Faymann/Sima: Umweltfreundliche Großbaustelle Thürnlhof

80 Prozent der LKW-Fahrten eingespart

Wien (OTS) - "Der Wiener Wohnbau hat durch strenge Auflagen im Neubau und bei der Wohnhaussanierung großartige Erfolge bewirkt. Der klimaschonende Effekt ist so groß wie der permanente Verzicht auf 360.000 PKWs. Zudem sind im geförderten Wohnbau in Wien Niedrigenergiehäuser bereits Standard. Derzeit werden schon acht Energiesparhaus-Projekte (Passivhäuser) umgesetzt. Der nächste Schritt der Stadt ist, auch die negativen Auswirkungen einer Baustelle auf Klima und Luftgüte sowie auf das Lebensgefühl der Anrainer zu minimieren. Die positiven Erfahrungen des Projekts Kabelwerk, bei dem 80 Prozent der baustellenbedingten Emissionen gesenkt werden konnten, kommen auch beim Projekt Thürnlhof zum Tragen. Die Staub-, die Lärm- und die Abgasbelastung wird um bis zu 90 Prozent verringert. Zum Wohl der Anrainer und des Klimas", erklärte Wohnbaustadtrat Werner Faymann.

"Die Stadt Wien kämpft seit Jahren engagiert gegen den Feinstaub mit einer Vielzahl von Maßnahmen in allen Bereichen, so auch bei den Baustellen, wie etwa die Partikelfilterpflicht für Baumaschinen. RUMBA ist ein weiterer sehr effektiver Schritt, um die Baustellen in der Stadt umweltfreundlicher zu gestalten. Die bisherigen Erfolge auf der Musterbaustelle am Thürnlhof sind sehr erfreulich und vielversprechend. Neben einer Staubminderung und einer enormen Verringerung der gefahrenen LKW-Kilometer um mehrere hunderttausend sind auch die Sortierung der Abfälle und die Wiederverwertung des Aushubmaterials von zentralem Vorteil für die Umwelt. Dabei machen die Kosten für das Umweltmanagement weniger als 1 % der Gesamtbaukosten aus, so Umweltstadträtin Ulli Sima beim heutigen Pressegespräch auf der Baustelle in Simmering."****

Die umweltfreundlichste Baustelle Europas- Rumba Thürnlhof

Ein entscheidendes Kriterium für den Bauträgerwettbewerb war eine möglichst geringe Umweltbelastung während des Baustellenbetriebs. Das Projekt Thürnlhof ist ein Teil des Projekts RUMBA (Richtlinien für die umweltfreundliche Baustellenabwicklung). Dabei werden Leitlinien, Handelsempfehlungen und Lösungen entwickelt, die zum Vorbild für weitere Baustellenabwicklungen werden sollen. Bereits beim Bau des "Kabelwerks" in Meidling wurde besonderer Wert auf eine Umwelt und Anrainer schonende Abwicklung des Baus der 750 Wohnungen gelegt. Die dabei gemachten Erfahrungen sind in das Projekt Thürnlhof eingeflossen.

80 % der LKW-Fahrten eingespart

Die bisher vorliegenden Umweltergebnisse sind viel versprechend:

o Die Anzahl der bisher gefahrenen Lkw-Kilometer konnte in der Aushub- und der Rohbauphase gegenüber einem im Jahr 1994 untersuchten, herkömmlich abgewickelten Bauvorhaben um 80 % reduziert werden. In absoluten Zahlen entspricht das einer Reduktion von mehreren hunderttausend gefahrenen LKW-Kilometern. o Der Anteil der eingesetzten Lkws mit einem hohen Umweltstandard (mindestens Euro III) beträgt über 90 %. o Die Staubbelastung auf der Baustelle wurde drastisch verringert o Durch die sortenreine Trennung von Bau-Abfall wird die Voraussetzung für dessen hochwertige Wiederverwertung geschaffen.

Konkret wurden folgende Maßnahmen zur Verminderung von Lärm, Staub und Umweltbelastung gesetzt:

o Einrichtung eines bauplatzübergreifenden, über die gesamte Bauzeit betriebenen Baulogistikmanagements durch den Logistikspezialisten RHENUS o Erfassung und Kontrolle aller LKW-Fahrten, Ladungen, Fahrtweiten, Routen etc. zur und von der Baustelle. Erstmals wird dadurch die genaue Erfassung der Transportauswirkungen einer Baustelle möglich sein. o Entgeltpflicht für Lkw-Fahrten, die während der Aushub- und Rohbauphase eine Entfernung von 15 bzw. 10 km überschreiten. o Entgeltpflicht für Lkw mit schlechteren Umweltstandards als Euro III. o Abfallsortierinsel zur Trennung der Baurestmassen schon auf der Baustelle. o Wiederverwendung des Bodenaushubs im Nahbereich der Baustelle. Aushubmaterial wurde entweder als Erdbaumaterial bei der nahen Großbaustelle der S1-Südumfahrung eingesetzt oder wird auf noch nicht bebauten Bauplätzen zwischengelagert und für die Hinterfüllung der Tiefgaragen und die Geländemodellierung und Grünraumgestaltung verwendet. o Reduktion der Bodenaushubmenge für die Garagen- und Kellererrichtung am Bauplatz der GEWOG durch Anhebung des Tiefgaragengeschosses, zugleich architektonisch interessante Gestaltung der Erdgeschosszone und natürliche Belichtung der Garage. o Staubminderung durch die Befestigung und Reinigung von Baustraßen, Abdecken und Bewässern von Staubträgern wie beispielsweise Grubenböschungen und Schüttgut. o Begleitendes Wohnbauforschungsprojekt, in dem die Ergebnisse evaluiert und allgemeingültige Empfehlungen für das zukünftige umweltfreundliche Bauen in Wien abgeleitet werden.

