Khol beschließt "Gedenkreise im Gedankenjahr" Abgeordnete zu Besuch bei deutschsprachigen Minderheiten

Wien (PK) - Nationalratspräsident Dr. Andreas Khol eröffnete
heute im Parlament die Abschlussveranstaltung zur "Gedenkreise im Gedankenjahr". Diese Reise wurde auf Initiative des Vertriebenensprechers der ÖVP, des Abgeordneten Norbert Kapeller, vom österreichischen Parlament in Zusammenarbeit mit dem Verband der volksdeutschen Landsmannschaften veranstaltet. Sie führte die Vertriebenen- bzw. Minderheitensprecher der vier Parlamentsfraktionen im Rahmen des Gedenkjahres 2005 nach Tschechien, in die Slowakei sowie nach Ungarn, Slowenien,
Kroatien, Serbien und Rumänien. In all diesen Nachfolgestaaten
der Donaumonarchie informierten sich die Abgeordneten über die Lebenssituation der deutschsprachigen Minderheiten und verfolgten
so das Ziel, die historische Verantwortung Österreichs zu dokumentieren.

Khol dankte den Abgeordneten für diese Initiative im Rahmen des Gedankenjahrs und wies darauf hin, dass von den rund 1,6
Millionen NS-Zwangsarbeitern, Reichsdeutschen und Flüchtlingen,
die sich nach dem Zweiten Weltkrieg auf österreichischen Staatsgebiet befanden, ungefähr 450.000 umgesiedelte, geflüchtete oder vertriebene Volksdeutsche aus der Tschechoslowakei,
Jugoslawien und Rumänien waren.

Ein Teil der Volksdeutschen wurde ab 1945/46 nach Deutschland repatriiert oder wanderte später in den 1950er Jahren nach den
USA, Kanada, Südamerika oder Australien aus. Es blieben ungefähr 360.000 Volksdeutsche in Österreich, die in der Landwirtschaft
oder in der Industrie gebraucht wurden. Die Volksdeutschen
ersetzten nämlich die NS-Zwangsarbeiter, die nach 1945 in ihre Heimat zurückgeschickt wurden. "Österreich benötigte nach dem Krieg billige Arbeitskräfte, und dieser Bedarf wurde zu einem beachtlichen Teil durch die Volksdeutschen gestillt", so der Nationalratspräsident. Der arbeitsrechtliche Integrationsprozess sei aber in den ersten Jahren nur beschränkt möglich gewesen, so Khol weiter, weil die Volksdeutschen in Österreich als
"staatenlos" galten.

Es gab in den ersten Jahren nur "begrenzte Arbeitsbewilligungen"
- lediglich die Sudetendeutschen erhielten Ende der 1940er Jahre
mit Sondergenehmigungen die Staatsbürgerschaft, weil sie gute Fachkräfte mit Spezialkenntnissen in der Industrie waren. "Erst 1952 konnte die Frage der Staatsbürgerschaft mit dem so genannten Optionsgesetz geregelt werden", erinnerte der Nationalratspräsident.

Die soziale Integration erfolgte in den 1950er Jahren in mehreren Schritten, die eine Gleichstellung mit der österreichischen Bevölkerung garantierten. Der Großteil der Heimatvertriebenen
fand in Oberösterreich, im Großraum Wien und in Niederösterreich oder in der Steiermark Aufnahme.

Khol hob hervor, dass die "Gedenkreise im Gedankenjahr", die mit
der heutigen Veranstaltung im Parlament einen "würdigen
Abschluss" gefunden habe, sich als wichtiger Teil in die mannigfaltigen Veranstaltungen des Gedankenjahres eingereiht
habe. "Diese Initiative der Abgeordneten zeigt: Österreich setzt sich mit seiner jüngeren Vergangenheit auseinander und ist sich seiner historischen Verantwortung bewusst", so der Nationalratspräsident abschließend.

(Fortsetzung)

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