"Die Presse"-Meinung: "Frauen an die Macht - mitsamt Besen!" von Martina Salomon

Ausgabe vom 11.5.2006

Wien (OTS) - "Die Presse"-Meinung: "Frauen an die Macht - mitsamt Besen!" von Martina Salomon

Frauen an die Macht - mitsamt Besen!

Wann ruft man besonders laut nach Frauen? In der Krise, damit sie den Mist wegräumen.

Endzeitstimmung im ÖGB! Gibt's noch Hoffnung? Keine Frage, jetzt müssen die Frauen ran - vielleicht bis zur Spitze, wo sich Reformer eine männlich-weibliche Doppelführung vorstellen können. Prinzipiell wäre diese Tendenz ja erfreulich, wenn sie nicht so einen schrecklich schalen Beigeschmack hätte, sprich: Nur wenn's der Firma wirklich schlecht geht, dürfen die Frauen, bewaffnet mit dem großen Kehrbesen, an die Macht. Das hat für altgediente Spitzenkräfte manchmal durchaus unerwartete Nebenwirkungen. So hat in Deutschland Angela Merkel, die die CDU in der höchsten Not der Partei-Spendenaffäre um Helmut Kohl übernahm, nachher ihren Sessel nicht mehr losgelassen. Auch wenn prominente Parteikollegen sie mit der Brechstange in die zweite Reihe zurückversetzen wollten.
Ein ähnliches Muster ist in vielen Ländern zu beobachten. Georg W. Bush baut Mist und schickt Condoleezza Rice zur Charme-Offensive nach Europa aus. Wird sie auch die Republikaner bei der nächsten Wahl retten? In Polen soll ebenfalls eine Frau als Außenministerin das Image des Landes reparieren. Und man darf wetten, dass der Ruf nach Gaby Burgstaller laut wird, sollte Alfred Gusenbauer die Wahl verlieren.
Frauen an der Spitze sind ein innovatives Zeichen. Männervereine wie der ÖGB erkennen das erst in der tiefsten Krise. Also, liebe Gewerkschafterinnen, keine Ausflüchte: Nie war die Aussicht auf einen Karrieresprung besser! (Bericht: S. 2)

martina.salomon@diepresse.com

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