Lapp: Vertrauen in Gesundheitssystem erschüttert

Lapp, Probst, Oberhauser bei Diskussion: Alternativen zur Zwei-Klassen-Medizin

Wien (SK) - In Simmering sei die Lebenserwartung der BewohnerInnen geringer als in anderen Bezirken Wiens, erinnerte SPÖ-Behindertensprecherin Christine Lapp bei der Diskussion "Krankjammern, Gesundbeten oder frische Ideen für die Gesundheit!" am Montag in der Schlossschenke Thürnlhof. "Gesundheit steht im Mittelpunkt von jeder Einzelnen und jedem Einzelnen und steht auch im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Dennoch ist die Vertrauensfrage erschüttert, denn sehr viele Menschen meinen, dass die momentanen Leistungen des Gesundheitssystems immer schlechter werden. Bundesministerin Rauch-Kallat versucht Kosten einzusparen, obwohl der Anteil am Bruttoinlandsprodukt seit 15 Jahren im Gesundheitssystem in etwa gleich geblieben ist", so Lapp. ****

Seit Anfang der 1980er Jahre blieb der Anteil der Gesundheitsausgaben am BIP bei 7 bis 8 Prozent. Im Gesundheitssystem seien keine großen Player gefragt, die gegeneinander spielen, sondern ein Zusammenspiel. "Die Qualitätssicherheit und Leistungssicherheit für Menschen die kein großes Einkommen haben kann nur über die Allgemeinheit gesichert werden", so Lapp.

In Österreich fehle es an einer gezielten Zielausrichtung im Gesundheitssystem, kritisierte der stv. Generaldirektor im Hauptverband Josef Probst. Es sei viel mit Finanzen jongliert und neue Strukturen auf Länder- und Bundesebene geschaffen worden, Betriebsamkeit alleine genüge aber nicht, so Probst weiter. Die Gesundheitsdiskussion werde überschattet von der Finanzdiskussion. "Die gesetzlichen Maßnahmen, die getroffen wurden, um die Einnahmen zu erhöhen, wie Selbstbehalte und Kürzung von Leistungen, haben 1,827 Milliarden Euro in den letzten fünf Jahren gebracht. Die Entlastungsmaßnahmen der Regierung waren Belastungsmaßnahmen für die Menschen", kritisierte Probst.

Annähernd ein Drittel der Gesundheitsausgaben in Österreich würden bereits privat bezahlt. "Die Situation der sozialen Krankenversicherung ist auf einem Negativ-Niveau stabil, mit einem Minus von zwei bis drei Prozentpunkten", so Probst. Ein Mehr an gesunden Lebensjahren für alle Österreicherinnen und Österreicher, sei das oberste Ziel der Sozialversicherungen. Ein zielgruppenorientiertes Gesundheitsangebot mit gerechter, solidarischer und nachhaltiger Finanzierung sei gefragt. Eine Versorgung der breiten Masse ohne Klassensystem sei anzustreben und Transparenz in der Darstellung der Gesundheitswelt zu gewährleisten.

"Nach sechs Jahren Regierung Schüssel haben wir vor allem Leistungskürzungen und einen exponentiellen Anstieg der Selbstbehalte", kritisierte auch Sabine Oberhauser, Vorsitzende der sozialdemokratischen ÄrztInnen im BSA, die Gesundheitspolitik der Regierung. Sie erinnerte an ein Ergebnis einer Umfrage vom Sommer 2005 wonach zwei Drittel der ÖsterreicherInnen glauben, nur mehr Reiche würden eine optimale medizinische Versorgung erhalten. Die neue Herausforderung müsse lauten: "Hohe Leistungen für alle". Es sei kein Geheimnis mehr, dass Armut krank mache, so Oberhauser. In Wien liege die Lebenserwartung für sozial schlechter gestellte Bevölkerungsschichten sechs Jahre unter dem österreichischen Durchschnitt. Eine Verringerung der sozialen Unterschiede im Gesundheitsbereich sei das Ziel der Sozialdemokratie. Oberhauser erinnerte an das Kreisky-Zitat "Gesundheitspolitik heißt, ein Sterben vor der Zeit zu verhindern."

Es gelte vor allem ein "niederschwelliges Gesundheitsversorgungsangebot" zu schaffen. Einkommensschwache und chronisch Kranke müssten besonders vor Selbstbehalten geschützt werden, so Oberhauser. Der Gesundheitsmarkt sei als Arbeitsmarkt der Markt der Zukunft. Eine verbesserte Aus- und Weiterbildung im Gesundheitsbereich und angemessene Bezahlung für Pflegeberufe sei dringend nötig. Auch die Prognose eines erheblichen Ärztemangels in zehn Jahren sollte ernst genommen werden. Es sei wichtig, dass die "Gesundheitspolitik wieder in sozialdemokratische Hände kommt", so Oberhauser. (Schluss)da

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