"10 Minuten für meine Gesundheit" offensichtlich ein Vorsorge-Flop

In Wien haben gerade einmal 35 Patienten den Weg zum Arzt gefunden - Teilweise sogar falsche Werte

Wien (OTS) - Eine "ernüchternde Zwischenbilanz" zieht Ärztekammerpräsident Walter Dorner über die in den Endzügen laufende Apothekenaktion "10 Minuten für meine Gesundheit" in Wien und Niederösterreich. Ein Rundlauf an sämtliche Wiener niedergelassene Ärztinnen und Ärzte habe nämlich ergeben, dass nur 35 (!) Patienten aufgrund der Aktion und auffälliger Werte den Weg zum Arzt gefunden hätten. "Damit hat sich - leider - unsere anfängliche massive Kritik bezüglich des Werts solcher Aktionen vollinhaltlich bestätigt", so Dorner. ****

Noch am 20. April - nach nur einem Monat der Aktion - hat die Apothekerkammer von "bereits 25.000 Männern und Frauen" gesprochen, die ihre Gesundheitswerte haben messen lassen. Dabei wurde angeblich mehr als die Hälfte der Teilnehmer - exakt 54 Prozent - aufgrund ihrer schlechten Gesundheitswerte zu einem Arzt verwiesen. Dorner:
"Demnach müssten Apothekenkunden unsere Ordinationen regelrecht gestürmt haben." Das Gegenteil sei aber der Fall gewesen.

35 Ärzte teilen sich einen Patienten

In Wien gibt es derzeit 1267 Ärztinnen und Ärzte mit Gesundenuntersuchungsvertrag. Statistisch gesehen haben also nicht einmal 0,03 Patienten einen Arzt mit Gesunduntersuchungsvertrag aufgrund der Apothekenaktion aufgesucht. Dorner: "Die vom Wiener Apothekerkammerpräsident Heinrich Burggasser als 'größte Vorsorgeaktion in Europa' titulierte Kampagne hat sich somit als größter Vorsorge-Flop in Europa herausgestellt.

Besonders alarmierend für den Ärztekammerpräsidenten ist die Tatsache, dass unter den 35 Patienten vier waren, die nicht reproduzierbare Werte bei Cholesterin, Blutzucker und Blutdruck aufwiesen. Dorner: "Eine Ärztin berichtete uns, dass bei zwei von den Apotheken überwiesenen Patienten die Werte extrem falsch waren. Die Patienten waren panisch und mussten von der Ärztin erst wieder überzeugt werden, dass die in den Apotheken gemessenen Werte nicht stimmten und sie völlig gesund sind."

Über die Gründe für das Scheitern der Aktion kann Dorner nur Mutmaßungen anstellen: "Entweder stimmen die von der Apothekerkammer kolportierten Zahlen nicht, oder die Apotheker verweisen, entgegen anders lautender Meldungen, nicht zu den Ärzten." In jedem Fall rechtfertige die Aktion die dafür eingesetzten finanziellen Mittel keinesfalls.

Im Besonderen kritisiert Dorner das finanzielle Engagement der Wiener Gebietskrankenkasse an der Aktion. Es wäre sinnvoller gewesen, die dafür eingesetzten Gelder für Vorsorgemaßnahmen gemeinsam mit der Ärzteschaft einzusetzen, "statt in Schmalspur-Vorsorgeprogramme zu investieren".

Dorner weiß um die Schwierigkeiten, die Bevölkerung in Wien zu mehr Vorsorgebewusstsein zu erziehen. "Gerade deshalb muss man höllisch aufpassen, durch halbherzige Aktionen nicht mehr Schaden als Nutzen anzurichten", so Dorner abschließend. (hpp)

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