"Vorarlberger Nachrichten" Kommentar: "Gugelhupf statt Bürgernähe" (Von Kurt Horwitz)

Ausgabe vom 10.05.2006

Wien (OTS) - Nicht einmal ein Drittel aller Österreicher glaubt derzeit, dass die EU "eine gute Sache" ist. Das muss umso stärker zu denken geben, als gerade unser Land von der Erweiterung und der Ostöffnung besonders profitiert hat.
Österreich steht mit dieser Skepsis nicht allein. Modern und demokratisch, aber zugleich auch bürokratisch und ineffizient: So sieht die Mehrheit der Bürger unser Europa.
Und was tut die EU dagegen? Sie feiert den Europatag, und zwar auf Anregung der österreichischen Präsidentschaft in allen 25 Mitgliedsländern bei Kaffee und Kuchen. Politiker und Künstler diskutierten gestern in "Cafés d’Europe" mit dem zahlreich eingeladenen und spärlich erschienenen Volk.
Genau daran aber krankt die Union. Sie hat keine Visionen mehr, sondern verwaltet sich selbst, und das in nicht weniger als 20 EU-Sprachen. Immer mehr Menschen spüren diese Orientierungslosigkeit und wehren sich zumindest unterbewusst dagegen.
Mit Kaffeehausbesuchen wird die Europa-Skepsis deshalb genauso wenig zu beheben sein wie kommende Woche mit einem pompös abgefeierten Lateinamerika-Gipfel in Wien oder Mitte Juni mit dem Österreich-Besuch von US-Präsident George W. Bush. Die EU braucht neuen Antrieb, neue Ideen und dafür deutlich weniger Bürokratie. Wenn das gelungen ist, werden wir uns diesen Erfolg gerne schmecken lassen. Am Europatag mit Kaffee und Gugelhupf ein paar Stunden lang Bürgernähe vorzutäuschen, wird nicht zum Ziel führen.

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