Prammer: Politik soll Muttertag nutzen, nachzudenken, wie berufstätigen Müttern das Leben leichter gemacht werden kann

Abfinden mit hoher Teilzeitquote kann nicht die Lösung sein

Wien (SK) - Die SPÖ-Bundesfrauenvorsitzende und Zweite Nationalratspräsidentin Barbara Prammer plädierte am Vortag des Muttertags an alle Parlamentsparteien und PolitikerInnen, diesen traditionellen Tag der Mütter und ihrer Familien zum Anlass zu nehmen, um über zweckmäßige Maßnahmen zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie nachzudenken. "Hier wird gerne viel geredet und wenig umgesetzt", konstatierte Prammer und betonte, dass es in vielen Bereichen im Argen liegt. "Absenkung der Einkommensschere, Ausbau der Kinderbetreuungseinrichtungen, Verbesserung des Kindergelds, Ankurbelung der Väterkarenz, und, und, und - es gibt wahrlich genug zu tun", betonte Prammer. ****

Besonderes Anliegen ist der SPÖ-Bundesfrauenvorsitzenden der Ausbau der Kinderbetreuungseinrichtungen hin zu echten Bildungseinrichtungen, die neben der Erziehung der Eltern wesentlicher Bestandteil der Bildung von Kindern sind, um sie in ihren frühen Phasen schon auf ein Leben reich an Wissen und sozialer Kompetenz vorzubereiten. "Jede Mutter will ihr Kind bestens betreut wissen, selbstverständlich auch berufstätige Muttis. Die Möglichkeit dafür ist leider in vielen Fällen nicht gegeben", verwies Prammer auf fehlende 100.000 geeignete Betreuungsplätze. Ein Anliegen ist den SPÖ-Frauen daher ein Rechtsanspruch jedes Kindes auf einen pädagogisch wertvollen ganztägigen Platz in einer Kinderbildungseinrichtung.

"Dafür muss vom Bund Geld in die Hand genommen werden, das kostet natürlich etwas." Die Aktivitäten der Bundesregierung in dieser Frage lassen, so Prammer, mehr als zu wünschen übrig. Denn mit den zur Verfügung gestellten 600.000 Euro wurden 2005 lediglich 1.000 zusätzliche Betreuungsplätze geschaffen. "Wenn das in dem Tempo weitergeht, werden die notwendigen Plätze in etwa hundert Jahren zur Verfügung stehen."

Die SPÖ, so Prammer, werde, so sie Regierungsverantwortung erhält, 100 Mio. Euro für den Ausbau der Kinderbetreuungsplätze zur Verfügung stellen. Und eine bundesweit einheitlich hochwertige Kinderbetreuung soll in einem Bundesrahmengesetz geregelt werden. "Denn der Kindergarten ist als pädagogische Einrichtung zu sehen, nicht als Kinderaufbewahrungsstätte. Dann werden Frauen auch kein schlechtes Gewissen haben, wenn sie einen Beruf und Kinder haben", so Prammer.

Ein weiteres einschneidendes Problem sei das massive Anwachsen der Teilzeitbeschäftigung; schon jetzt arbeiten vier von zehn Frauen Teilzeit - mit allen negativen Konsequenzen. So ist die hohe Teilzeitquote als Hauptursache für die in Österreich ebenfalls große Einkommensschere zu sehen. Auch bei der Anrechnung der Pensionshöhe haben Teilzeitbeschäftigte massive Nachteile. Und:
Teilzeitbeschäftigte sind in der Regel die ersten, die im Fall des Falles gekündigt werden. "Dass sich die Bundesregierung schlicht und einfach mit dem Anwachsen der Teilzeitquote abfindet und sie sogar als zu förderndes Element im österreichischen System sieht, ist ein großer Fehler", ist Prammer überzeugt und verweist darauf, dass nach der Studie der EU-Kommission "Beschäftigung in Europa 2005" nur 16,7 Prozent der befragten Frauen ihre Teilzeittätigkeit damit begründeten, dass sie keinen Vollzeitarbeitsplatz wollen.

Abschließend betonte Prammer, dass den Müttern auch damit sehr gedient wäre, wenn die Väter bessere Rahmenbedingungen und mehr Anreize erhalten, sich an der Betreuungsarbeit zu beteiligen. "Ein modernes Modell der Elternzeitautonomie in den Betrieben wäre hier ebenso ein ausgezeichneter Ansatz, wie die Einführung eines Papamonats und eine Reform des Kindergelds, damit Väter nicht über die Zuverdienstgrenze geraten." (Schluss) up

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