Neue KÄRNTNER TAGESZEITUNG - Kommentar: Notfall Ambulanz (von Manfred Posch)

Ausgabe 28. Mai 2006

Klagenfurt (OTS) - In österreichischen Krankenhäusern fehlen 3000 Mediziner. Ärzteschaft und Gewerkschaften warnen vor einem Versorgungskollaps.Nicht selten kommen Spitalsärzte auf 100 Wochenstunden, was ungesetzlich ist und eine Zumutung für Patienten, die Anspruch auf nicht von Übermüdung gekennzeichnetes Fachpersonal haben (sollten). Diesem traurigen Befund steht das Ergebnis einer aktuellen Studie gegenüber, wonach mittelfristig mit "einer Ärzteschwemme zu rechnen sei. Laut Bundesinstitut für das Gesundheitswesen (ÖBIG) würden jährlich 300 bis 700 Ärzte mehr ausgebildet als benötigt.

Gibts einen "schöneren "Widerspruch, ein augenscheinlicheres Para-doxon? Einerseits schuften Äskulaps Jünger und Jüngerinnen allenthalben bis zum Umfallen, andererseits warnen Experten vor einem Ärzteüberangebot, verweisen auf ein Studium mit stark eingeschränkter Zukunft.

Ob die Wahrheit in der Mitte liegt, bleibe dahingestellt. Vorerst sind täglich tausende von Spitalspatienten Situationen ausgesetzt, für deren Beschreibung das Attribut "unwürdig" die richtige Wahl zu sein scheint. Und es geht ja nicht nur um die Zustände in den Krankenhäusern. Wer beispielsweise einen Termin beim Augenarzt haben möchte, oder am Wochenende von Zahnschmerzen ereilt wird, weiß, was gemeint ist.

Doch zurück in so manches Spital, beispielsweise ins Klagenfurter Landeskrankenhaus mit seinen Ambulanzen. Dieselben sind meist auf eine Weise überfüllt, die am System schlechthin, im "besten Falle" am Organisationswillen des einen und an-deren Primararztes zweifeln lässt. Dass Mütter mit Kleinkindern, betagte, von schwerer akuter Erkrankung heimgesuchte Personen mehrstündige, belastende Wartezeiten hinnehmen müssen, stellt eine Zumutung für die Betrof-fenen dar und einem Krankenhaus ein punktuell schlechtes Zeugnis aus.

Herrgott noch einmal: Sind wir in Albanien, Tschetschenien, Somalia oder sonst einer sozial hoffnungslos nachgereihten Region?! Gewiss: Wo würgender Personalmangel herrscht, können keine Service-Wunder geleistet werden. Bleibt also die Frage an Spitalserhalter, die Politik, an die Gesellschaft: Kann sich eines der reichsten Länder, Österreich,tatsächlich nicht mehr Ärzte,Therapeuten etc. leisten?
Eine Verneinung hieße, skandalöse Umstände auf Dauer zu akzeptieren.

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