindustrie ist ein äußerst vielfältiger Wirtschaftsbereich. Die wichtigsten Sparten sind, gemessen an der Produktion, die Sägeindustrie, der Baubereich, die Möbelindustrie, die Holzwerkstoffindustrie und die Skiindustrie. Der Großteil der Betriebe der Holzindustrie hat eine mittelbetriebliche Struktur und befindet sich fast ausschließlich in privater Hand.

Die Holzindustrie ist als bedeutender und sicherer Arbeitgeber bekannt. Mit 29.889 Beschäftigten im Jahr 2005 (2004: 29.420) nahm die Beschäftigtenzahl in der Holzindustrie leicht zu. Die Holzindustrie bleibt weiterhin einer der größten Arbeitgeber aller 22 Industriezweige Österreichs und eine der wenigen Industriebranchen, in der die Anzahl der Beschäftigten auf einem stabilen Niveau geblieben ist. Die Anzahl der Lehrlinge in der Holzindustrie konnte mit 725 gegenüber 2004 (687 Lehrlinge) leicht gesteigert werden.

Die Holzindustrie ist eine stark außenhandelsorientierte Branche. Die Exportquote entwickelt sich stetig in Richtung 75%, überproportional tragen dazu Nadelschnittholz, Holzwerkstoffe (Platten) und Ski bei. Das Gesamtvolumen 2005 betrug EUR 4,58 Mrd.. Dies entspricht einer Erhöhung von 2% gegenüber 2004. Mit 75,5% (EUR 3,46 Mrd.) war die Europäische Union der wichtigste Abnehmer österreichischer Holzprodukte. Insbesondere wurde nach Deutschland und Italien exportiert. Die restlichen 24,5% verteilten sich auf die osteuropäischen Länder mit 3,8%, die Entwicklungsländer mit 1,7% und die übrigen Länder (wie USA und Japan) mit 19%.

Die Importe von Holzprodukten haben sich im Jahr 2005 ebenfalls erhöht. Insgesamt wurden Produkte im Wert von EUR 2,58 Mrd. importiert. Dies entspricht einer Zunahme von rund 2% gegenüber 2004. Auch im Bereich der Importe ist die Europäische Union der wichtigste Partner mit rund 85%.

Der traditionelle Überschuss der Außenhandelbilanz wuchs 2005 um 2,6% auf knapp EUR 2 Mrd. an. Im Jahr 2000 betrug der Überschuss EUR 1 Mrd.. In den letzten Jahren konnte dieser somit beinahe verdoppelt werden. Österreichs Holzindustrie weist lediglich gegenüber den osteuropäischen Ländern eine negative Bilanz auf, die jedoch 2005 deutlich verringert werden konnte. Gegenüber der Europäischen Union liegt der Handelsbilanzüberschuss bei rund EUR 1,26 Mrd.Der Außenhandel ist somit weiterhin ein wesentliches Standbein der österreichischen Holzindustrie. Die Holzindustrie ist einer der wenigen Industriezweige, der eine kontinuierlich positive Handelsbilanz aufweist. Gemeinsam mit den anderen Bereichen der Holz-und Forstwirtschaft befindet sich der Außenhandelsüberschuss auf einem annähernd gleichen Niveau wie der Tourismus. (EB)

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