Mauthausen-Befreiungsfeier im Gedenken an die weiblichen KZ-Häftlinge

Csörgits: Gedenken ist Auftrag, gegen Rassismus und Diskriminierung zu kämpfen

Wien (ÖGB) - Vor 61 Jahren wurden das Konzentrationslager Mauthausen und seine Nebenlager befreit. Bei der heutigen Gedenk- und Befreiungsfeier in Mauthausen stehen erstmals die weiblichen Opfer des Konzentrationslagers im Zentrum. "Unser Gedenken gilt den Antifaschistinnen, es gilt den Widerstandskämpferinnen und den so genannten 'rassisch' verfolgten Frauen. Gedenken wollen wir heute aber auch jener Frauen, die in der Bordellbaracke in Mauthausen zu sexueller Zwangsarbeit genötigt wurden und deren Schicksal jahrzehntelang tabuisiert wurde", sagte ÖGB-Vizepräsidentin und Frauenvorsitzende Renate Csörgits heute bei der Gedenkfeier. ++++

Es ist wenig bekannt über die rund 8.500 Frauen und Mädchen, die im Konzentrationslager Mauthausen inhaftiert waren. "Angesichts der Tatsache, dass die überwältigende Mehrheit der Gefangenen in Mauthausen Männer waren, blieben die weiblichen Opfer lange Zeit ausgeklammert. Es ist wichtig, dass es ab heute in Mauthausen auch eine Frauengedenktafel gibt, die als bleibendes Erinnerungsmal auf die Schicksale der weiblichen Opfer des Holocaust hinweist", so Csörgits weiter. In ihrer Ansprache erinnerte Csörgits auch an Käthe Leichter, die Begründerin der Frauenabteilung in der Wiener Arbeiterkammer. Gemeinsam mit Rosa Jochmann und anderen Gewerkschafterinnen hatte Leichter vehement für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen der Frauen gekämpft. Käthe Leichter war 1939 von den Nazis abtransportiert und 1942 im Konzentrationslager Ravensbrück ermordet worden.

Nicht stillhalten, wenn Unrecht geschieht!

"Nicht stillhalten, wenn Unrecht geschieht", ist das Motto einer Halleiner Widerstandskämpferin, an die Csörgits ebenfalls in ihrer Rede erinnerte: Agnes Primocic, die vergangenes Jahr ihren 100. Geburtstag feierte. Sie rettete mit ihrem Einsatz in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs noch 17 Menschen aus einem KZ-Außenlager bei Hallein. "Wir sind es den Opfern des Holocaust und den Widerstandskämpferinnen und Widerstandskämpfern schuldig, für immer allen Formen von Rassismus und Diskriminierung abzusagen. Das heutige Gedenken soll uns gleichzeitig Auftrag sein: Auch wir dürfen niemals stillhalten, wenn Unrecht geschieht", so Csörgits abschließend.

ÖGB, 7. Mai
2006
Nr. 319

Rückfragen & Kontakt:

ÖGB Presse und Öffentlichkeitsarbeit
Maga. Martina Fassler
Tel.: (++43-1) 534 44/480 DW
Fax: (++43-1) 533 52 93
http://www.oegb.at

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NGB0002