Internationale Osteoporosestiftung (IOF) schlägt Alarm: Kosten in Milliardenhöhe und Todesfälle durch frühzeitigen Behandlungsabbruch bei Osteoporose

Wien (OTS) - Ein alarmierender Bericht der Internationalen Osteoporosestiftung (IOF) zeigt erstmals auf, welch erhebliche persönliche, gesellschaftliche und wirtschaftliche Kosten und Folgen weltweit durch einen frühzeitigen Therapieabbruch bei Osteoporose entstehen. Im Rahmen der Präsentation der Kampagne "Staying Power:
Closing the Adherence Gap in Osteoporosis" in Wien riefen ExpertInnen der Internationalen Osteoporosestiftung und der Filmstar Britt Ekland dringend zu Taten auf, um die Therapietreue (Adherence) zu erhöhen.

Aufwändiges Einnahmeprozedere lässt Einnahmegenauigkeit (Compliance), Therapiedauer und damit die Therapietreue (Adherence) schwinden

Osteoporose ist eine weit verbreitete, ernst zu nehmende Erkrankung, an der jede dritte Frau und jeder fünfte Mann leidet. Obwohl heute hochwirksame Medikamente (Bisphosphonate) zur Bekämpfung der Osteoporose und ihrer Folgen (Knochenbrüche) zur Verfügung stehen, ist es um die Therapietreue der PatientInnen schlecht bestellt. Mangelnde Einnahmegenauigkeit und Therapietreue stellen ein enormes Problem bei der Osteoporosetherapie dar. Vielen PatientInnen fällt es schwer, die Therapie - vor allem auf Grund des aufwändigen Einnahmeprozederes - über den empfohlenen Zeitraum von 3 bis 5 Jahren durchzuhalten: Etwa die Hälfte der PatientInnen, die Bisphosphonate erhalten, die einmal wöchentlich eingenommen werden müssen, brechen die Behandlung innerhalb eines Jahres ab. Und das oft mit fatalen Folgen: Das Risiko, Knochenbrüche zu erleiden, steigt wieder stark an. Weniger als ein Drittel aller Frauen erlangt nach einer Fraktur ihre vorherige Beweglichkeit wieder, mehr als ein Drittel benötigt in der Folge ständige Betreuung.

Folgen des Behandlungsabbruchs

Durch einen frühzeitigen Therapieabbruch erhöht sich das Frakturrisiko und in der Folge steigen die Kosten für das ohnehin finanziell stark belastete Gesundheitswesen.
Allein in Europa verursachen osteoporose-bedingte Krankenhausaufenthalte Kosten von mehr als 4,8 Mrd. Euro. Die Folgekosten durch Krankenstände sind noch weitaus höher. Gelingt es nicht, die Häufigkeit der durch Osteoporose verursachten Frakturen zu senken, werden die Kosten noch weiter steigen.
Frauen über 45 verbringen aufgrund von Osteoporose mehr Tage im Krankenhaus als wegen vieler anderer Krankheiten wie Diabetes, Herzinfarkt und Brustkrebs.

Enorme wirtschaftliche Kosten nicht nur in Europa, sondern weltweit

Das "Staying Power"-Dossier baut auf einem Bericht der IOF mit dem Titel "The Adherence Gap: Why Osteoporosis Patients Don’t Continue with Treatment" aus dem Jahr 2005 auf, in dem eine mangelnde Therapietreue in fünf großen europäischen Ländern aufgezeigt wurde. Der neue Bericht belegt, dass dieses Phänomen nicht auf Europa beschränkt ist, sondern weltweit ein Problem darstellt.

- Prognosen zufolge werden die weltweiten Kosten bis 2050 auf mindestens 106 Mrd. Euro steigen.

Zur Situation in Österreich

Im Rahmen der Präsentation der Kampagne nahm der Österreicher Univ.-Prof. Dr. Heinrich Resch, Präsident der deutschen Gesellschaft für Osteologie, Stellung zur Osteoporosesituation in Österreich:

2006 leben in Österreich rund 1,5 Mio Frauen über 50 Jahre. Bei einer Prävalenz von 30% sind somit 470.000 Frauen osteoporosegefährdet. Entsprechend der Prävalenz für Wirbelfrakturen aus einem EU-Report der IOF erleiden demnach etwa 325.000 Frauen jährlich eine vertebrale Fraktur, also einen Wirbelkörpereinbruch auf Grund von Osteoporose.
1998 wurden 12.000 Oberschenkelhals-Frakturen registriert, die Kosten in Höhe von 156 Mio. Euro verursacht haben. Für das Jahr 2005 liegen Schätzungen in der Höhe von 15.000 vor.

