Hinschauen und nicht wegschauen, Hilfe statt Strafe

Gimpl: Mit Multiplikatoren, Vertrauenslehrern und Programm zur Selbstwertstärkung wird in Schulen dem Thema Sucht begegnet

Salzburg (OTS) - Zu einer viel gefragten Beratungsstelle an
Schulen hat sich die 2002 eingerichtete Kontaktstelle in Sucht- und Gesundheitsfragen (KIS) entwickelt. Mit Multiplikatoren, Vertrauenslehrern und dem Programm KIWI zur Selbstwertstärkung will der Landesschulrat für Salzburg unter Einbindung aller Schulpartner dem Thema Sucht an Salzburgs Schulen begegnen. "Hauptaufgabe der Multiplikator/innen ist die schulische Suchtprävention. Gleichaltrige Schüler/innen hören aufeinander viel besser und wirken auch glaubhafter als Erwachsene. Sie sollten auch Anlaufstelle für Schüler/innen sein und bei Problemen vermittelnd wirken", erklärte der Amtsführende Präsident des Landesschulrates für Salzburg, Prof. Mag. Herbert Gimpl, heute, Mittwoch, 31. Mai, bei einem Informationsgespräch, stellte aber auch klar: "Multiplikator/innen sind keine Therapeut/innen."

Die Kontaktstelle in Sucht- und Gesundheitsfragen des Landesschulrates für Salzburg bietet seit Oktober 2003 eine spezielle Ausbildung zum Thema Sucht für Schüler/innen aller Schulen mit Oberstufe an. Diese "Multiplikatorenausbildung" dauert fünf Tage. Im Verlauf der fünftägigen Ausbildung werden Sucht definiert und der Sinn der Multiplikatorentätigkeit durchleuchtet. Die Teilnehmer/innen lernen verschiedene Theorien zur Suchtentstehung kennen (z. B. Suchtdreieck, Klaviermodell, Tankmodell), erfahren, wie es zur Sucht kommt, und erlernen verschiedene Spiele zum Thema Sucht. Weiters lernen sie wichtige Dinge über die verschiedenen Suchtarten und auch, wie diese zusammenhängen. Die Teilnehmer/innen üben sich weiters darin, wie man richtig referiert, präsentiert und Vorträge zusammenstellt. Auch Rollenspiele werden durchgeführt. Dazu KIS-Leiter Prof. Mag. Wolfgang Grüll: "Die Schule ist, sowie die gesamte Gesellschaft, ständigen Veränderungen unterworfen. Die Probleme durch Sucht und Suchtmittel spielen im schulischen Alltag eine Rolle. KIS will zu diesen Themen informieren und nicht dämonisieren. Es gilt der Leitsatz: 'Hinschauen und nicht Wegschauen, Helfen statt Strafe'."

Höhepunkt der Ausbildung stellt der erlebnispädagogische Teil am zweiten Tag dar. Er erfolgt in Zusammenarbeit mit - und unter Leitung - der Gendarmerie Abtenau durch speziell ausgebildete und erfahrene Alpingendarmen. Dazu werden abwechselnd zwei verschiedene
Programme angeboten:

die extrem enge Scheukofenhöhle nahe Werfen: Dabei kriechen wir sozusagen in knapp drei Stunden über 300 Meter weit in die Höhle. Die engste Stelle, der so genannte Metzgerriss, beträgt nur 25 cm.

Hochseiltechnik in der Aubachklamm bei Abtenau: Hier seilen wir uns 80 Meter senkrecht in eine Schlucht ab, durch die ein reißender Wildbach tost, welcher anschließend wiederum über ein Seil überquert wird. An der anderen Seite führt ein Steig wieder aus der Schlucht. Oben angekommen wird ein Seil über die Klamm gespannt und diese mittels "flying fox" in 80 m Höhe überquert.

Hauptsinn dieser beiden Extremsituationen ist die Stärkung des Selbstbewusstseins und des Selbstwertes sowie der Zusammenhalt der Gruppe. Die Auswahl der teilnehmenden Schüler/innen aus den angemeldeten Schulen erfolgt am besten durch die Klassenvorstände. Dabei sollen Charakter, Schulleistungen und Beliebtheit der interessierten Schüler/innen besonders berücksichtigt werden.

Die fertig ausgebildeten Multiplikator/innen sollen an ihren Schulen ein selber zusammengestelltes Programm durchführen (sie erhalten während ihrer Ausbildung natürlich ein umfangreiches Konzept) und mit verschiedenen Klassen Workshops durchführen. Je zwei Multiplikator/innen sind dann mit einer halben Klasse suchtpräventiv aktiv. Lehrer/innen, die ihre Unterrichtsstunden bzw. Klassen den Multiplikator/innen "opfern" müssen, sollen nicht in der Klasse anwesend sein, sich jedoch in "greifbarer" Nähe aufhalten, um sich um eventuelle Störenfriede in den Klassen zu kümmern. "Störer" dürfen nicht an den Workshops teilnehmen. Derzeit gibt es im Bundesland Salzburg 92 Multiplikator/innen aus 16 Schulen, sieben weitere Schulen mit 28 Schülern stehen im Moment auf der Warteliste. Die Anmeldung erfolgt schriftlich, am besten über E-Mail (kis@salzburg.at) bei KIS.

Teilnahmeberechtigt sind alle 10. Schulstufen (Alter ca. 16 Jahre), und zwar deshalb, weil die betreffenden Schüler/innen dann für eine längere Periode eingesetzt werden können (auf zwei bis drei Jahre), und auf Grund des Eignungsalters. Ihr Einsatz kann in der gesamten Unterstufe erfolgen, beschränkt sich jedoch auf jene Schulstufe, in der sich die Multiplikator/innen gerade befinden.

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