Wiener Zeitung: Andreas Unterbergers Tagebuch

Der Große K. - Die Große K.

Wien (OTS) - Ein Hauch von Großem K. schwebt über Österreich. Von der Bawag über die OMV bis zu den Ortstafeln zeigt sich ein staatstragender Konsens, obwohl es in keiner dieser Fragen einfache Lösungen gibt.

Während Alfred Gusenbauer - im Bawag-Schock? - von Aggression auf Verantwortungsbewusstsein umgeschaltet hat, lassen die Grünen alle Träume bürgerlicher Salons von Schwarz-Grün platzen. Es ist allzu widersprüchlich, gleichzeitig Lobbyist der Kleinunternehmer und der ÖGB-Basis sein zu wollen. Und geradezu demaskierend war die Reaktion der Grünen in der Bawag-Krise: Wären sie nicht schon völlig auf Rot-Grün programmiert gewesen, hätten sie ganz anders reagiert und nicht die Schuld am Debakel ständig der Regierung anzulasten versucht.

Wird der Große Konsens auch in eine Große Koalition münden? Das ist offen. In der Politik wendet sich das Blatt oft rascher, als man es für möglich hält. Das angedrohte Storno des Eurofighter-Kaufs ist jedenfalls kein Indiz dagegen. Denn es wird nicht stattfinden. Auch die SPÖ, erst einmal in der Regierung, würde nicht die Republik hunderte Millionen Euro für absolut nichts zahlen lassen. Und es ist ja schon seit Jahren klar, dass bei einem Storno des Flugzeugkaufs teurer Schadenersatz für die vielen schon getätigten Gegengeschäfte zu bezahlen ist. Auch wenn diese immer eine dubiose Sache sind, können sie im Rückabwicklungsfall nicht ignoriert werden. Das geschieht nur in den Milchmädchenrechnungen des grünen Peter Pilz.

So sehr die Typenentscheidung diskutabel bleibt, so klar ist aber auch: Bei einem Storno stünde das neutrale Österreich total ohne Luftraumsicherung da. Und es dürfte weder einen Lateinamerika-Gipfel abhalten noch eine Fußball-Europameisterschaft. Denn um solche Großevents abhalten zu dürfen, ist eine Luftraumsicherung Voraussetzung.

Da in Sachen Eurofighter aber alle Entscheidungen in Wahrheit längst gefallen sind, ist das ständige Aufkochen des Themas ziemlich gelassen einzuordnen: Irgendein Wahlkampfthema braucht man auch auf dem Weg in die Große K.

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