Landärzte schlagen Alarm

Bald in 100 Gemeinden keine Ärzte mehr? - Ärztekammer fordert patientenorientierte Gesetzeskorrektur

Wien (OTS) - Für Österreichs Landbevölkerung sei zu befürchten, dass in ein paar Jahren 100 Landgemeinden mit mehr als 100.000 betroffenen Einwohnern keinen Arzt mehr haben werden. Dies teilte die Österreichische Ärztekammer (ÖÄK) Dienstag in einer Aussendung mit. Im Interesse der betroffenen Bevölkerung in entlegenen Gebieten fordert die ÖÄK die umgehende Korrektur im Sinne einer ursprünglich zugesagten und allgemein akkordierten gesetzlichen Bestimmung.

In schwierigen politischen Verhandlungen war, so der Leiter des Referates für Landmedizin und Ärztliche Hausapotheken in der ÖÄK, Otto Pjeta, auch zwischen Apothekern und Ärzten Einvernehmen erzielt worden, dass in "Ein-Arzt-Gemeinden" grundsätzlich die Medikamentenversorgung über Ärztliche Hausapotheken erfolgen sollte. Diese Regelung sei durch einen offensichtlichen Redaktionsfehler bei der Novellierung des Apothekengesetzes nicht zustande gekommen. Pjeta forderte die Politik auf, die auf breitem Konsens beruhenden politischen Zusagen nunmehr durch eine entsprechende Korrektur umzusetzen.

Die momentan gültige Gesetzesrealität: Bei Pensionsantritt überträgt der einzige Kassenarzt einer Landgemeinde seinem Nachfolger das Recht zur Führung einer Ärztlichen Hausapotheke nicht weiter, wenn eine öffentliche Apotheke in einem Umkreis von weniger als sechs Kilometern ihren Sitz hat. "Damit wird der Bevölkerung ein schlechter Dienst erwiesen", so Pjeta. Rund 100 Gemeinden würden in ein paar Jahren durch die unkorrekte Umsetzung des ursprünglichen politischen Plans ernsthaft Gefahr laufen, von der medizinischen Versorgung insgesamt abgeschnitten zu werden.

Aus einer Umfrage gehe hervor, führte Pjeta in der Folge aus, dass drei Viertel aller Landärzte ohne die zusätzliche Versorgungsmöglichkeit der Bevölkerung über eine Ärztliche Hausapotheke nicht bereit wären, eine Praxis in den betroffenen Gemeinden zu errichten. Pjeta: "Wenn es keine Sanierung bei der Nachfolge in 'Ein-Arzt-Gemeinden' gibt, wird sich die Arzneimittelversorgung und generell die ärztliche Versorgung auf dem Land dramatisch verschlechtern." Bekanntlich habe der Arzt in dünn besiedelten ländlichen Gebieten einen erweiterten Versorgungsauftrag. Gerade in diesen Regionen sei es für Patienten, insbesondere für ältere und mehrfach kranke, außerordentlich aufwändig, sich Medikamente aus der nächsten Apotheke zu beschaffen. Dies gelte schon während des Tages und erst recht in der Nacht und am Wochenende, wo von den öffentlichen Apotheken auch noch Zuschläge verlangt würden.

Die politisch Verantwortlichen seien dringend gebeten, patientenorientiert und nicht Apotheken-orientiert zu handeln, sagte Pjeta. Gemeindebund, Seniorenverbände und Bürgermeister forderte der Ärtzevertreter zur Unterstützung der dringenden Anliegen der Landbevölkerung auf. Es dürfe nicht sein, dass eine bevölkerungszentrierte Lösung durch den Bruch einer Vereinbarung verhindert werde, meinte Pjeta abschließend.

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