Chemieindustrie sucht Schuldige!

Unverständliche Vorwürfe an Gewerkschaft

Wien (GdC/ÖGB) - An allen - vor allem negativen - Entwicklungen ist die Gewerkschaft schuld. Zu diesem Schluss muss man kommen, verfolgt man die Aussagen von Dr. Peter Untersperger, Obmann des Fachverbandes der Chemischen Industrie. Obwohl dieser in seiner Rückbetrachtung 2005 durchaus positive Aspekte aufzuweisen hatte -das Wachstum betrug immerhin über vier Prozent - greift der Verhandlungsführer der Arbeitgeber bei den KV-Verhandlungen die Gewerkschaften massiv an und widerspricht sich dabei einige Male.++++

Wenn die Chemische Industrie ein Plus von 4,1 Prozent auf 10,5 Milliarden Euro erwirtschaften konnte - im Export eine weitere Steigerung von elf Prozent auch in Billiglohnländer - so zeigt dies, dass die Lohnpolitik der vergangenen Jahre einen durchaus positiven Einfluss auch auf die Wettbewerbssituation genommen hat. "Die Chemische Industrie ist kein Selbstzweck, sondern nur dann sinnvoll, wenn sie auch für die hervorragenden Leistungen der Arbeitnehmer gute Einkommen erwirtschaftet," bringt es Wilhelm Beck, Vorsitzender der Chemiegewerkschaft, auf den Punkt. Er betont gleichzeitig, dass die Gewerkschaften für ein Kompensieren steigender Energie- und Rohstoffkosten mit Lohneinbußen sicher nicht zur Verfügung stehen.

Wenn Untersperger behauptet, dass es den Gewerkschaften nur auf prozentuelle Erhöhungen ankommt und sie für eine nachhaltige Zukunft der Chemischen Industrie und der damit betroffenen Arbeitsplätze kein Verständnis hätten, so unterstellt er damit der Gewerkschaft, nicht über den Tellerrand hinausblicken zu können. Wenn Untersperger meint, dass lediglich eine Grundabsicherung auf Inflationsbasis stattzufinden habe und er alles andere auf Betriebsebene verlegen möchte, dann ist dem eine klare Absage zu erteilen. Dies steht im Gegensatz zur Tatsache, dass es den Unternehmern sehr gut geht und dies vor allem in den Gagen der Manager seinen Niederschlag findet:
Diese wurden kürzlich laut "Wirtschaftsblatt vom 31.5.2006" um durchschnittlich satte 8,9 Prozent erhöht, die Führungskräfte aus der Chemischen Industrie mischen dabei mit rund 150.000 Euro - jährlich -in der absoluten Spitzengruppe mit.

"Wir sind immer für innovative Regelungen, sie müssen allerdings auch zum Vorteil der Beschäftigten sein und dürfen niemals nur auf Kosten der Arbeitnehmer gehen," sieht Wilhelm Beck die Einführung von Arbeitsgruppen auf Sozialpartnerebene durchaus positiv, diese sollten die gemeinsamen Interessen mittelfristig auf einen Nenner bringen können.

ÖGB, 31. Mai
2006
Nr. 394

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