126. AKNÖ-Vollversammlung: "Starke Interessenvertretung notwendiger denn je" (2)

AKNÖ-Präsident Staudinger zieht politische Bilanz.

Wien (OTS) - Der Präsident der Arbeiterkammer Niederösterreich, Josef Staudinger, zog in seinem Bericht zur 126. Vollversammlung Bilanz über die jüngsten Ereignisse, die die Gewerkschaft erschütterten: "Wir können aber das Rad der Zeit nicht zurückdrehen. Sondern jeder einzelne von uns muss sich noch mehr anstrengen, um für die Beschäftigten eine noch stärkere und schlagkräftigere Interessenvertretung zu schaffen." In Österreich herrsche zur Zeit die höchste Arbeitslosigkeit der 2. Republik. Die Situation verschärfe sich noch zusätzlich durch das Ansteigen der Teilzeitbeschäftigungsverhältnisse. Dies wirke sich auch auf die Sozialsysteme aus: Geringe Löhne und Gehälter bedeuteten auch einen Rückgang der Beiträge. Staudinger zeigte sich in diesem Zusammenhang auch verwundert, dass die Gebietskrankenkassen laut Gesundheitsministerium Überschüsse hätten: "Ich kenne die Situation der NÖGKK und kann diese Aussagen nicht nachvollziehen." Es habe keinen Sinn, mit Zahlen zu jonglieren, die die wahre Situation verschleierten. Es gehe um Leistungen für die Beschäftigten und um deren Gesundheit.

Der AKNÖ-Chef wies in seinem Bericht auch auf bereits erkennbaren Auswirkungen der Erweiterung der Europäischen Union um unsere östlichen Nachbarländer hin: Das Lohnniveau unserer Nachbarländer ist immer noch um rund 70 % niedriger, als in Niederösterreich. Jeder Unternehmer, der es sich leisten könne, wandere entweder mit seinem Betrieb überhaupt nach Tschechien oder in die Slowakei ab oder beschäftige ArbeitnehmerInnen aus diesen Gebieten.
Staudinger forderte deshalb die Einhaltung der Übergangsfristen: "Der Schutz des heimischen Arbeitsmarktes ist kein fremdenfeindlicher Willkürakt, sondern bedeutet einfach nur, dass ArbeitnehmerInnen aus Beitrittsländern eine reguläre Arbeitsgenehmigung benötigten, wenn sie in Österreich arbeiten wollten." Solange Europa nicht in der Lage sei, einen einheitlichen Wirtschaftsblock mit einheitlichen Steuersätzen zu bilden, müssten nationale Rahmenbedingungen für eine gesunde Basis für ArbeitnehmerInnen und ArbeitgeberInnen schaffen.

Die AKNÖ bekannte sich auch in ihrer Resolution, Maßnahmen für ältere ArbeitnehmerInnen zu schaffen. Die heutigen Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt machen es auf der einen Seite älteren Menschen immer schwerer, im Arbeitsprozess zu verbleiben oder sich wieder einzugliedern. Viele ältere Menschen sind oftmals aus gesundheitlichen Gründen nicht in der Lage, bis zum Pensionsantrittsalter zu arbeiten. Oder es mangelt an der erforderlichen Qualifikation. "Das bedeutet, dass sich bei älteren Menschen das Risiko, arbeitslos zu werden, erhöht. In Österreich sind deutlich weniger ältere Menschen beschäftigt, als im europäischen Durchschnitt", erklärte Staudinger. Er forderte ein komplettes Umdenken ein, sowohl von Arbeitgebern als auch Arbeitnehmern. Der AKNÖ-Präsident verwies in diesem Zusammenhang auf das Projekt "Workfit". "WorkFit" setzt genau an der Schnittstelle Gesundheit und Ausbildung an. Prävention steht im Vordergrund: ArbeitnehmerInnen ab 40 Jahren und arbeitslose Menschen ab 50 Jahren können in das Projekt "WorkFit" aufgenommen werden, wenn sie längere Zeit krank waren.

Staudinger abschließend: "Die umfangreichen Resolutionen, die wir heute verabschieden sind gleichsam die Klammer zu dieser 126. Vollversammlung, denn sie zeigen dass trotz allem was passiert ist, die Kernkompetenzen der Arbeitnehmervertretungen mehr denn je gefordert sind. Nur eine starke Arbeitnehmervertretung kann verhindern, dass sich die Gesellschaft spaltet und dass die Schwachen noch mehr unter die Räder kommen."

(Fortsetzung folgt)

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