Neues Volksblatt: "Potjomkin" (von Christian Buchar)

Ausgabe vom 11. Mai 2006

Linz (OTS) - Doppelspitze, Bezügegrenzen, Frauenanteil in Spitzenfunktionen - was bisher als ÖGB-Reform diskutiert wird, bleibt oberflächlich und bringt den ÖGB de facto keinen Schritt weiter. Mögen die Anliegen auch berechtigt sein, die in der jetzigen Situation geforderten Antworten müssen tiefschürfender ausfallen. Ob nun ein Mann, eine Frau oder Mann und Frau an der Spitze der Organisation stehen, ist letztlich nebensächlich, so lange nicht klar ist, wofür dieser ÖGB eigentlich stehen, ob er künftig wirklich überparteilich agieren und wie er seine Mitglieder an sich binden bzw. seine durch die jüngsten Entwicklungen in der öffentlichen Wahrnehmung angekratzte moralische Integrität reparieren will. Es ist zu klären, ob der eingeleitete Fusionsprozess wirklich der beste Weg ist, möglichst nahe an den schutzbefohlenen Arbeitnehmern zu sein. Und es braucht ein offensives Zugehen auf die Herausforderungen von heute und morgen, die nicht mit Erstarrung im Denken bewältigt werden können. Die bisherige Diskussion gleicht dagegen dem berühmten Potjomkinschen Dorf. Es versucht nach außen wie eine Reform zu wirken. Tatsächlich ist es aber nur Kulisse.

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