Chemische Industrie Österreichs zieht Bilanz: "2005 war ein Jahr mit Licht und Schatten"

4,1 Prozent Plus bei Produktionswert - unflexible Arbeitszeitregelungen und rigide Umweltregelungen hemmen Innovationskraft und nachhaltige Wirtschaftlichkeit

Wien (PWK357) - Eine insgesamt zufrieden stellende Bilanz des Geschäftsjahres 2005 hat die chemische Industrie Österreichs gezogen. Mit einem Plus von 4,1 Prozent stieg der Produktionswert der Unternehmen der Branche im Vorjahr auf rund zehn Mrd. Euro (9,903). "Es war ein Jahr mit Licht und Schatten. Angesichts des schwierigen Marktumfelds ist das Ergebnis aber positiv zu bewerten", resümiert Dr. Peter Untersperger, Obmann des Fachverbands der Chemischen Industrie Österreichs, auf der Bilanzpressekonferenz in Wien. War noch im ersten Halbjahr ein Anstieg von annähernd acht Prozent zu verzeichnen, flaute das Wachstum im zweiten Halbjahr spürbar ab. Die Gründe hierfür sind zum einen in den immer stärker steigenden Rohstoff- und Energiepreisen, zum anderen aber auch darin zu finden, dass die Konjunktur schon das zweite Halbjahr 2004 merklich anzog, wodurch von einem hohen Niveau aus zu rechnen war.

Während der Binnenmarkt weiter stagnierte, entwickelten sich die Ausfuhren für die chemische Industrie zum Wachstumstreiber: 2005 konnte ein Plus von elf Prozent auf insgesamt 10,5 Mrd. Euro erwirtschaftet werden. Vor allem das Geschäft mit Osteuropa präsentierte sich weiter auf hohem Niveau.

Einen maßgeblichen Anteil am guten Jahresergebnis der chemischen Industrie hat der Pharmasektor, das Branchenschwergewicht in Österreich. Nach einem Tief im Jahr 2004 erzielte die Branche 2005 mit 16,4 Prozent zweistellige Zuwachsraten beim Produktionswert. Fasern und Kautschukwaren wuchsen um jeweils vier Prozent. Die Gesamtinvestitionen der chemischen Industrie stiegen mit 598 Millionen Euro um 11,5 Prozent.

"Wirtschaftlich hat sich die chemische Industrie wieder als Rückgrat der heimischen Industrie erwiesen. Dennoch stellt sich eine zentrale Frage: Wie viel Chemie will Österreich?", wirft Untersperger einen Blick auf die zukünftigen Herausforderungen. Die Unternehmen der chemischen Industrie täten alles daran, mit nachhaltigen Innovationen und kontinuierlichen Qualitätsverbesserungen ihrer Produkte und dem Know-how ihrer Mitarbeiter im globalen Wettbewerb zu bestehen und damit den Standort Österreich zu stärken, insbesondere gegen die Konkurrenz aus Osteuropa und Asien. Gesetzliche Regelungen im Umweltbereich sowie im Sozial- und Arbeitsrecht aber drücken auf die relative Wettbewerbsfähigkeit und damit auf die strukturelle Wirtschaftlichkeit der Unternehmen. Als Beispiele führte Untersperger die hohen Arbeitskosten und die unflexiblen Arbeitszeitregelungen in den Kollektivverträgen (KV) in Österreich an.

"Die KV-Verhandlungen in diesem Jahr haben gezeigt, dass es den Gewerkschaften allein auf den Prozentsatz ankommt. Für eine nachhaltige Zukunft der chemischen Industrie und damit für den Industriestandort Österreich ist dies jedoch zu kurzsichtig gedacht", so Untersperger weiter. Vergleiche man die Arbeitskosten in Österreich mit beispielsweise Tschechien oder China, zeige sich, dass die Kluft in den kommenden Jahren zugunsten der Niedriglohnländer noch größer werden wird - ein klarer Standortnachteil. "Arbeitsplätze in Österreich zu erhalten und neue zu schaffen, setzt eine profitable Unternehmensführung voraus - und das muss unser gemeinsames Ziel sein", macht Untersperger in Richtung Gewerkschaften deutlich. Eine konstruktive Zusammenarbeit mit den Entscheidungsträgern der Politik und den Gewerkschaften stelle deshalb eine wesentliche Voraussetzung für eine zukunftsorientierte Gestaltung des Chemiestandorts Österreich dar. Der Fachverband habe deshalb ein Diskussionspapier mit konkreten Lösungsvorschlägen für eine erfolgreiche Zukunft der chemischen Industrie in Österreich in die Verhandlungen eingebracht. Um die Zusammenarbeit mit den Sozialpartnern weiter zu verbessern, wurden zudem Arbeitsgruppen ins Leben gerufen, die noch im Juli 2006 starten sollen.

"Wir gehen davon aus, dass wir die Wachstumsraten von 2005 auch in diesem Jahr wiederholen können - unter der Voraussetzung, dass es zu keinen spürbaren Verschlechterungen der allgemeinen Marktlage und der Rohstoffkosten kommt", zeigt sich Untersperger optimistisch. Hoffnung liegt vor allem in den Geschäften mit Deutschland, wo nach den letztjährigen Bundestageswahlen so etwas wie "Aufbruchsstimmung" zu verspüren sei. Derzeit liegt das Exportwachstum nach Deutschland im allgemeinen EU-Branchenschnitt, doch schon ein geringes Wachstum könnte aufgrund der wirtschaftlichen Bedeutung des Exportlandes Nummer 1 in Europa für die Unternehmen der Branche einen großen Schub bedeuten.

Der Fachverband ist die gesetzliche Interessenvertretung der chemischen Industrie in Österreich und vereinigt über 300 Mitglieder unter einem Dach. Der FCIO fördert die wirtschaftliche Entwicklung, indem er sich bemüht, die Rahmenbedingungen positiv zu beeinflussen. Er begutachtet Gesetze, vertritt die gemeinsamen Interessen seiner Mitglieder gegenüber Behörden, Politik und Öffentlichkeit. Zugleich ist der Fachverband Kollektivvertragspartner und vertritt die Arbeitgeberinteressen der chemischen Industrie gegenüber den Gewerkschaften. Energiepolitik, Forschung & Entwicklung sowie die Förderung der naturwissenschaftlichen Bildung zählen ebenfalls zu wichtigen Themenfeldern der Fachverbandsarbeit im Interesse der gesamten chemischen Industrie. Mehr zum Fachverband der chemischen Industrie Österreichs erfahren Sie unter http://www.fcio.at. (us)

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