Nach einer Erhebung in Spitälern der St. Vinzenz Holding 2005 kann man auf Österreich hochgerechnet mit ca. 50.000 PatientInnen pro Jahr rechnen, die wegen Osteoporose stationär behandelt werden müssen. Mit einer durchschnittlichen Spitals-Aufenthaltsdauer von 12 Tagen ergibt sich eine Summe von ca. 600.000 Krankenhaus-Aufenthaltstagen. Dies entspricht ca. der Größenordnung der durch Diabetes Mellitus verursachten Spitals-Aufenthaltstage. Nicht zu vergessen sei die Dunkelziffer von nicht diagnostizierten Fällen von mehr als 50%.

Resch: "Durch Hebung der Therapietreue unter Anwendung innovativer patientenfreundlicher Therapieoptionen, wäre eine signifikante Verbesserung der Situation möglich. Bedauerlicherweise stehen in Österreich im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern diese Optionen vorerst nicht alle zur Verfügung." Damit spielt Resch wohl darauf an, dass der Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger die Kosten für ein innovatives Bisphosphonat, das nur einmal im Monat eingenommen werden muss, nicht trägt. Dieses Medikament, das die Therapietreue der PatientInnen aller Voraussicht nach erheblich steigern würde, ist in Österreich momentan nur auf Privatrezept erhältlich.

Launch der "Staying Power"-Kampagne

Um Osteoporose und ihre Folgen effektiv bekämpfen zu können, muss das "Durchhaltevermögen" (Staying Power) der PatientInnen verbessert werden. Es müssen also effektive Maßnahmen gesetzt und betroffene Frauen unterstützt werden, damit sie ihre Therapie nicht vorzeitig abbrechen.

Daher hat sich die Kampagne "Staying Power: Closing the Adherence Gap in Osteoporosis", die auf Deutsch mit "Durchhaltevermögen stärken - Therapietreue steigern" übersetzt werden kann, einerseits zum Ziel gesetzt, auf die weltweiten Folgen von frühzeitigen Therapieabbrüchen aufmerksam zu machen. Andererseits soll im Bewusstsein von Ärzteschaft und Betroffenen verankert werden, dass nur eine konsequente Einnahme der Medikamente das Frakturrisiko senken kann. Eine effektive, erfolgreiche Therapie ist eben nur bei ausreichender Einnahmegenauigkeit, Therapiedauer und damit hoher Therapietreue möglich!

Britt Ekland, Filmstar und selbst Osteoporose-Patientin, hat heute gemeinsam mit Vertretern der IOF in Wien die Kampagne "Staying Power" gestartet. Damit werden Frauen, ÄrztInnen und PatientInnengruppen auf der ganzen Welt zur Zusammenarbeit aufgerufen, um gemeinsam den Betroffenen zu helfen, ihre Therapie langfristig durchzuhalten und so das Risiko von unnötigen Knochenbrüchen zu senken.

Britt Ekland - Filmstar, Osteoporosepatientin und Kämpferin gegen mangelnde Therapietreue

Britt Ekland, die für ihre Rollen in Filmen wie Get Carter und dem James-Bond-Film Der Mann mit dem goldenen Colt bekannt ist, meint:
"Ich habe seit zehn Jahren Osteoporose. Aus eigener Erfahrung kann ich allen Frauen mit Osteoporose nur dringend empfehlen, ihren Arzt und ihre lokalen Patientengruppen zu Rate zu ziehen, um zu erfahren, welche therapeutischen Möglichkeiten es gibt und wie sie es am besten schaffen, die Behandlung genau ein- und auch über den notwendigen Zeitraum auch durchzuhalten."

Behandlungsabbrüche sind unbestritten ein großes Problem bei vielen chronischen Erkrankungen, so eben auch bei Osteoporose. Britt Ekland führt weiter aus: "Ich weiß, welch schwerwiegende Auswirkungen die Osteoporose auf den Alltag haben kann. Während ich das Glück habe, weiterhin ein aktives Leben zu führen, geht es vielen Frauen nicht so gut. Wir sollten uns daher vor Augen halten: Eine konsequente und kontinuierliche Behandlung bedeutet, dass man sich ein Leben mit geringerer Mobilität, chronischen Schmerzen, Missbildungen und niedrigem Selbstwertgefühl erspart."

