Diktat der Ökonomie: Moderne Medizin vor dem Stillstand (2)

Moderne Leistungen werden nicht gezahlt

Wien (OTS) - Weitere moderne Leistungen, die in den GKK-Katalogen zum Teil oder gänzlich fehlen:

  • 24-Stunden-Blutdruckmonitoring durch Allgemeinmediziner und Internisten (z.B. Tirol, Niederösterreich)
  • Zahlreiche Laborleistungen in dem Bereich Stoffwechsel (z.B. LDL-Cholesterin)
  • Psychosomatische Diagnose- und Behandlungsgespräche
  • Ultraschalluntersuchung der Frühschwangerschaft im Mutter-Kind-Pass
  • Ernährungs- und Diätberatung durch Kinderärzte ab dem achten Lebensjahr
  • Virtuelle CT-Coloskopie
  • CT-Koronarangiographie
  • Schilddrüsenszintigraphie (bisher nur in einigen Ländern nur in Verbindung mit Zytologie)
  • Myokartszintigraphie (derzeit Wartezeiten von sechs Monaten im Spital)
  • endoskopische Untersuchung der oberen und unteren Atemwege mit flexiblem Rohr (schonender und moderner als mit festem Rohr, einzige Möglichkeit z.B. bei Würgereiz) im Bereich HNO
  • nasale Provokation (wichtig bei nasalen Allergien, laut Leitlinie Grundlage für Hyposensibilisierung )
  • Stimmdiagnostik (bessere Erkennung von Karzinomen)

Teilweise finden sich auch Absurditäten: So darf ein Kinderarzt zwar eine Hüftdysplasie diagnostizieren, im Wiener GKK-System aber nicht behandeln. Nur wenige Schritte von der Stadtgrenze entfernt, in Niederösterreich, darf er die Krankheit aber sehr wohl auch therapieren.

Zudem fehlen moderne Versorgungsstrukturen, wie etwa die Möglichkeit von Ärzten, Mitarbeiter anzustellen. Mit dem gängigen Modell des Einzelvertrags muss der Arzt jede Leistung selbst erbringen - auch u.U. Sozialarbeit. Diese neuen Kooperationsformen wären aber wichtig - etwa für die psychiatrische und psychosoziale dezentrale Versorgung oder Versorgung geriatrischer Patienten.

Limite - geschickt kaschierte Zuteilungsmedizin

Ein besonderes Problem aus Sicht der niedergelassenen Ärzteschaft stellen die so genannten Limite für Leistungen dar. So ist für zahlreiche Leistungen in den Kassenverträgen vorgeschrieben, dass diese etwa nur in Höhe eines geringfügigen Prozentsatzes aller Fälle bezahlt werden. Gleichzeitig dürfen Ärzte diese Leistungen, da sie ja in den Kassenkatalogen - wenn auch begrenzt - vorgesehen sind, nicht als Privatleistung erbringen. Beispiel - der gynäkologische Ultraschall. Er gehört bei Beschwerden mittlerweile zur Standarduntersuchung, wird jedoch z.B. in Niederösterreich nur in zehn Prozent der Fälle auch bezahlt. Das hat dazu geführt, dass viele Sonographien mittlerweile unentgeltlich erbracht werden oder ab einer bestimmten Grenze in den Ordinationen nicht mehr durchgeführt werden.

In Kärnten kündigten die niedergelassenen Ärzte den Vertrag mit der Gebietskrankenkasse, um unter anderem gegen diese drakonischen Limitierungen zu protestieren. So durften die Ärztinnen und Ärzte unter anderem nur in elf Prozent der Fälle Visiten in Altersheimen durchführen - ein Problem besonders in Anbetracht der Überalterung und der Tatsache, dass Pflegeheime besonders auf Heimvisiten angewiesen sind, da bekanntermaßen nur für große Pflegeheime eine ärztliche Leitung vorgesehen ist.

Weitere Beispiele für Limitierungen:

  • allergologische Exploration beim Hautarzt (Untersuchung, bei der mögliche schädliche Umwelteinflüsse durch den Dermatologen herausgearbeitet werden sollen), ist z.B. in Niederösterreich auf 10 Prozent der Fälle limitiert (trotz steigender Allergiezahlen und mangelnder Behandlungsressourcen in den Spitälern)
  • Dermatoskopie (Auflichtuntersuchung auffälliger Pigmentierungen -auf neun Prozent der Fälle begrenzt z.B. in Niederösterreich)
  • therapeutische Aussprachen (z.B. in Orthopädie auf elf Prozent im Burgenland limitiert).

"Wir sind an einem Punkt angelangt, an dem bei Verhandlungen moderne Leistungen oft nur noch erreicht werden können, wenn an anderer Stelle gespart wird oder eine andere Leistung aus dem Katalog herausgenommen wird. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis diese Entwicklung in die Sackgasse führt. Zwei-Klassen-Medizin ist jedenfalls Realität und in Zukunft wird sie noch zunehmen", so der Obmann der Bundeskurie Niedergelassene Ärzte in der ÖÄK, Dr. Günther Wawrowsky. (Fortsetzung)

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