Greenpeace: Illegale Fischerei bedroht Tunfische im Mittelmeer

Greenpeace-Report belegt: EU subventioniert Plünderung der letzten Tunfische

Barcelona/Wien (OTS) - Der Rote Tunfisch im Mittelmeer ist stark bedroht und steht knapp vor dem Aus. Schuld an dieser Misere sind skrupellose Piratenfischer, aber auch Missmanagement von Fischerei-Industrie und Politik. Zu diesem Ergebnis kommt der heute in Barcelona präsentierte Greenpeace-Report 'Wo ist all der Tunfisch hin?' "Die Tunfisch-Bestände werden in hohem Maß illegal geplündert, um die kommerziellen Interessen der Tunfischzucht-Industrie zu befriedigen", kritisiert Antje Helms, Greenpeace-Meeresbiologin. "Es ist grotesk, dass diese Industrie von der EU massiv subventioniert wird. Die Täter kommen meist aus Mittelmeer-Ländern wie Spanien, Italien oder Frankreich."

Der Rote Tunfisch (lat. Thunnus thynnus) steht auf der "Roten Liste der bedrohten Tierarten" der Weltnaturschutzunion (IUCN). Der Bestand an erwachsenen Tieren im Mittelmeer ist in den letzten 20 Jahren um 80 Prozent zurückgegangen. Nichts desto trotz wird er stärker befischt als je zuvor. Dabei ist das Mittelmeer für das Überleben des Roten Tuns von entscheidender Bedeutung: Die Gewässer rund um die Balearen sind eines von nur zwei Laichgebieten dieser Fischart weltweit. Dies macht sich die Fischerei-Industrie zu Nutzen und fischt alljährlich gezielt zur Laichzeit weit über die gesetzliche Fangquote.

"Eine große Gefahr für den wilden Tunfisch stellen die boomenden Tunfischfarmen dar." erklärt Helms. "Da sich Tunfisch nicht züchten lässt, müssen junge, noch nicht fortpflanzungsfähige Tiere gefangen und in Käfigen gemästet werden. Diese Tiere haben gar keine Chance, sich zu vermehren. Um ein Kilogramm Tunfisch zu produzieren, braucht es bis zu 20 Kilogramm Futterfisch. Das ist alles andere als ökologisch tragbar." Von Seiten der EU wurde die Tunfischzucht in den letzten Jahren mit über 26 Millionen Euro subventioniert. Dies hat zu einem unkontrollierten Wildwuchs an Tunfischfarmen geführt, die mittlerweile in der Mittelmeerregion eine gesamte Kapazität von mehr als 51.000 Tonnen aufweisen. Das übersteigt die jährliche fürs Mittelmeer erlaubte Fangquote um über 60 Prozent.

Der heute veröffentlichte Greenpeace-Bericht beweist eindrücklich die Dringlichkeit von Maßnahmen zum Schutz des Roten Tunfisches und dessen Laichgebiet im Mittelmeer. Greenpeace verlangt den Einsatz von unabhängigen Beobachtern an Bord der Tunfisch-Fangschiffe, um Überschreitungen der Fangquoten und den Fang von zu jungen Fischen zu verhindern. Greenpeace fordert zudem, 40 Prozent des Mittelmeeres wie auch der Ozeane weltweit durch ein Netzwerk von Meeresschutzgebieten vor jeglicher industrieller Ausbeutung zu schützen. Mit dem Schiff Esperanza startet Greenpeace heute von Barcelona aus die Mittelmeer-Etappe der weltweiten "SOS Weltmeer"-Schiffsxpedition.

Der Report und weitere Informationen unter www.greenpeace.at/sosweltmeer.html

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