Web Sixty-Six - Gastkommentar von Kurt Einzinger (ISPA) im neuen economy

Wien (OTS) - Mit der Einführung von HTML (Hypertext Mark-up Language) und von Software, die diese Sprache verstand und auf dem Bildschirm wiedergab (Wer erinnert sich noch an "Mosaic"?), war der Siegeszug des World Wide Web nicht mehr aufzuhalten. Waren vorher Internet-Anwendungen noch Technikern und Studenten vorbehalten (Weiß jemand noch, was ein "Gopher" ist?), wurde mit der simplen, intuitiven Bedienung der Web-Browser das Internet alltags- und mehrheitstauglich. Seither sind über 13 Jahre vergangen, das so genannte Breitband hat sich als Zugangsart zum Internet als Standard etabliert (Hatte es mal jemand mit dem lahmen "2.400 Baud" versucht?), und eine Unmenge an nützlichen Web-Anwendungen ist heute global verfügbar.

Der Begriff "Web 2.0" versucht nun, sehr unbestimmt eine Veränderung in der Wahrnehmung und Nutzung des Internets zu beschreiben. Ursprünglich als Marketing-Instrument eingeführt, stieß der Begriff auf relativ großen Widerhall in der interessierten Öffentlichkeit. Das könnte so gedeutet werden, dass eine größere Gruppe von Menschen ein Gefühl einer einschneidenden Veränderung empfunden hat, ohne dass man diese Veränderung auf eine bestimmte Technologie oder eine einzelne Entwicklung zurückführen könnte. In diesem Sinne bleibt Web 2.0 ein beschreibender Begriff für gewisse Entwicklungen, die nicht wirklich real festmachbar sind wie zum Beispiel eine bestimmte Software-Version oder ein Automodell. Auf Grund der Unschärfe des Begriffs und seiner beliebigen Verwendbarkeit kann damit nahezu alles bezeichnet werden, was neu und gerade populär im Internet ist, zum Beispiel RSS, Tags oder Podcasts.

Aus technischer Sicht hat sich das Internet und das World Wide Web seit den 90er Jahren nicht entscheidend verändert. Grundlage war und bleibt das Internet-Protokoll (IP), wobei zur Zeit noch hauptsächlich die Version 4 verwendet und die Umstellung auf Version 6 vorbereitet wird. Auch diese Umstellung wird keine für den Nutzer direkt spürbare Veränderung bringen. Spür- und sichtbare Veränderungen liegen in Zukunft vielmehr in der Zunahme und den Innovationen bei den Anwendungen, die das Internet und das World Wide Web als Basis benutzen - das heißt, die mittels Browser bedient werden. Durch die schnellen Internet-Zugänge via Breitband und die weiterhin starke Zunahme der Internet-Nutzer entstehen immer mehr Möglichkeiten für nützliche oder unterhaltsame Anwendungen.

Abgesehen vom geschäftlichen Bereich, wo heute schon davon ausgegangen werden kann, dass jedes Unternehmen ans Internet angeschlossen ist, wird auch ein Breitband- Internet-Anschluss in wenigen Jahren in jedem privaten Haushalt selbstverständlich sein. Das ergibt ein unglaubliches Potenzial für Anwendungen, die dieses globale, alle mit allen immer verbindende Netzwerk nutzen. Sowohl die Quantität als auch die Qualität der Dienste und Programme im Internet haben stetig zugenommen und werden es weiter tun. Dies ist jedoch eine kontinuierliche und iterative Entwicklung, bei der keine Sprünge oder Stufen festzustellen sind, die einer eigenen Bezeichnung bedürfen. Als Marketing-Begriff ist Web 2.0 wohl gut zu gebrauchen, wie man an der Diskussion darüber erkennen kann. Warum also nicht Web 3.5, Web 27 oder Web 66 als Bezeichnung einbringen? Neue Dienste und Innovationen als Begründung dafür werden sicherlich ausreichend entstehen.

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