WirtschaftsBlatt Kommentar vom 24.05.2006: Wer Mässigung fordert, muss Mässigung leben - von Angelika Kramer

Die AUA-Manager verschanzen sich hinter hanebüchenen Ausreden

Wien (OTS) - Hier geht es nicht darum, die in Österreich zugegeben stark vertretene Neidgenossenschaft zu mobilisieren. Vorstände und Aufsichtsräte erfolgreicher Unternehmen sollen gebührend entlohnt werden. Manager, die ihren Job gut machen und so den Unternehmenswert und damit gleichzeitig das Einkommen ihrer Mitarbeiter und Aktionäre zu steigern vermögen, sind Goldes wert.

Die Forderung der Aktionäre auf der AUA-Hauptversammlung an den Vorstand und die Aufsichtsräte, auf einen Teil ihres Gehalts bzw. ihrer Tantiemen zu verzichten, geschah denn auch nicht aus Motiven der Missgunst. Vielmehr hätten die Aktionäre ein Signal der für die missliche Unternehmenslage Verantwortlichen sehen wollen. Ganz bestimmt würde der geforderte Beitrag - die Aufsichtsrats-Tantiemen belaufen sich in Summe auf nicht mehr als 150.000 Euro - die angeschlagene AUA auch nicht aus der Krise führen. Aber es hätte eben allen, die den Weg des Unternehmens schon lange begleiten, gezeigt, dass hier Manager mit Herz und Verstand am Werk sind, die auch bereit sind, in schwierigen Zeiten einen Solidarbeitrag abzuliefern.

Stattdessen verschanzen sich die Herrn Vorstände und Aufsichtsräte hinter hanebüchenen Ausreden à la "Wir dürfen gar nicht auf unsere Tantiemen verzichten" oder "Wir haben eh schon einmal verzichtet" und machen so jegliche Aufbruchstimmung zunichte. Dabei handelt es sich, so wie etwa bei den ÖIAG-Chefs Peter Michaelis und Rainer Wieltsch oder dem Kika/Leiner-Boss Herbert Koch, sicher nicht um Persönlichkeiten, die der Verzicht auf dieses Geld in eine Finanzkrise stürzen würde. Löblich hervorzuheben ist an dieser Stelle AUA-Aufsichtsrat Erhard Schaschl, der mit gutem Beispiel voranging, für die Forderung der Aktionäre Verständnis zeigte und auf 9100 Euro verzichtete.

Schaschl hat sich wohl als Einziger die Worte des deutschen Bundespräsidenten Horst Köhler zu Herzen genommen, der kürzlich an die Adresse der deutschen Wirtschaftselite meinte: "Es ist schwer, Arbeitnehmern Mässigung und Lohnzurückhaltung zu empfehlen, wenn andere gerade kein Mass mehr zu kennen scheinen." Und genau diese Mässigung hat die AUA in den vergangenen Jahren im Übermass nicht nur von den Arbeitnehmern, sondern auch von ihren Aktionären verlangt.

Denn offen bleibt, ob in dieser Situation diese Aktionäre dann bei einer so dringend benötigten Kapitalerhöhung der AUA wieder mit dabei sind?

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