Die Kosten für das Umwelt- und Logistikmanagement liegen bei weniger als 1 % der Gesamtbaukosten.

Umweltfreundliche Baustellenabwicklung - der Wiener Weg

Bauen belebt die Wirtschaft, sichert unseren Wohlstand und unsere Lebensqualität. Bautätigkeiten verursachen aber auch Lärm, Abfälle, Staub und Abgase - wir und unsere Umwelt werden damit belastet. Untersuchungen haben Folgendes ergeben:

o Der Bau einer Wohnung verursacht ungefähr 60 Lkw-Fahrten, insgesamt werden dabei ungefähr 2.500 bis 3.000 Kilometer zurückgelegt. Die durchschnittliche jährliche Wohnbauleistung in Wien von 5.500 Wohnungen erzeugt damit zirka 15 Millionen Lkw- Kilometer. o In Wien machen Baustellenfahrten zwar nur 1 Prozent des Gesamtverkehrs aus, durch den hohen Schwerverkehrsanteil und die teilweise bereits älteren Fahrzeuge verursachen diese aber 10 % der Emissionen. o Ohne geeignete Gegenmaßnahmen entsteht auf Baustellen sehr viel Staub, insbesondere auch Feinstaub. o Nur ein geringer Teil der Baustellenabfälle wird nach Sorten getrennt und dann wiederverwertet. Bei konventionellen Baustellen fallen 75 bis 80 % gemischte Baustellenabfälle (ohne Bodenaushub) an.

Lage und Infrastruktur

Am Thürnlhof entsteht ein neuer Bezirksteil mit 875 geförderten Mietwohnungen und 7 geförderten Eigentumswohnungen.

Nach einem zweistufigen Bauträgerwettbewerb, der im Jahr 2004 begonnen hat, erhielten 8 verschiedene Bauträger den Zuschlag, das insgesamt 42.600 m2 große Areal zu bebauen (Domizil, Migra, Wien Süd, GEWOG, ÖSW, Familienhilfe, GESIBA, GSG).

Die Gesamtkosten für das Projekt Thürnlhof liegen bei 111 Mio. Euro. Die Stadt fördert diese Wohnungen mit insgesamt 41,5 Mio. Euro.

Durch diese Wohnbauförderung sinken die Mieten (inkl. Betriebskosten auf voraussichtlich 6,46 bis 6,12 Euro pro m2). Die Eigenmittel der künftigen Mieterinnen und Mieter (Grund- und Baukostenanteil) liegen voraussichtlich bei 330 bis 449 Euro pro Quadratmeter.

Die ersten Mieterinnen und Mieter sollen noch im Jahr 2006 ihre neuen Wohnungen beziehen. Das Projekt soll im Jahr 2007 endgültig fertig gestellt sein.

Das Projekt Thürnlhof zeichnet sich durch eine weitere Besonderheit aus: die 415 Wohnungen im Bereich Thürnlhof West" orientieren sich am Masterplan des heuer verstorbenen Stararchitekten Harry Seidler. Der in Österreich geborene und in Australien lebende weltweit anerkannte Architekt hat den Wiener sozialen Wohnbau um die Donau City und den Harry Seidler Tower an der Wagramer Straße bereichert.

Das Projekt Thürnlhof liegt in Kaiserebersdorf, einem Bezirksteil von Simmering im Südosten Wiens. Begrenzt werden die Bauplätze durch die Thürnlhofstraße im Westen, die Widholzgasse im Norden, die Trepulkagasse im Osten sowie die Roschégasse im Süden. Die öffentliche Verkehrsanbindung ist durch die Linie 71 in Richtung Zentrum und zum Verkehrsknoten Simmering mit U3 und S 80 sowie die Linie 6 in Richtung 10. Bezirk gegeben. Das 1,5 km entfernte Leberberg-Zentrum bietet neben weiteren Einkaufsmöglichkeiten auch Zweigstellen von Volkshochschule und Bücherei.

Im Nahbereich befinden sich Geschäfte des täglichen Bedarfs, eine Apotheke, eine Bank, ein Zahnarzt und mehrere praktische Ärzte. Ein Kindergarten befindet sich direkt in der Thürnlhofstraße. Das Schulzentrum Geringergasse (AHS, BRG, HAK) ist mit der Linie 71 gut erreichbar. Auch mehrere Volks- und Hauptschulen sind in der Nähe.(Schluss) nie/vor

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