"Kleine Zeitung" Kommentar: "Integration verlangt fast nichts und zugleich doch alles" (Von Hans Winkler)

Ausgabe vom 17.05.2006

Graz (OTS) - Liese Prokop hat ein Talent dafür, das Richtige zum falschen Zeitpunkt, bei der falschen Gelegenheit oder in falschem Zusammenhang zu sagen. So war es auch mit der Vorankündigung der Studie, die zum Ergebnis komme, fast die Hälfte der in Österreich lebenden Moslems habe nicht die Absicht, sich zu integrieren.

Mit ihrer Voreiligkeit hat Prokop ihrem eigenen Anliegen geschadet und all jenen Munition geliefert, für die allein schon das Wort Integration unter dem Verdacht steht, eigentlich nur "Assimilation" im Sinne zu haben.

Das ist ohnehin nur ein Spiel um Worte, denn es hat noch niemand erklärt, was der Unterschied zwischen beiden sein soll, wenn sogar ein Kommentator, der sich viel auf seinen liberalen Standpunkt zugute hält, für "sanften Assimilationsdruck" auf Zuwanderer plädiert.

Die Ministerin hat natürlich recht. Sie spricht aus, was lange Zeit ein Tabu gewesen ist: Wer auf Dauer hier leben will, muss sich integrieren wollen und ein Österreicher werden wollen. Aber was bedeutet es, ein Österreicher zu sein?

Versuchen wir gar nicht, das zu definieren, sondern nehmen wir ein Beispiel: Von einer Verkäuferin in einem Supermarkt in den USA, die augenscheinlich aus einem lateinamerikanischen Land stammt, wird beri chtet, dass sie am Tag, als ihr die amerikanische Staatsbürgerschaft verliehen wurde, das allen ihren Kunden voll Stolz erzählte. Und diese gratulierten ihr ebenso freudestrahlend.

Niemand verlangte mehr von ihr, als eine Amerikanerin zu werden und das wollte sie auch. Womöglich hat sie nicht einmal ordentlich englisch gelernt. Aber wenn die Nationalhymne gespielt wird, steht sie auf und legt voll Rührung die Hand auf die Brust. Nicht mehr -aber auch nicht weniger.

Fast alle westeuropäischen Staaten, zuerst die Skandinavier, dann die Niederlande und jetzt die Deutschen haben erkannt, dass Integration "keine Einbahnstraße" ist: Es bietet der Staat Arbeit, soziale Sicherheit, Schule, Gesundheitsversorgung und das viele Undefinierte und Undefinierbare, das seine Staatlichkeit ausmacht. Dafür darf er auch vom Einwanderer etwas verlangen.

Nur ein Staat, der etwas verlangt, wird auch respektiert. Nur eine Gesellschaft, die ihre Normen nicht beliebig gemacht hat, wird die Anziehungskraft haben, andere zu integrieren.

Manche haben das schon verstanden. Ein wichtiger Vertreter der Moslems in Österreich erzählte dieser Tage in der ZIB 2 , seine Organisation biete seit zwei Monaten (!) Deutschkurse an. ****

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