"Vorarlberger Nachrichten" Kommentar: "Bärig" (Von Kurt Horwitz)

Ausgabe vom 30.05.2006

Wien (OTS) - Soll man ihn in die Falle locken? Betäuben? Erbarmungslos abknallen? Der inzwischen zu "Bruno" vermenschlichte Vorarl-Bär erregt von Tag zu Tag mehr die Gemüter. Die Medien, so genannte Tier- und weniger populäre Menschenschützer treiben die Politiker vor sich her.
Wer den Bären auch nur von ferne sieht, ist ein Held. Wer ihn retten will, wird gepriesen. Wer ihm ans Fell will, ist der Böse. Der wanderfreudige Bär hat ja bisher nur ein paar Schafe und Ziegen erlegt. Für die Einbrüche in Hühnerställe und Bienenstöcke zahlt ohnehin die Versicherung, und Kinder sind dem lieben Tierchen ja zum Glück noch keine in die Quere gekommen.
Hätte Bruno nebst Weidegetier und Hühnern auch ein Kind in die Fänge bekommen, das gerade im Wald einen Ball oder Schwammerln sucht -wetten, dass alle Politiker schnell ihr tierfreundliches Gehabe ablegen würden? Dann hätte es selbst Jörg Haider schon immer besser gewusst, der Meister Petz gerade erst bei sich daheim im Bärental Asyl angeboten hat.
Lassen wir dahingestellt, ob das Geld wirklich optimal angelegt ist, das für Bärenfallen und Personalkosten aufgeht. Ein Trost bleibt: In Österreich hatten die Spendenaufrufe zur Abdeckung dieser Kosten "bisher nur mäßigen Erfolg". Dafür wird viel für die Bebenopfer in Indonesien gespendet. Ein bäriges Reifezeugnis für unser Land, oder?

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