OeNB - Zinssätze für Unternehmenskredite stiegen im 1. Quartal 2006 deutlich

Die Entwicklungen der Kundenzinssätze in Österreich und im Euroraum im 1. Quartal 2006

Wien (OTS) - In Folge der zweiten Leitzinserhöhung der EZB innerhalb von 3 Monaten (um 0,25 %-Punkte im März 2006) wurden im ersten Quartal 2006 insbesondere bei den neu vereinbarten Krediten mit nichtfinanziellen Unternehmen deutlich höhere Zinssätze verrechnet. Bei Großkrediten an Unternehmen (mit Volumen von über 1 Million Euro) stieg der Zinssatz im Neugeschäft gegenüber Dezember 2005 massiv (um 0,32 %-Punkte auf 3,47 %). Bei Krediten an private Haushalte führten die Leitzinsanhebungen hingegen noch nicht zu entsprechenden Anstiegen. Während die Zinssätze für neu vereinbarte Konsumkredite im 1. Quartal 2006 um 0,25 %-Punkte (auf 5,10 %) anstiegen, sanken jene für Wohnbaukredite nominell sogar um 0,07 %-Punkte (auf 3,56 %). Verglichen mit dem Euroraum gab es in Österreich nach wie vor sehr niedrige Kreditzinssätze.

Beim Neugeschäft mit längerfristig (über 2 Jahre) gebundenen Einlagen von privaten Haushalten stiegen die Zinssätze im ersten Quartal 2006 sehr deutlich an (um 0,29 %-Punkte auf 2,96 %). Auch bei Einlagen mit Laufzeit von bis zu 1 Jahr gab es mit 0,26 %-Punkten einen starken Anstieg. Damit wurde bereits wieder das Zinsniveau, das vor den Zinssenkungen der EZB Anfang des Jahres 2003 verzeichnet wurde, erreicht.

In Folge der zweiten Leitzinserhöhung der EZB innerhalb von 3 Monaten (um 0,25 %-Punkte im März 2006) standen im ersten Quartal 2006 im Kundengeschäft der Banken Zinssatzanhebungen im Vordergrund. Auf der Kreditseite mussten insbesondere nichtfinanzielle Unternehmen für Großkredite (über 1 Million Euro) im Neugeschäft doch deutlich höhere Zinssätze in Kauf nehmen. Der Durchschnittszinssatz stieg im ersten Quartal um 0,32 %-Punkte auf 3,47 %, nachdem er bereits im Quartal zuvor ebenfalls um 0,32 %-Punkte gestiegen war. Obwohl damit der Anstieg der Zinssätze in Österreich stärker ausfiel als im Euroraumdurchschnitt, lag der Durchschnittssatz nach wie vor unter dem Vergleichswert des Euroraums (3,56 %). Bei Unternehmenskrediten bis 1 Million Euro betrug der Anstieg in Österreich nur 0,13 %-Punkte und der Zinssatz lag mit 3,80 % noch deutlicher unter dem Euroraum-Wert (4,25 %).

Bei Krediten an private Haushalte führten die Leitzinsanhebungen hingegen nicht zu entsprechenden Anstiegen. Bei neu vereinbarten Wohnbaukrediten gab es im ersten Quartal 2006 bei der Nominalverzinsung im Durchschnitt sogar einen leichten Rückgang um 0,07 %-Punkte auf 3,56 %, der Effektivzinssatz (unter Einbeziehung aller Gebühren) stieg im Vergleichszeitraum hingegen um 0,08 %-Punkte auf 4,05 %. Auch die Auswirkungen der Leitzinsanhebungen auf die Zinssätze über das gesamte aushaftende Kreditvolumen bei Wohnbaukrediten blieben schwach. In der wichtigsten Kategorie (Laufzeit über 5 Jahre) stieg der Zinssatz im ersten Quartal 2006 lediglich um 0,05 %-Punkte auf 4,31 %. Die Zinssätze für neu vereinbarte Konsumkredite stiegen im 1. Quartal 2006 stärker - um 0,25 %-Punkte auf 5,10 %. Verglichen mit dem Euroraum gab es in Österreich damit nach wie vor sehr niedrige Durchschnittszinssätze.

Im Fremdwährungsbereich ließ sich ein weiterer Rückgang des relativen Zinsvorteils für die nach wie vor populären CHF-Kredite (an private Haushalte und nichtfinanzielle Unternehmen) verzeichnen. Nach einem Anstieg um 0,23 %-Punkte im ersten Quartal 2006 auf 2,29 %, lag der Zinssatz nur noch 1,27 %-Punkte unter dem wichtigsten Konkurrenzprodukt - den Wohnbaukrediten in EUR, während der vergleichbare Abstand im Dezember 2005 noch 1,57 %-Punkte betragen hatte.

Bei den Zinssätzen der neu vereinbarten Einlagen von privaten Haushalten gab es im ersten Quartal des Jahres Anstiege auf breiter Front. Am deutlichsten aufwärts ging es bei den Zinssätzen für Einlagen mit Laufzeit von über 2 Jahren, die gegenüber Dezember 2005 im Schnitt um 0,29 %-Punkte auf 2,96 % stiegen. Auch im kurzfristig (bis 1 Jahr) gebundenen Bereich stiegen die Zinssätze sehr deutlich (+0,26 %-Punkte) an und erreichten im Durchschnitt mit 2,45 % den höchsten Wert seit Februar 2003. Überhaupt der höchste Zinssatz seit Beginn der Erhebung der EZB-Zinssatzstatistik im Jänner 2003 ließ sich bei den täglich fälligen Einlagen von privaten Haushalten verzeichnen, die getrieben von hohen Zinssätzen von Bausparkassen und Direktbanken im ersten Quartal 2006 um 0,12 %-Punkte auf 1,12 % stiegen. Verglichen mit dem Euroraum konnten in Österreich in der Mehrzahl der Kategorien etwas höhere Durchschnittszinssätze verzeichnet werden. Deutlich über dem Euroraumvergleich lag der Zinssatz bei Bindungsfrist von über 2 Jahren mit 2,96 % gegenüber 2,45 %.

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