Tumpel: Einkommensschere zwischen Frauen und Männern geht auch auf Teilzeit zurück

Wien (OTS) - Die anhaltend hohe Einkommensschere zwischen Männern und Frauen in Österreich ist zu einem hohen Anteil auf die stark steigende Teilzeitbeschäftigung zurückzuführen. "Um die Einkommensschere zwischen Frauen und Männern zu schließen, müssen die Nachteile von Teilzeitbeschäftigung beseitigt werden und muss dem rasanten Anstieg von Teilzeitarbeit gegengesteuert werden", sagt AK Präsident Herbert Tumpel anläßlich der heute in Brüssel stattfindenden Konferenz "Schließen der Einkommensschere". Der AK Präsident fordert insbesondere die Schaffung existenzsichernder Arbeitsplätze und das Schließen der Lücken in der Kinderbetreuung, damit Frauen überhaupt leichter eine Beschäftigung aufnehmen und auch in einem höheren Arbeitszeitumfang erwerbstätig sein können.

EU-Datenbank sieht Österreich im Vormarsch
1995 lag die Teilzeitquote bei österreichischen Frauen und Männern noch unter dem EU-Schnitt. In diesem Jahr lag die Teilzeitquote für Männer in Österreich bei vier, im EU 15-Schnitt bei knapp sechs Prozent. 2005 betrugen die Männer-Quoten in Österreich 5,2 und im EU 15-Schnitt 7,7 Prozent. Anders verhält sich das bei den Frauen. 1995 lag die Teilzeitquote bei Frauen in Österreich bei 26,9 und im EU-Schnitt bei 31,3 Prozent. 2005 hatte sich das Bild völlig gedreht. Die Frauen-Teilzeitquote betrug in Österreich 39 und im EU-Schnitt 36,5 Prozent. Damit lag 2005 die Teilzeitquote bei den österreichischen Frauen deutlich über dem EU-Schnitt. Die Geschlechterschere bei der Teilzeit ist also in Österreich weiter aufgegangen. (Quelle: New Cronos EU-Datenbank)

Nachteile für Teilzeitbeschäftigte
Die Brutto-Stundenlöhne von Teilzeitbeschäftigten liegen deutlich unter jenen von Vollzeitbeschäftigten. Grund dafür ist, dass Teilzeitbeschäftigte überdurchschnittlich oft in weniger qualifizierten Tätigkeiten beschäftigt. Das trifft besonders die Frauen. Nur jede zehnte teilzeitbeschäftigte Frau übt eine höhere oder eine Führungstätigkeit aus. Bei den vollzeitbeschäftigten Frauen ist es jede immerhin vierte. (Quelle: Mikrozensus 2003, Sta-tistik Austria)

Die Forderungen der AK:
+ Schaffung von existenzsichernden Arbeitsplätzen
+ Schließen der Lücke in der Kinderbetreuung. Um die 90.000 überhaupt fehlenden bzw Defizite bei den Öffnungszeiten aufweisenden Betreuungsplätze, sind im ersten Jahr 288 Millionen Euro und für die weiteren Jahre 240 Millionen erforderlich. Erst damit wird es für viele Frauen leichter, überhaupt eine Beschäftigung aufzunehmen bzw in einem höheren Arbeitszeitumfang erwerbstätig zu sein.
+ Für die Mehrarbeit von Teilzeitbeschäftigten sind verpflichtende Zuschläge einzuführen, damit der Anreiz für Unternehmen sinkt, Teilzeitarbeitskräfte als billige Arbeitszeitpuffer einzusetzen und weiter Vollzeitarbeitsplätze in Teilzeitplätze aufzusplittern.
+ Teilzeitarbeitskräfte sollen einen Anspruch darauf erhalten, bei der Neubesetzung von Stellen mit einem höheren Arbeitszeitausmaß (bis hin zu Vollzeitarbeit) vorgezogen zu werden. Außerdem sollen Teilzeitbeschäftigte bei der betrieblichen Karriereplanung ein-bezogen werden.
+ Der Anspruch auf Elternteilzeit muss für alle Mütter und Väter unabhängig von Betriebsgröße und -zugehörigkeit ein selbstverständliches Recht werden. Damit kann Teilzeitarbeit vom Nimbus des Geringerwertigen, Prekären befreit werden und kann freiwillige, nicht benachteiligte Teilzeitarbeit auch in höheren Qualifikations- und Einkommensbereichen entstehen.

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