Verbund: Wieder kritische Situation in Österreichs Stromnetz

Ursachen sind extreme Windkrafterzeugung in Deutschland und Leitungsausfall in Tschechien

Wien (OTS) - In Österreichs überregionalem Hochspannungsnetz herrscht aktuell erneut eine kritische Situation. Wie die VERBUND-Austrian Power Grid AG (APG) mitteilt, führen die aktuell extrem hohe Windkrafterzeugung in Norddeutschland und ein Leitungsausfall in Tschechien auch zu hohen Belastungen des österreichischen Hochspannungsnetzes. Die APG arbeitet intensiv daran, das Stromnetz stabil zu halten.

Aufgrund der aktuellen Wettersituation läuft die Stromproduktion in den deutschen Windparks auf Hochtouren. Dadurch besteht im europäischen Leitungsnetz eine extrem hohe Zusatzbelastung. Dazu kommt der Ausfall der Leitung Hradec-Etzenricht zwischen Tschechien und Deutschland. Dies verschärft die Netzsituation in Mitteleuropa und damit auch in Österreich extrem.

Gemeinsam mit den Stromnetzbetreibern der Nachbarländer arbeitet die APG an einer Stabilisierung der Lage. So wurden unter anderem APG-Leitungen, die sich in Revision befinden, vorsorglich zugeschaltet. Da die Windkraft-Prognose in Deutschland für die kommende Tage weiterhin hohe Produktionsvolumina erwarten läßt, wurde in der APG zusätzliches Personal zur Bewältigung der kritischen Lage mobilisiert.

Im Detail stellt sich die Netzsituation folgendermaßen dar:

Im europäischen Übertragungsnetz (UCTE-Netz) kommt es durch die extrem hohe Winderzeugung in Deutschland zunehmend zu kritischen Netzsituationen. Aktuell wurde die Situation durch den Ausfall der wichtigen Verbindungsleitung Hradec (CZ) - Etzenricht (D) am 20.5.2006 um 20:30 verschärft. Durch den Ausfall traten auf den beiden verbliebenen Verbindungsleitungen hohe Zusatzbelastungen auf. Seit den Morgenstunden des 23.5.2006 führt die starke Winderzeugung in Norddeutschland mit aktuell 11.000 MW (von ca. 18.500 MW installierter Leistung) zu einer hohen Belastung an den beiden verbliebenen Leitungen zwischen Deutschland und Tschechien. Zusätzlich wird die Sicherheitsgrenze an den Verbindungsleitungen zwischen Österreich und Tschechien überschritten. Dadurch ist in Österreich mit einem erhöhten Ausfallsrisiko zu rechnen, besonders wenn eine der beiden verbliebenen Leitungen zwischen Deutschland und Tschechien ausfällt.

Am 23.5.2006 informierte die APG um 10:23 ihre benachbarten Übertragungsnetzbetreiber über den sehr kritischen Netzzustand an der österreichisch-tschechischen Grenze und forderte diese auf, gemeinsam mit APG notwendige Abhilfemaßnahmen einzuleiten. Im Netz der APG wurden Leitungsabschaltungen für Revisionsarbeiten auf Grund der kritischen Netzsituation eingestellt und verschoben. In Zusammenhang mit dem Ausfall der Leitung Hradec - Etzenricht wurde bei APG eine erhöhte Bereitschaft angeordnet.

Mit einer Entspannung der Situation wird erst durch die Wiederzuschaltung der Leitung Hradec - Etzenricht und einer Reduktion der Windkrafterzeugung in Deutschland gerechnet. Die Prognose der Winderzeugung in Deutschland lässt für die nächsten Tage jedoch ähnlich hohe Exporte erwarten.

In Zeiten hoher Winderzeugung in Norddeutschland erfolgen hohe Leistungsflüsse von Norden nach Süden im UCTE-Netz. Der Erzeugungsüberschuss aus Windkraft findet dabei den Weg zu den Verbrauchern nach physikalischen Gesetzen. Die Auswirkungen sind in Tschechien, Polen, Österreich, Slowakei, Ungarn und sogar bis Slowenien mit einem starken Anstieg der Leistungsflüsse zu verfolgen. Es kommt neben höheren Belastungen auf den Verbindungsleitungen zwischen Deutschland und Tschechien auch zu hohen Belastungen auf den Leitungen zwischen Tschechien und Österreich.

Die Leitungsverbindungen zwischen Tschechien und Österreich bestehen aus der derzeit einsystemig belegten 380-kV-Leitung Dürnrohr (A) - Slavetice (CZ) und der zweisystemigen 220-kV-Leitung Bisamberg (A) - Sokolnice (CZ). Wenn die Belastung an diesen beiden Leitungen die vorgeschriebene Sicherheitsgrenze überschreitet, liegt die große Gefahr vor, dass bei Ausfall eines Leitungssystems beide Verbindungsleitungen ausfallen. Hohe und plötzliche Verlagerungen von Transportleistungen von Österreich auf Leitungen in Deutschland, Tschechien, Slowakei und Ungarn wären die Folge. Dies birgt die große Gefahr von Folgeausfällen von Leitungen in den Nachbarstaaten und durch Störungsausweitungen auch in Österreich.

Österreichische Elektrizitätswirtschafts AG (Verbund):

Der Verbund erwirtschaftete im 2005 Umsatzerlöse von 2.506,7 Mio EUR. Mit einem operativen Ergebnis von 526,5 Mio EUR und Gewinn nach Steuern ( Periodenergebnis) von 402,1 Mio EUR ist der Verbund mit 2.400 Mitarbeitern als eines der größten börsenotierten Unternehmen Österreichs auch eines der profitabelsten Unternehmen der europäischen Energiebranche. 2005 betrug die Performance der Verbund Aktie 83,8%.

Der Verbund erzeugt mit seinen 107 Wasserkraftwerken und 9 Wärmekraftwerken jährlich etwa 29.000 Gigawattstunden elektrische Energie, das entspricht rund der Hälfte des österreichischen Stromverbrauchs. Die Anlagen gehören zu den modernsten, leistungsfähigsten und umweltfreundlichsten Europas. Insgesamt steht dem Verbund eine Kraftwerksleistung von 8.300 Megawatt zur Verfügung. Die Stromerzeugung des Verbund basiert zu 90% aus umweltfreundlicher Wasserkraft. Die Wasserkraftwerke ersparen pro Jahr Emissionen von 22 Mio Tonnen CO². Der Verbund verfügt auch über ein leistungsstarkes Höchstspannungsnetz, dessen Trassenlänge von 3.300 Km der Entfernung Madrid-Moskau entspricht.

Auf europäischer Ebene ist der Verbund höchst erfolgreich tätig und erwirtschaftet dort 60% seines Umsatzes. Zu den bereits bestehenden Handels- und Vertriebsgesellschaften in Deutschland, Slowenien, Ungarn und Polen sowie dem Joint Venture in Italien werden derzeit weitere Gesellschaften in Tschechien, der Slowakei und Griechenland aufgebaut.

Im Sommer 2005 startete der Verbund mit dem Direktvertrieb an heimische Endkunden, um die Marktposition in Österreich nachhaltig zu stärken. Derzeit haben sich knapp 30.000 Haushaltskunden für günstigen Strom aus reiner Wasserkraft vom Verbund entschieden.

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