Zugpferd Biomasse: Vorreiter Österreich?

Rohstoffmobilisierung als Kern eines nationalen Biomasse-Aktionsprogramms

Wien (OTS) - "Der Biomasse-Aktionsplan der Europäischen Union bietet Österreich die einmalige Chance, durch ein eigenständiges Aktionsprogramm zu demonstrieren, wie diese europäischen Vorgaben auf nationaler Ebene umsetzbar und welche Vorteile damit für Wirtschaft, Versorgungssicherheit, Beschäftigung und Umwelt erzielbar sind", so Heinz Kopetz, Präsident des Österreichischen sowie des Europäischen Biomasse-Verbandes, anlässlich der Präsentation eines dementsprechenden Entwurfs.

Der Europäische Aktionsplan sieht eine Erhöhung des Beitrags der Bioenergie zur Energieversorgung bis 2010 von 4 % auf 9 % vor, der österreichische Anteil dafür würde etwa zusätzliche 75 Petajoule (PJ) betragen. Um dieses Ziel zu erreichen, müssten 500.000 Wohneinheiten auf Biomasse-Heizsysteme umgestellt, etwa 2,5 Terawattstunden (TWh) Strom aus Biomasse erzeugt und etwa 550 Millionen Liter Biotreibstoffe und 100 Millionen Kubikmeter (m3) Biomethan als Treibstoff produziert werden.

Kosten und Nutzen

Ausgehend von den Untersuchungen der Europäischen Kommission lassen sich bei Realisierung dieser Vorgaben folgende Vorteile erreichen:

  • Die Abhängigkeit Österreichs von Energieimporten wird durch den Ausbau der Biomasse um über 5 % verringert und gleichzeitig der Anteil der erneuerbaren Energieversorgung unter Einbeziehung der Ausweitung der Wasserkraft, der Windenergie und der Solarthermie auf über 30 % erhöht.
  • Die Treibhausgasemissionen Österreichs um etwa 10 Millionen Tonnen reduziert. Dadurch kann sich Österreich, gerechnet zu heutigen Preisen, jährlich 250 Millionen Euro an Ausgaben für CO2-Zertifikate ersparen.
  • Die Zahl der Beschäftigten würde durch diese Umstellung um 8.000 zunehmen. Die Sekundäreffekte, die vor allem die ganze vorgelagerte Industrie betreffen, würden im Zeitraum der Umstellung zusätzlich 10.000 bis 20.000 Arbeitsplätze schaffen.
  • Der rasche Ausbau des Inlandsmarktes für biogene Verbrennungsanlagen wird zu großen Erweiterungsinvestitionen in der österreichischen Kesselindustrie führen, die damit gut gerüstet wäre, in Zukunft ihre Exportzahlen wesentlich auszuweiten. Auf diese Weise würden auf Dauer zusätzlich neue Arbeitsplätze entstehen.

Diesem Nutzen stehen betreffend Wärmesektor keine laufenden Kosten, sondern Einsparungen gegenüber. Allerdings ist eine großzügige Umstiegshilfe mit öffentlichen Mitteln notwendig, um tatsächlich 500.000 Haushalte zu bewegen, von fossiler auf erneuerbare Wärmeversorgung umzusteigen. Im Bereich der Stromerzeugung würden sich dadurch zusätzliche Kosten von 0,2 bis 0,3 Cent je kWh Strom ergeben, das entspricht etwa acht bis elf Euro je Haushalt und Jahr. Im Bereich der Treibstoffe werden die Mehrkosten voraussichtlich minimal sein, weil anzunehmen ist, dass bis zum Jahre 2010 die Erdölpreise so weit gestiegen sind, dass sich durch die Biotreibstoffe kaum noch Zusatzkosten ergeben.

Investitionsprogramm für Umstieg auf Holz

"Der Schwerpunkt unseres Aktionsplans liegt dabei eindeutig auf der Wärmeproduktion", erklärte Kopetz, "Das habe ich auch in der Diskussion über den Biomasse-Aktionsplan vor dem Europäischen Parlament in Straßburg vergangene Woche betont. Hier ist die Energieausbeute am höchsten und die konkurrenzlos preisgünstigen Holzbrennstoffe entkräften das Argument einer Überförderung nicht marktreifer Technologien." Zum erfolgreichen Umbau des Wärmesystems sei aber eine wirksame Umstiegshilfe nötig. Der Österreichische Biomasse-Verband schlägt dafür ein bundeseinheitliches Förderprogramm, das (auf vier Jahre begrenzt) 30 % der Investitionskosten beim Einbau einer Biomasseheizung, eines Fernwärmeanschlusses oder einer Solaranlage finanziert. Das Programm würde ein Investitionsvolumen von 4,2 Milliarden Euro auslösen, die dadurch lukrierten Mehreinnahmen durch die Umsatzsteuer und die Ausgabeneinsparungen im Sozialbereich (Stichwort: Heizkostenzuschuss) würde die Programmfinanzierung fast wieder wettmachen.

In den letzten Jahren hat sich der Markt ohnehin bereits rasant in diese Richtung entwickelt, die Verkaufszuwächse betrugen 2005 bei Biomassefeuerungen 42,5 %, bei Großanlagen (über 100 kW) sogar über 70 %, letztes Jahr wurden damit erstmals mehr Pellets-, als Ölkessel verkauft. "Die entscheidende Wende kann aber nur durch eine Investitionsförderung gelingen", ist der Vorsitzende überzeugt, "Noch immer sinkt insgesamt die Zahl der holzbeheizten Wohnsitze."

Rohstoffmobilisierung dringend notwendig

Der Boom im Bereich der Biomasseheizungen hat aber große Auswirkungen auf den Rohstoffmarkt. Der Biomasse-Experte ruft daher zur verstärkten Rohstoffmobilisierung als Hauptaugenmerk einer erfolgreichen Biomasse-Politik auf. Neben der forstwirtschaftlichen wird vermehrt die landwirtschaftliche Biomasse-Produktion einen Beitrag zur Wärme- und Stromerzeugung leisten müssen. "Ausschlaggebend für das Gelingen unseres Aktionsplans ist in jedem Fall die Rohstoffversorgung", so Kopetz abschließend. "Wir schätzen den zusätzlichen Flächenbedarf für die Bioenergieproduktion auf 240.000 Hektar. Dazu ist die Mobilisierung still gelegter Flächen und bisher nicht genutzter Holzzuwächse notwendig. Es bedarf aber auch eines Umdenkprozesses: Der Anbau von Energiepflanzen und Energiehölzern muss Teil der österreichischen und europäischen Agrarpolitik werden."

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