Wiener Zeitung: Andreas Unterbergers Kommentar

Steirische Bräuch

Wien (OTS) - Zwei steirischen Firmen steht das Wasser bis zum
Hals. Ihre Verteidigungslinie: "Das sind nur Liquiditätsprobleme." Bloßer Euphemismus, in Wahrheit haben sie in einer Art Größenwahn über die Verhältnisse gelebt. So weit, so alltäglich.

Ganz und gar nicht alltäglich ist aber, dass die beiden Firmen von der steirischen Landesregierung durch Haftungsübernahmen gerettet werden. Da vielen anderen Firmen in ähnlicher Lage nicht auf Kosten des Steuerzahlers geholfen wird, ist das eine Wettbewerbsverzerrung, die die EU nur deshalb nicht interessiert, weil die beiden Grazer Vereine keine grenzüberschreitende Relevanz haben.

Warum dieser Rückfall in alte Politiker-Sünden? Die Antwort ist einfach: Es geht nicht um normale Firmen, sondern um Fußballvereine, noch dazu um die weitaus erfolgreichsten der Steiermark und zeitweise auch Österreichs. Und seit sich die politische Klasse immer öfter der Strategie "Brot und Spiele" bedient, hält sie es offenbar für völlig unproblematisch, in die Taschen der Steuerzahler zu greifen, nur damit ein Fußballverein - oder ein Tierpark - weiterexistieren kann.

Letztlich sind die Gerichte und die EU die einzige Hoffnung der Bürger, dass diesem teuren Filz ein Ende bereitet wird. Und dass auch die Sportwelt erkennt: Die Gesetze gelten für alle. Was die Fußballer gerade an Hand eines Strafurteils wegen eines besonders aggressiven Fouls lernen mussten. Und was den österreichischen Langläufern in den letzten Wochen von der italienischen Justiz klar gemacht wurde.

Es ist nicht nur im Sport und bei Tierparks so: Wo substanzlose Firmen oder labile Menschen der Seitenblicke-Gesellschaft von den Medien und vom Publikum allzu sehr in den Himmel gehoben werden, glauben sie selbst nur allzu leicht, dass für sie gar keine Regeln gelten. Zumindest so lange sie erfolgreich sind. Umso härter ist dann der Schock, wenn die Realität zuschlägt. Umso größer ist dann die Mitschuld aller, welche die Stars vergöttert haben. Denn vor dem Gesetz sind diese zum Glück auch nur Menschen.

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