WKÖ und Notare präsentieren Kampagne zur Unternehmensvorsorge

Leitl fordert Steuererleichterungen für Betriebsnachfolger - Notare starten Beratungsoffensive

Wien (PWK333) - Nach den Unternehmensneugründern setzen nun die Wirtschaftskammer Österreich und die Notare einen neuen Schwerpunkt bei den Betriebsnachfolgern. Unter dem Titel "Unternehmensvorsorge" werden den Interessierten in den Landeskammern und in weiterer Folge in den Bezirksstädten Informationsveranstaltungen zum Thema angeboten. Der Handlungsbedarf ist dabei enorm: Von den rund 350.000 heimischen Unternehmungen stehen jährlich etwa 10.000 Betriebe zur Übergabe an, so der Präsident der Wirtschaftskammer Österreich, Christoph Leitl. Etwa die Hälfte davon, also etwa 5.000 gelingen. Die andere Hälfte wird stillgelegt, etwa weil die Gewerbeberechtigung zurückgelegt wird, sich die Eigentümer auf Jobsuche begeben etc. Für die kommenden 10 Jahre könne man von 50.000 betroffenen Betrieben ausgehen.

Deshalb habe sich die WKÖ gemeinsam mit den Notaren entschlossen, diese Beratungsaktion, ins Leben zu rufen "damit Chancen da sind und Netzwerke geschaffen werden", so der WKÖ-Präsident. "Die Rolle des Notars bei der Unternehmensvorsorge lässt sich am besten mit der eines fachlich versierten Mentors beschreiben, der seinen Klienten vom ersten Gespräch bis zum Abschluss des Übergabeprozesses professionell und diskret begleitet", erklärt Klaus Woschnak, Präsident der Österreichischen Notariatskammer. Dieses Service der Notare beginnt mit einer ausführlichen, persönlichen Beratung und reicht von der Prüfung aller Möglichkeiten über die Zusammenstellung der im Einzelfall optimalen Lösungen bis hin zur Niederschrift der Regelungen in rechtlich einwandfreien Urkunden und Verträgen.
"Das Spektrum aller rechtlichen Fragen bei der Übergabe reicht von Testamenten und Vorsorgevollmachten für Unternehmer, Abtretungs-, Schenkungs- und Kaufverträgen, Syndikats- und Gesellschaftsverträgen und soll nach eingehender Beratung den Willen des Unternehmers verwirklichen können. Ziel der Informationsoffensive ist es, in den nächsten Jahren bei etwa 20.000 Klein- und Mittelbetrieben in Österreich durch Unternehmensvorsorge den Grundstein für deren wirtschaftlichen Weiterbestand zu legen und so die Zukunft der Unternehmerfamilie, der Mitarbeiter und der Firma zu sichern", erklärt Woschnak.
Aber auch auf politischer Seite sei Handlungsbedarf gegeben. Für die nächste Legislaturperiode fordert Leitl "drei Hilfen für die Betriebsübergeber und Betriebsübernehmer": Erstens, müsse es im steuerlichen Bereich Änderungen bei der Erbschaftssteuer geben. Der WKÖ-Präsident nannte hier die beiden in Diskussion befindlichen Modelle eines Bewertungsabschlages von 75 Prozent auf die Bemessungsgrundlage und ein Stundungsmodell der Erbschaftssteuer auf 10 Jahre. "Existiert der Betrieb noch nach 10 Jahren, ist keine Erbschaftssteuer zu bezahlen. Wird er nach zwei Jahren verkauft, sind 80 Prozent fällig." Damit werde Spekulanten Einhalt geboten und ein Anreiz gesetzt, den Betrieb längerfristig zu erhalten. "Wir wollen eine Erbschaftssteuer die nicht prohibitiv wirkt und Übergaben nicht unmöglich macht, weil das betriebliche Eigenkapital zu stark beansprucht wird", so der WKÖ-Präsident. Selbst die EU-Kommission habe das erkannt, und die Mitgliedsstaaten aufgefordert aktiv zu werden und die KMU´s bei der Betriebsübergabe zu unterstützen.

Zweitens forderte Leitl, dass Gründer und Betriebsnachfolger von der Kreditvertragsgebühr ausgenommen werden. Es sei nicht einzusehen, wieso ein Betriebsnachfolger für einen Kredit seines Vorgängers 0,8 nach der Übernahme wiederum 0,8 Prozent der Kreditgebühr zu bezahlen habe. Drittens, geht es um einen Entfall bestimmter Lohnnebenkosten für die Dauer von 12 Monaten vor, der bereits für Gründer gilt. Diese Lohnnebenkostenreduktion soll für jeden zusätzlichen Mitarbeiter, der in den ersten 3 Jahren aufgenommen wird, gelten.

"Ich denke, dass diese drei Dinge sehr maßvoll und günstig sind. Ein geringer Einsatz an Mitteln trägt zu einem Erhalt der betrieblichen Substanz und der Arbeitsplätze bei. Ich hoffe, dass sich diese Punkte im Arbeitsprogramm der nächsten Bundesregierung finden", so Leitl. (us)

Rückfragen & Kontakt:

Wirtschaftskammer Österreich
Stabsabteilung Presse
Mag. Rupert Haberson
Tel.: (++43) 0590 900-4362
Fax: (++43) 0590 900-263
presse@wko.at
http://wko.at/Presse

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWK0001