"Kleine Zeitung" Kommentar: "Die FPÖ wird die Geister der NS-Vergangenheit nicht los" (von Wolfgang Haupt)

Ausgabe vom 08.05.2006

Graz (OTS) - Das bunte Treiben gestern früh rund um das Austria Center in der Wiener Donaustadt hatte mit Politik nichts zu tun. Tausende Männer und Frauen jedes Alters und verschiedenster Herkunft versammelten sich friedlich und fröhlich zum Start des "Vienna Marathon". Natürlich waren auch Gäste aus dem Ausland und viele Sportler dabei, die nicht in Österreich geboren sind, aber hier im Land leben.

Im Konferenzzentrum drinnen war unterdessen sehr viel von Ausländern die Rede. In nahezu jeder Wortmeldung auf dem Landesparteitag der Wiener FPÖ wurden sie mit Sozialschmarotzern und Kriminellen gleichgesetzt. Der junge Parteichef Heinz-Christian Strache weiß nur allzu genau, was sein überwiegend im Pensionsalter stehendes Parteivolk gerne hört. Es sind die uralten Phrasen von Volk und Vaterland, von drohender Überfremdung und dem Untergang der einheimischen Kultur. Selbst die uralte Klamotte von der dritten Türkenbelagerung wird einmal mehr strapaziert.

Wenn Strache, der im modischen Outfit und mit seinem makellosen Zahntechniker-Gebiss durchaus gewinnend wirken kann, gegen Asylanten, Moslems und schwarze Drogendealer vom Leder zieht, bekommt er um den Mund einen unsympathischen Zug. Er hat dann etwas Keifendes und Eiferndes an sich, das auch den eigenen Anhang irritieren muss. Aber seine Worte, die altbekannten, immer wieder hervorgeholten Bilder und Parolen wirken. Von einer Pointe zur anderen schaukelt sich die Stimmung auf. So hat es Jörg Haider in seiner besten Zeit verstanden, die Ressentiments seines Publikums anzusprechen und in diese "Jawohl"-Stimmung zu versetzen, die jetzt auch Strache seinen Zuhörern vermittelt.

So aufgeheizt, passieren dann Pannen wie der "Heil"-Gruß, den ein knorriger Tiroler und volkstreuer Burschenschafter in den Saal schmetterte. Zwar applaudierten nicht alle der Angesprochenen, sondern sehr viele gaben sich peinlich berührt oder eher belustigt, wie über einen, an dem man einen Toilettefehler bemerkt hat. Aber die Diskussion darüber, ob das Wort "Heil" als NS-Vokabel aufgenommen wird oder ein harmloser und weithin üblicher Gruß sei, ist bloß scheinheilig. Natürlich war die Provokation eine beabsichtigte.

Die Geister, die Strache selbst immer öfter ruft, wird er nicht los. Die unglückselige Vergangenheit hält auch die neue FPÖ eisern umklammert. Anständige Menschen, die sich für die NS-Gräuel heute noch schämen, werden diese FPÖ nie wählen können. ****

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