Wichtigkeit der Therapietreue darf nicht unterschätzt werden

Die Frage der Therapietreue ist von großer Bedeutung, denn nach einer ersten Fraktur steigt die Wahrscheinlichkeit von weiteren Knochenbrüchen erheblich an. Angesichts der weltweit alternden Bevölkerung wird die Anzahl der Menschen mit Osteoporose in den nächsten Jahren voraussichtlich weiter zunehmen, so dass es immer wichtiger wird, dafür zu sorgen, dass die PatientInnen in den Genuss der knochenfestigenden Wirkung kommen, die sich erst nach einer langfristigen Behandlung einstellt.

Steigerung der Therapietreue durch neue Medikamente

Jean-Yves Reginster, Professor für Epidemiologie, öffentliche Gesundheit und Gesundheitsökonomie an der Universität Liège in Belgien und Generalsekretär der IOF, erklärt: "Die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Kosten, die sich aus den Behandlungsabbrüchen ergeben, sind auf lange Sicht nicht tragbar. ÄrztInnen, Betroffene und Patientengruppen müssen alle gemeinsam etwas dagegen tun. Eine patientenfreundlichere Gestaltung der Osteoporosetherapien ist entscheidend. Und es gibt hier auch schon neue Möglichkeiten, wie Medikamente, die nicht mehr täglich oder wöchentlich, sondern weniger häufig eingenommen werden müssen."

Paul Spencer Sochaczewski, Leiter der Kommunikationsabteilung der IOF, schließt daran an: "Die Frage der Therapietreue ist ein dringendes Anliegen. Mit der 'Staying Power'-Kampagne ruft die IOF Osteoporose-PatientInnen, ÄrztInnen, Patientengruppen und das staatliche Gesundheitswesen auf, die Augen vor den beunruhigenden Fakten, wie sie im heute veröffentlichten Bericht enthalten sind, nicht einfach zu verschließen. Als ersten Schritt wird die IOF die Patientengruppen unter ihren Mitgliedern noch in diesem Jahr zusammenbringen, um die Frage der Therapietreue zu erörtern, praktikable Lösungen zu finden und diese dann möglichst rasch umzusetzen. Wir bitten alle, die sich mit Osteoporose beschäftigen, diesem Thema ebenso hohe Priorität zu geben."

Osteoporose, bei der die Knochen porös werden und leicht brechen, gehört international zu den häufigsten Krankheiten und schränkt die Selbständigkeit der PatientInnen stark ein. Sie führt zu Schmerzen, zum Verlust der Beweglichkeit, zur Unfähigkeit, einfache Alltagsarbeiten zu erledigen und in vielen Fällen zum Tod. Jede dritte Frau und jeder fünfte Mann über 50 erleiden Frakturen aufgrund von Osteoporose.
Leider sind systematische Untersuchungen zur Erkennung von RisikopatientInnen bei weitem nicht die Regel. Osteoporose kann in gewissem Maße verhindert werden, sie lässt sich leicht diagnostizieren und wirksam behandeln.

Die Internationale Osteoporosestiftung (IOF) ist die einzige weltweite Organisation mit dem Ziel, Osteoporose zu bekämpfen. Sie bringt WissenschafterInnen, ÄrztInnen, Patientenvertretungen und Unternehmen als Partner zusammen. Durch die Zusammenarbeit mit 170 Mitgliedsgesellschaften in 84 Ländern und anderen Organisationen im medizinischen Bereich aus der ganzen Welt schärft die IOF das Bewusstsein für die Krankheit, ihre Prävention, Früherkennung und verbesserte Behandlung.

Weitere Informationen über Osteoporose und die IOF erhalten Sie von:

Paul Spencer Sochaczewski, Leiter der Kommunikationsabteilung
Tel.: +41 22 994 0100 oder psochaczewski@osteofound.org
oder im Internet unter: www.osteofound.org

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Barbara Urban
medical media consulting
b.urban@kabsi.at
Mobil: 0664/41 69 4 59

Harald Schenk
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