Zeit im Bild-Redakteure richten offenen Brief an Stiftungsrat

Wien (OTS) - Seit Jahren appellieren die Redakteure der Zeit im
Bild an die ORF-Geschäftsführung, ihre Verantwortung wahrzunehmen und eine unbeeinflusste, nur an den Programmrichtlinien und dem Rundfunkgesetz orientierte Berichterstattung zu ermöglichen. Armin Wolf hat diese Forderungen öffentlich bekräftigt und dadurch einen breiten öffentlichen Diskurs ausgelöst.

Die Anliegen von SOS-ORF unterstreichen in ihren zentralen Punkten unsere Forderung nach Sicherung und Ausbau der Unabhängigkeit und Eigenverantwortlichkeit der ORF-Journalisten. Wir freuen uns über alle parteiunabhängigen Initiativen, die das unterstützen, verwahren uns aber gegen parteipolitische Vereinnahmung. Wir erhoffen uns, dass diese Forderungen durch den öffentlichen Druck endlich Umsetzung finden.

Wir erwarten von der ORF-Geschäftsführung, dass sie sich in diesen Forderungen hinter die ORF-Journalisten stellt und sie nicht, wie im Fall Wolf als "Brandredner" maßregelt.

Wir gehen davon aus, dass die Zeit im Bild-Redaktion bei dem von der Generaldirektorin angekündigten - Runden Tisch über die Situation in der TV-Information vertreten sein wird und dort nochmals ihre Forderungen deponieren kann.

Viel wichtiger aber ist es, mit der neuen Generaldirektion die notwendigen journalistischen Standards festzulegen:

Die Redakteursversammlung der Zeit im Bild hat daher folgenden Brief an die Stiftungsräte des ORF gerichtet:

An die
Mitglieder des Stiftungsrats des ORF

Die jüngste Debatte über die Fernsehinformation hat die Probleme, auf die wir seit Jahren aufmerksam machen, öffentlich aufgezeigt. Aufgrund der Erfahrungen der letzten Jahre im Aktuellen Dienst und der bevorstehenden Neuwahl der ORF-Geschäftsführung fordern die Redakteure der Zeit im Bild einen Aktionsdialog mit der neu bestellten Generaldirektion.

Vor der Bestellung der Geschäftsführung muss sichergestellt werden:

1. Das Bekenntnis zur Information als Kernkompetenzbereich des ORF.

Dieses Bekenntnis muss beinhalten, dass ausreichende Ressourcen zur Verfügung gestellt werden, die qualitätvolle Arbeit in den Redaktionen ermöglichen. Denn der Verlust politisch interessierter Zuschauer steht in keinem Verhältnis zur Ersparnis.

2. Schluss mit der Schwächung der Information durch die Gesamtprogrammierung der beiden ORF-Kanäle. 3. Die Gestaltungsautonomie des einzelnen Redakteurs. Es muss das Recht geben, auch mit dem Chefredakteur Entscheidungen zu diskutieren, wie es im Redakteursstatut festgeschrieben ist. In der direkten Kommunikation lässt sich der Freiraum des Beitragsgestalters sicherstellen. Direkte Kommunikation mit dem Sendungsverantwortlichen erfordert aber kleinere Einheiten als es sie jetzt gibt. 4.Innerer Pluralismus durch interne Konkurrenz. Dadurch können zu gleichen Themen wieder unterschiedliche Zugänge gefunden werden. Eine zentralistische Führung lässt leicht Schlagseite aufkommen. 5. Die Einrichtung von entsprechenden Redaktionsstrukturen, die diese Ziele befördern.

Diese fünf Tagesordnungspunkte werden von Redakteuren der Zeit im Bild der neuen Generaldirektion vorgelegt. Die Redaktion nominiert dazu ein Gesprächs-Team. Außerdem erwarten sich die ZiB-Redakteure, dass die Mitglieder des Stiftungsrats die Kandidaten für die Geschäftsführung in einem öffentlichen Hearing zu ihren Positionen in diesen Punkten befragen. Darauf - und nicht nach parteipolitischen Überlegungen - muss sich nach einem offenen und fairen Auswahlverfahren ihre Entscheidung gründen.

Die Redakteure der Zeit im Bild.

Wien, am 30. Mai 2006

Die Redakteursversammlung der Zeit-im-Bild-Redaktion hat diesen Brief einstimmig angenommen, anwesend waren 61 Redakteure.

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Dr. Danielle Spera 87878/12552
Mag. Tarek Leitner 87878/12476

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