Wer glaubt, wird alt!?

Wien (OTS) - Glaube, Religiosität und Spiritualität beeinflussen auf jeden Fall die Lebensqualität. Ob auch die Lebenserwartung dadurch steigt, blieb gestern abend im Studio 44 strittig. Die führende Betreuungseinrichtung "Haus der Barmherzigkeit" lud zu seinem vierten Diskussionsforum. Univ.-Prof. Dr. Christoph Gisinger (Haus der Barmherzigkeit), Mag. Anton Faber (Dompfarre St. Stephan), Univ.-Prof. DDr. Johannes Huber (Medizinische Universität Wien), Dr. Andreas Penk (Pfizer Austria), Dr. Heide Schmidt (Institut für eine offene Gesellschaft) und Wolfgang Wagner (Austria Presse Agentur) diskutierten, ob religiöse Menschen länger und gesünder leben.

"Spiritualität ist jedenfalls ein Faktor für eine höhere Lebenserwartung - ähnlich wirksam wie der Risikofaktor Rauchen für eine niedrigere", so eröffnete Prim. Univ.-Prof. Dr. Christoph Gisinger, Institutsdirektor vom Haus der Barmherzigkeit das Diskussionsforum im Studio 44 am Mittwoch abend. Dass Spiritualität aber nicht gleich Religiosität sei, mache eine aktuelle Studie aus Finnland deutlich. Nach dieser leben religiöse Frauen um zwölf Jahre länger als nichtgläubige. Der Geriatrie-Experte wies auf die fließenden Grenzen der Begriffe hin: "Ab wie vielen Kirchgängen ist jemand religiös? In den USA gehen 43% der Befragten wöchentlich in die Kirche, in Finnland sind es 1,1%. Religiosität ist die ganz persönliche Einstellung zur Religion. Spiritualität wird als persönliche sinnstiftende Grund-Einstellung gesehen, die nur bedingt mit religiösem Denken zusammenhängen muss."

Gleichberechtigte Wege zu mehr Lebensqualität

Dr. Heide Schmidt vom Institut für eine offene Gesellschaft warnte davor, die Begriffe als einen zu nehmen. Sie glaubt, dass Spiritualität ein Teil jedes Menschen ist. "Aber Glaube und Religiosität sind nicht die einzigen Wege zu einer höheren Lebensqualität. Für mich ist ein gläubiges Leben genauso wertvoll wie ein agnostisches. Wer positiv denkt, wird alt." Sie fordert Respekt und Toleranz für die unterschiedlichen Lebens- und Glaubenskonzepte gegenüber anderen. Der Theologe und Gynäkologe Univ.-Prof. DDr. Johannes Huber plädierte für eine Gleichberechtigung der theistischen, atheistischen sowie agnostischen Position: "Besonders in Angesicht der bevorstehenden Überalterung kann die Gesellschaft ohne altruistische Lebenseinstellung, ohne Solidarität nicht bestehen. Es müssen Werte bestehen, die in einem friedlichen Staat aus all diesen gleichberechtigten Standpunkten gespeichert werden können."

Der Dompfarrer von St. Stephan, Mag. Anton Faber stellte in der Diskussion klar: "Mir ist völlig egal, wie lange ich lebe. Wichtig ist mir, dass ich sinnvoll lebe. Wir stellen uns oft vor der Wahrheitsfrage zurück. Im Gottesdienst findet regelmäßig ein Auseinandersetzen mit Tod und Auferstehung statt. Man hört es, sieht es und schiebt es weg - bis zum unausweichlichen Aufeinandertreffen mit dem Tod. Was ich in meiner Tätigkeit als Seelsorger beobachte ist, dass ältere gläubige Menschen gelassener mit dem Tod umgehen können." Der Geschäftsführer von Pfizer Austria, Dr. Andreas Penk sieht "in der Wissenschaft bzw. im medizinischen Fortschritt die entscheidenden Faktoren und Garanten, dass die Lebensqualität länger erhalten werden kann und die Lebenserwartung steigt. Glaube und Spiritualität können aber sicherlich mithelfen, Krankheiten zu lindern und allgemein die Lebenszufriedenheit zu steigern. In Zukunft muss in Wissenschaft und Medizin verstärkt auf die spirituellen Bedürfnisse der Patienten eingegangen werden." Die Pharmafirma unterstützte auch heuer - neben dem Studio 44 und der Österreichischen Nationalbank - das Haus der Barmherzigkeit-Diskussionsforum.

Der Glaube als Win-Win-Situation

Rund 400 Studien beschäftigten sich in den letzten Jahren mit dem Zusammenhang zwischen religiösem Glauben und Gesundheit. 81% von ihnen bewiesen einen positiven Einfluss. Bei allen Religionen zeigten sich ähnliche Studienergebnisse. Gisinger kann dies nur bestätigen:
"Der Glaube verhilft sicherlich zu einer besseren Lebensqualität. Die 'Gläubigen' unter unseren hochbetagten, schwer chronisch kranken Menschen im Haus der Barmherzigkeit fühlen sich in einer 'Win-Win-Situation': Wenn ihre Hoffnung stimmt, bewahrheitet sich ihr Glaube - stimmt sie nicht, verhilft er ihnen zu einer sinngebenden und besseren Lebensqualität." Gerade in der geriatrischen Dauer-Betreuung hätten religiöse und spirituelle Patienten bei Krankheit oder bevorstehendem Tod Vertrauen in eine höhere Ordnung.

Ärzte als Seelsorger?

Die Studien haben eines gezeigt: 75% der Patienten wünschen sich, dass Ärzte spirituelle Fragen in die Behandlung einfließen lassen. Immerhin 40% wollen, dass Ärzte mit ihnen über ihre Glaubensfragen sprechen. Für Gisinger ein Zeichen, dass Patienten in Zukunft in Form einer 'spirituellen Anamnese' über ihre Wünsche befragt werden sollten: "Ärzte sollten sich verstärkt über die spirituelle Befindlichkeit des Patienten informieren."

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