Diktat der Ökonomie: Moderne Medizin vor dem Stillstand (1)

Niedergelassene Ärzte: Immer mehr Leistungen dürfen nur noch begrenzt angeboten werden - Gleichzeitig droht durch ÖSG Leistungsabbau im Spital

Wien (OTS) - Hochrangige Ärztevertreter haben heute anlässlich einer Pressekonferenz in Wien einen "Modernisierungsstau" in der medizinischen Versorgung kritisiert. Innovative Diagnose- und Versorgungsleistungen, aber auch Medikamente würden seitens der Kassen auf Grund des hohen Spardrucks immer massiver eingeschränkt und rationiert. Dies führe dazu, dass die kassenmedizinische Versorgung, was den Einsatz neuester Technologien und Verfahren angehe, allmählich dem wissenschaftlichen Letztstand hinterherhinke. Gleichzeitig seien auch die Spitäler durch den neuen Österreichischen Strukturplan Gesundheit (ÖSG) in ihrem Leistungsangebot künftig stark eingeschränkt, da Leistungen danach nur noch bei Erreichen einer bestimmten Mindestmenge und bestimmter Strukturqualitätskriterien erbracht werden dürften und außerdem eine Grundversorgung durch Spitäler gar nicht mehr vorgesehen sei.

Die ÖÄK warnt vor dem Hintergrund vor "einem Paradigmenwechsel von der Anspruchsberechtigung zur Zuteilungsmedizin" und einer Verstärkung des Trends zur Zwei-Klassen-Medizin. Die Standesvertretung fordert die Kassen auf, ihre Verantwortung wahrzunehmen und zwar "nicht nur ökonomisch, sondern auch im Sinn des Auftrags einer angemessenen, modernen Versorgung". Gefordert werden in diesem Zusammenhang die Aufhebung der einschränkenden Limite durch die Kassen, sowie der Aufrechterhalt und die Garantie der Grundversorgung im Bereich der Spitäler ohne Mindestmengen-Beschränkung.

Fortschritt in der Wissenschaft - Stillstand in der Versorgung

"Die Medizin entwickelt sich rasant weiter und bietet immer neue Diagnose- und Therapiemöglichkeiten, aber in der Versorgung stehen wir vor einem Stillstand", kritisierte ÖÄK-Ärztepräsident Reiner Brettenthaler angesichts der Misere. "Niedergelassene Ärzte sind aktuell gezwungen, eine Fülle von Leistungen unentgeltlich zu erbringen, um einen hohen diagnostischen und therapeutischen Standard aufrecht zu erhalten. Sie tun das, weil der Bedarf de facto auf Grund der steigenden Morbidität und des steigenden Alters der Bevölkerung weit höher ist als die vorgegebenen Limite. Im Spital werden gleichzeitig zahllose, oft unbezahlte Überstunden erbracht und Ärzte zu ungesetzlich langen Arbeitszeiten verpflichtet."

Ferner fehlen einige moderne Versorgungsleistungen ganz und gar in den Kassenkatalogen vieler Gebietskrankenkassen. Aktuellstes Beispiel für den überfälligen Modernisierungsbedarf: Die Coloskopie. Obwohl in TV-Werbespots schon als wichtigste Darmkrebsvorsorge-Maßnahme angepriesen und breitest in der Öffentlichkeit propagiert, gibt es nach wie vor nur in drei Bundesländern Coloskopie als reguläre Vorsorgeuntersuchung. In allen anderen Bundesländern wird die Coloskopie als kurative Leistung (also nur bei Krankheitsverdacht) erbracht. (Fortsetzung)

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