Glaser zu Lateinamerika-Alternativengipfel: Schuldzuweisungen allein sind zu wenig

Konstruktiver Dialog zwischen Europa und Lateinamerika ist Voraussetzung für funktionierende Entwicklung

Wien (ÖVP-PK) - Als "teilweise enttäuschend" bezeichnete Abg. Franz Glaser, ÖVP-Sprecher für Entwicklungszusammenarbeit, den Auftakt des Lateinamerika-Alternativengipfels in Wien. "Über weite Strecken war er von einseitigen Schuldzuweisungen und eindimensionalen Sichtweisen gekennzeichnet. Wenn renommierte Persönlichkeiten von genialen wirtschaftlichen Konzepten in Kuba und Venezuela sprechen und den europäischen Bauern die Schuld am Ungleichgewicht zwischen den beiden Kontinenten geben, dann wird ein falsches Bild von der Realität vermittelt", sagte Glaser heute, Donnerstag. ****

Es sei auch nicht verständlich, dass lateinamerikanische Führerfiguren verherrlicht, aber Menschenrechtsverletzungen und Demokratiedefizite in den von ihnen geführten Ländern ignoriert werden. Nachvollziehbar ist hingegen für Glaser die Kritik an den Vorgangsweisen mancher multinationaler Unternehmen, die auf soziale und ökologische Notwendigkeiten kaum oder zu wenig Rücksicht nehmen. "Absolut richtig ist auch, dass die Ressourcen Lateinamerikas primär für die Menschen im eigenen Land genützt werden müssen. Gerade in Zeiten steigender Rohstoffpreise gibt es für viele Länder die große Chance, gerechtere Strukturen zu schaffen", betonte Glaser.

Wünschenswert wäre, wenn beim Alternativengipfel nicht an Problemen vorbeigeredet würde, sondern dass man ihn als Chance zum konstruktiven Dialog sieht. "Viele der angesprochenen Probleme müssen durch einen entsprechenden politischen Prozess in den betroffenen Ländern selbst gelöst werden", ist Glaser überzeugt. "Dass das funktionieren kann, zeigt das Beispiel Chile, das sich von einem diktatorischen Regime gelöst und zu einem Staat mit funktionierenden demokratischen Strukturen unter Einbindung aller politischen Kräfte und der Zivilgesellschaft entwickelt hat."

Notwendig sei ein konstruktiver Dialog sowohl zwischen den Regierungen Europas und Lateinamerikas als auch zwischen der Zivilgesellschaft und den Regierungen in Lateinamerika selbst. "Europa soll als Partner in der Entwicklung der Zusammenarbeit durchaus mehr als bisher eingebunden werden. Europa kann zu einer funktionierenden Entwicklung unter Berücksichtigung der Sozialpartnerschaft und der Ökologie in Lateinamerika verstärkt beitragen. Gleiches gilt für die Wahrung der Menschenrechte", so Glaser.

In diesem Zusammenhang erinnerte er an die Verpflichtung der OECD-Staaten, bis zum Jahr 2015 einen Anteil von 0,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Entwicklungszusammenarbeit zur Verfügung zu stellen und so zu fairen und gerechten Lebensbedingungen beizutragen. "In den kommenden Jahren wird daher für die lateinamerikanischen Länder durchaus mit verstärkter finanzieller Hilfe aus der Entwicklungszusammenarbeit zu rechnen sein", unterstrich Glaser. (Schluss)

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