"Kleine Zeitung" Kommentar: "Im Kampf gegen das Rauchen fehlen Mut und langer Atem" (von Martin Link)

Ausgabe vom 31.05.2006

Graz (OTS) - Der US-Schriftsteller und scharfzüngige Aphoristiker Mark Twain tröstete einst: "Es ist kein Problem, sich das Rauchen abzugewöhnen. Ich habe es heute schon 20-mal geschafft." Twains Erfahrung machen viele Raucher. Ein erheblicher Anteil kokettiert ja mit dem Gedanken, dem Laster endgültig zu entsagen.

Der öffentliche Rückenwind für derlei individuelle Initiativen ist gleichwohl eine Brise.

Denn Österreich zeichnet sich im internationalen Vergleich durch seinen augenzwinkernden Umgang mit dem Aufreger-Thema aus. Zwar fehlt es nicht an Appellen, zumal gesundheitlich begründeten, der Staat selbst aber lässt es im Kern mit der Dotation von fragwürdigen Anti-Raucher-Kampagnen bewenden.

Die Gesetzeslage ist, trotz einer angeblichen Verschärfung, eindeutig: Rauchen ist an vielen Orten (öffentlichen Gebäuden, Schulen, Krankenhäusern) verboten. Allein, das Gesetzeswerk kennt keinerlei Strafbestimmungen für Verstöße. Und anders als etwa in Italien, Irland oder Norwegen setzt man hierzulande im Bereich der Gastronomie auf Konsens: Laut einer Vereinbarung mit dem Gesundheitsministerium müssen Speiselokale mit mehr als 75 Quadratmetern eine Nichtraucherzone einrichten und ausschildern. Bis Ende des Jahres muss diese Auflage erfüllt sein, andernfalls stellt Maria Rauch-Kallat "strengere Maßnahmen" in Aussicht. Das Ergebnis ist absehbar, die freiwillige Selbstbeschränkung der Gastronomen wird die freiwillige Selbstkontrolle bestehen.

Weiters: Nicht dass das Tabakgesetz nicht verschärft worden wäre, aber auf österreichische Art. Der Tabakkonsum in Nichtraucherzonen in Lokalen bleibt straflos. Wer aber die Nichtraucherzone nicht ausschildert, der wird zur Kasse gebeten: Bis zu 720 Euro Strafe drohen den Gastwirten. Die Gastronomie argumentiert mit drohenden Einbußen gegen ein generelles Rauchverbot - und übersieht, dass weder die irische Pub- noch die italienische Cafe-Bar-Kultur, traditionell mit Muratti und MS verbunden, zugrunde gegangen ist.

Erleichtert wird der Abwehrkampf der Wirte durch die halbherzigen Initiativen aus dem Gesundheitsministerium, die wohl auch mit Geld zu tun haben: Am meisten verdient der Finanzminister am Rauchen, 70 Prozent des Preises einer Packung landen im Staatshaushalt. Die Zigarette ist auch ein mit Tabak gefüllter Steuerbescheid. Das erklärt, warum Mut und langer Atem für Verbote fehlen. Und ein Nein ohne Sanktionen ist - laut erstem Axiom der Pädagogik - nur Schall und Rauch. ****

Rückfragen & Kontakt:

Kleine Zeitung
Redaktionssekretariat
Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047
redaktion@kleinezeitung.at
http://www.kleinezeitung.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PKZ0001