"Kleine Zeitung" Kommentar: "Bawag als Wahlkampfthema macht ganz Österreich mies" (von Wolfgang Simonitsch)

Ausgabe vom 28.04.2006

Graz (OTS) - Freilich ist es verlockend, daraus politisches Kleingeld zu münzen. Was da täglich über die Bawag durchsickert, ist nicht nur ein gefundenes, sondern ein schon vorgekautes Fressen für die Regierung. Zitzerlweise dringt wahrlich Unglaubliches ans Licht.

Aufreger ist nicht nur die Großmannssucht eines aufgeblasenen Ex-Chefs der Bawag, der sich um einen Bruchteil des wahren Wertes vom selbst ausgesuchten Nachfolger (!) eine prächtige Penthouse-Wohnung aus dem Bawag-Besitz verkaufen lässt. Daneben glänzt dieser Herr auch noch in Hochglanz-Magazinen, für die er sich gern mit Golfschläger und dunkler Brille, die ihn vor der südfranzösischen Sonne schützen soll, abbilden lässt.

Garniert wird diese Bawag-Milieustudie mit immer abenteuerlicheren Geschichten aus der Welt des großen Geldes, in der die abgehobenen Bawag-Bosse kräftig auf die Nase gefallen sind. Sie haben Milliarden verzockt und eventuell weitere riskiert, falls sich amerikanische Gläubiger durchsetzen, die ein New Yorker Gericht einspannen wollen, um bei der Bawag noch eine Milliarde abzuheben. So weit, so schlecht.

Noch schlimmer wird die Bawag-Misere, die tausende Sparer verunsichert hat, wenn sich jetzt auch noch die Politik des Themas bemächtigt. Wie es die ÖVP vor hat. Die SPÖ-nahe Bawag werde ein Wahlkampfthema werden, hat Kanzler Wolfgang Schüssel gestern erklärt.

Da nützt es wenig, wenn er flankierend dazu auffordert, sich bei Spekulationen über die Bawag zu mäßigen. Und betont, niemand wolle durch ständige Diskussionen über Krisenpläne die Bank gefährden. Die ÖVP täte gut daran, sich selbst an der Nase zu nehmen. Und die Troubles der Bawag trotz aller ÖGB- und SPÖ-Nähe nicht permanent zu thematisieren.

Dadurch bringt sie auch den Finanzplatz Wien und Österreich international ins Gerede. Inzwischen wundern sich ja schon Geschäftsleute sogar aus der Ukraine, dass Bankenaffären wie jene der Kärntner Hypo Alpe Adria-Bank oder der Bawag überhaupt möglich sind.

"Wir haben geglaubt, so etwas gibt es höchstens bei uns oder in anderen Entwicklungsländern", berichten Geschäftsreisende aus aller Welt. Auch Notenbank-Chef Klaus Liebscher darf im Ausland immer öfter diese Skandale erklären.

Darauf herumzureiten, macht alles noch ärger. Kapital ist sensibel, hochmobil. Womöglich fließen bald Gelder aus Österreich ab, leidet der Ruf aller Banken, die sich dann, zum Schaden aller, teurer finanzieren müssen. Das kann die große Regierungspartei nicht wollen. Das ist Miesmacherei einfach nicht wert. ****

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